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Nach über 60 Jahren erinnert sich der Bundesrat an Afrika

Bundespräsidentin Sommaruga lädt einen afrikanischen Präsidenten zum Staatsbesuch – zum ersten Mal seit 1956.

Ende Februar kommt der ghanaische Staatspräsident Nana Akufo-Addo in die Schweiz. Foto: Sean Gallup (Getty Images)
Ende Februar kommt der ghanaische Staatspräsident Nana Akufo-Addo in die Schweiz. Foto: Sean Gallup (Getty Images)

Mit dem Klimaskeptiker Donald Trump sprach sie am Weltwirtschaftsforum demonstrativ über die Klimakrise. Und jetzt setzt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (SP) das nächste aussenpolitische Zeichen in ihrem Präsidialjahr: Am 28. Februar empfangen Sommaruga und der Gesamtbundesrat Nana Akufo-Addo, den Präsidenten von Ghana, zum Staatsbesuch in der Schweiz. Die Medienstelle der Bundespräsidentin bestätigte entsprechende Recherchen.

Die Einladung an das 75-jährige Staatsoberhaupt von Ghana hat eine historische Dimension. Es ist der erste Staatsbesuch aus Subsahara-Afrika seit 64 Jahren. Der letzte Ehrengast aus dieser Weltregion war William Tubman, damals Präsident von Liberia, im fernen Jahr 1956. Zwei Jahre zuvor hatte der Gesamtbundesrat zudem dem äthiopischen Kaiser Haile Selassie den roten Teppich ausgerollt. Danach stand Subsahara-Afrika fast ein Menschenleben lang nicht mehr auf der Gästeliste der Schweizer Landesregierung.

Dabei haben Staatsbesuche in der Schweiz eine ganz besondere symbolische Bedeutung: Der ausländische Gast wird jeweils nicht bloss vom amtierenden Bundespräsidenten empfangen, sondern vom Gesamtbundesrat. Nur gemeinsam erfüllen die sieben Bundesratsmitglieder die Funktion als Staatsoberhaupt, das dem ausländischen Gast auf Augenhöhe begegnen kann.

Schweiz will «Chancen wahrnehmen»

Weil solche Visiten sehr aufwendig sind, empfing der Bundesrat früher jeweils höchstens einen Staatsbesuch pro Jahr. In den letzten Jahren waren es meist zwei. Die meisten Einladungen ergingen dabei an europäische Länder oder politisch und wirtschaftlich interessante Grossmächte wie China, Indien oder Russland.

Dass Sommaruga nun ein wenig bekanntes Land aus Afrika berücksichtigt, erklärt ihre Sprecherin Géraldine Eicher unter anderem mit der neuen aussenpolitischen Strategie, die der Bundesrat Ende Januar verabschiedet hat. Darin heisst es, die Schweiz wolle in Afrika «vermehrt Chancen wahrnehmen und die Region bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen partnerschaftlich unterstützen». Dies begründet der Bundesrat unter anderem damit, dass das wirtschaftliche Potenzial Afrikas gross sei – wenn es nicht durch schlechte Rahmenbedingungen und Korruption beeinträchtigt wäre.

Der grösste Kakao-Lieferant

Gerade in diesem Zusammenhang gilt Ghana als Hoffnungsträger. Das Land mit seinen rund 30 Millionen Einwohnern ­wurde 1957 unabhängig, als erste englische Kolonie in Afrika. Nach mehreren Militärputschen und autokratischen Phasen gilt Ghana heute als relativ stabil. Zuletzt habe es sich in Westafrika «zum Modell-Land in Sachen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entwickelt», sagt Sommarugas Sprecherin Eicher.

Hinzu kommt, dass Ghana für die Schweiz auch wirtschaftlich überraschend wichtig ist: Es ist – nach Südafrika – der ­zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz in ganz Afrika. Zwar beliefen sich die Schweizer Exporte nach Ghana 2019 auf eher bescheidene 37,3 Millionen Franken. Die Importe erreichten im Gegenzug den enormen Wert von 2,4 Milliarden Franken. 97 Prozent davon gehen laut Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft auf das Konto von Gold-Importen. Ghana ist aber auch seit über zwanzig Jahren der bedeutendste Kakao-Lieferant des Schoggi-Landes Schweiz.

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