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SRG-Chefs wollten Radiodirektor heimlich küren

In der SRG brodelt es: Am kommenden Montag will der Verwaltungsrat den Nachfolger von Radiodirektor Walter Rüegg ernennen – ohne die Stelle auszuschreiben. Und vor allem: ohne vorgeschriebenes Wahlverfahren.

Wer gibt bei Radio DRS in Zukunft den Ton an? Die Antwort will der Verwaltungsrat nächste Woche liefern.
Wer gibt bei Radio DRS in Zukunft den Ton an? Die Antwort will der Verwaltungsrat nächste Woche liefern.
Keystone

Erneut wollen SRG-Chefs einen der wichtigsten Posten in ihrem Betrieb in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ersetzen. Der Plan: Der Verwaltungsrat der SRG Deutschschweiz soll den Nachfolger von Radiodirektor Walter Rüegg am nächsten Montag in einem ausserordentlichen Verfahren bestimmen. Das ergaben Recherchen dieser Zeitung. Kommuniziert wurde das nirgends. Selbst regionale SRG-Verwaltungsräte wurden nicht orientiert. Ausgeschrieben war die Stelle weder intern noch extern. Der Radiodirektor ist operativer Chef über sämtliche Sender von Radio DRS: Das sind insgesamt zehn Radioprogramme – angefangen von DRS1 bis 4, über DRS Virus bis hin zu «Musikwälle» und Radio Swissclassic.Konfrontiert mit den Recherchen dieser Zeitung, bestätigt Verwaltungsratspräsident Viktor Baumeler: «Die Nachfolge von Walter Rüegg ist für Montag traktandiert.» Und: «Es besteht die Möglichkeit, dass der Verwaltungsrat am Montag bereits einen Nachfolger bestimmt.» Wer dafür vorgesehen ist, wollte Baumeler nicht sagen.Doch wie dieser Zeitung von mehreren Quellen versichert wurde, hat der Verwaltungsratspräsident Iso Rechsteiner als Rüeggs Nachfolger vorgesehen. Rechsteiner ist der amtierende Vizedirektor von Schweizer Radio DRS. Kniff der Chefs?Wird der neue Radiodirektor wie geplant bereits am kommenden Montag bestimmt, wäre dies aus folgendem Grund brisant: Der Verwaltungsrat darf den Radiodirektor gar nicht selber bestimmen. Er ist nur für den Vorschlag zuständig. Den Radiodirektor wählen muss – gemäss Statuten – der SRG-Regionalrat. Genau dies wollen die SRG-Chefs aber offenbar umgehen. Der Regionalrat ist vergleichbar mit der Delegiertenversammlung eines Verbandes. Gemäss Recherchen versuchen die SRG-Chefs, das ordentliche Ernennungsverfahren mit einem Kniff zu umgehen. Offiziell soll der neue Direktor offenbar nur «ad interim» gewählt werden. Rein rechtlich ist das angeblich ohne das übliche Verfahren möglich. Die Argumentation: Der neue Radiodirektor hat «nur» eine Amtszeit von eineinhalb Jahren. Danach – so ist offiziell geplant und bekannt – soll an der Stelle der Fernseh- und Radiodirektoren ein Superdirektor eingesetzt werden. Dieser ist dann Herr über beide Medien.Für Kritiker ist aber klar: Gerade dem jetzt zu bestimmenden Radiodirektor kommt eine immanent wichtige Rolle zu (siehe Artikel unten). Denn seine Amtszeit fällt just in jene Zeit, in der die Zusammenführung von Fernsehen und Radio aufgegleist wird.Gutachten erstelltOffenbar war selbst den SRG-Chefs klar, dass ihr Vorgehen schon nur juristisch gesehen heikel ist. Laut gut unterrichteten Quellen liessen sie bei Patrick Holtz, dem Leiter des SRG-internen Rechtsdienstes, ein Gutachten erstellen über die rechtliche Situation bei der Ernennung des neuen Radiodirektors. Verwaltungsratspräsident Baumeler sagte auf Anfrage, über interne Gutachten gebe er keine Auskunft.

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