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Sie verführte Priester gleich reihenweise

Die Zentralschweizerin Ruth Schmid war unglücklich verheiratet. Darum suchte sie Trost bei geistlichen Männern.

Nach dem Tod kommt ihr zweites Leben zum Vorschein. In Form von Liebesbriefen. Die Töchter finden in einem Schrank ein Geheimfach und darin Briefe von verknallten Pfarrern an die Mutter. Viele, viele schwülstige Zeilen, sehnsüchtige und, ja, auch unbeholfene.

Dies ist die geheime Geschichte von Ruth Schmid (Name geändert). Die Frau aus gutem Haus in der Zentralschweiz hatte in den 50er-Jahren einen Mann geheiratet, der mehr ihren Eltern genehm war als ihr selbst. Eine andere amouröse Verbindung war ihr zuvor verboten worden. Ihr Vater war Regierungsrat, das Ansehen in der Gesellschaft stand über allem.

«Die Verführerin»

So erzählt es das jüngst erschienene Buch «Die Verführerin» von Heidy Gasser (Verlag Bildfluss). Gasser hat 200 Liebesbriefe ausgewertet und ausführlich mit Schmids beiden Töchtern ge­sprochen. Entstanden ist ein Text über eine Zeit mit rigiden Moralvorstellungen. Und über eine Frau, die sich im Geheimen Freiheiten ertrotzte.

Ruth Schmids Ehe serbelte nach ein paar Jahren dahin. Man hoffte auf ein Kind, das alles Zerbrochene hätte kitten sollen, das aber lange nicht kam. Der Rat aus dem Umfeld war ein Befehl: Bleib bei ihm. An Scheidung war nicht zu denken, darum suchte und fand die Frau Trost. Bei Ehr- und Hochwürden, äusserlich ohne Fehl und Tadel.

Etwa bei Pfarrer Paul aus dem Val Lumnezia. Er schreibt: «Dein ständiges zartes Herzklopfen würde mich veranlassen, Deine lieben Brüste zu streicheln und alle anderen schönen Formen.» Oder Pater Anton: «Ruth, ich könnte Dich – Entschuldigung – fressen mit Haut und Haar (schwarz und braun!), mit Stumpf und Stiel.» Oder Vikar Beat: «Liebe Ruth, natürlich hast Du auch äusserliche Vorzüge (...), zudem hast Du eine schön gebaute Figur.» Und da ist Pater Gregor, der schreibt: «Aus meiner Äusserung am Telefon (und leider auch im Brief) konnten Sie sehen, wie unerfahren ich im Umgang mit einer Frau bin!»

Jeder andere Männerbesuch wäre skandalös gewesen.

Autorin Heidy Gasser hat ihre Protagonistin gekannt. Sie beschreibt sie als Egoistin, die ihre Töchter vernachlässigte. Gleichzeitig nennt sie Ruth Schmid mutig. «Sie war unerfüllt und unzufrieden. Also wollte sie das ändern.» Schmid sprach Pfarrer und Mönche an, sie lud sie zu sich nach Hause ein. Jeder andere Männerbesuch wäre skandalös gewesen, doch ein Mann im Gewand Gottes als Gast, das war vorbildlich und sittsam. Und die Pfarrherren hielten dicht.

Trotzdem flog Ruth Schmid mehrmals beinahe auf. Pater Felix nahm sich der Frau derart forsch an, dass die beiden von einer Tochter in flagranti ertappt wurden. Und auch die Liaison mit dem jungen Seelsorger Andrin war plötzlich kein Geheimnis mehr. Schmid erhielt einen Brief von der Klosterleitung. Eine Warnung.

Als die Mutter stirbt, erfahren die Töchter von ihrem Doppelleben, aber auch von einem zweiten Geheimnis, das die Mutter ein Leben lang für sich behalten hatte. Drei Jahre vor ihrer Heirat war sie mit einem Kind schwanger. Aus Angst vor einem Skandal brachten die Eltern sie in ein abgelegenes Bündner Dorf zu einem befreundeten Pfarrer. Dort musste sie sich über Monate in einem Haus verstecken. Nach der Geburt wurde das Kind sogleich fortgebracht.

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