Zum Hauptinhalt springen

Schweizer und Briten warnen WEF-Gast vor russischer Attacke

Ein Kremlkritiker, der jährlich nach Davos fährt, bekam gemäss eigenen Angaben vergangene Woche eine Warnung vor russischen Agenten in der Schweiz. Sein Leben sei in Gefahr.

Bill Browder benutzt das WEF nicht nur für seine Geschäfte, sondern vor allem, um Forum-Teilnehmer auf die prekäre Menschenrechtssituation in Russland aufmerksam zu machen. Foto: Reuters
Bill Browder benutzt das WEF nicht nur für seine Geschäfte, sondern vor allem, um Forum-Teilnehmer auf die prekäre Menschenrechtssituation in Russland aufmerksam zu machen. Foto: Reuters

Der amerikanisch-britische Investor und Kremlkritiker Bill Browder ist ein Dauergast am Weltwirtschaftsforum (WEF). 23 Jahre schon fahre er nach Davos, sagt er. Doch dieses Jahr sei er zum ersten Mal gewarnt worden, in der Schweiz besonders auf sich aufzupassen – von offizieller Seite.

«Die britischen Sicherheitsbehörden liessen mir am Freitag eine Warnung ihrer Schweizer Kollegen zukommen, wonach meine physische Sicherheit am WEF durch russische Akteure bedroht sei», sagt Browder. Browder hat sich in den vergangenen Jahren in Russland bis in die Regierung hinein viele Feinde gemacht, weil er Sanktionen gegen viele einflussreiche Russen in den USA und anderen Ländern initiierte. Weitere Details zum britisch-schweizerischen Hinweis will Browder aus Sicherheitsgründen, wie er sagt, nicht offenlegen.

Spengler mit Diplomatenpass

In der Schweiz ist vorab der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) für solche Warnungen zuständig. Dessen stellvertretende Kommunikationschefin Lea Rappo schreibt, man äussere sich «weder zu Einzelfällen noch zur Zusammenarbeit mit ausländischen Partnerdiensten». Sie fügt aber hinzu: «Generell kann davon ausgegangen werden, dass der NDB Massnahmen zum Schutz von bedrohten Personen ergreift, falls ihm entsprechende Hinweise vorliegen.»

Eine Warnung an Browder könnte zur jüngsten Enthüllung des Tamedia-Recherchedesks bezüglich der Aktivitäten russischer Spionageverdächtiger in der Schweiz passen. Im August 2019 hatte die Bündner Kantonspolizei in Davos zwei Russen kontrolliert. Zumindest einer der beiden behauptete, er sei Spengler, beide verfügten über Diplomatenpässe.

Der russische Militärgeheimdienst GRU steckt gemäss Erkenntnissen westlicher Nachrichtendienste hinter mehreren Mordversuchen in Europa aus den vergangenen Jahren. Russland bestreitet dies. Der bekannteste Fall ist das gescheiterte Nervengift-Attentat auf den russischen Doppelagenten Sergei Skripal im englischen Salisbury im Frühjahr 2018. Die mutmasslichen Killer hielten sich bis kurz vor dem Anschlag mehrfach am Genfersee auf. Zur Aufklärung der GRU-Aktivitäten arbeiteten der schweizerische und der britische Nachrichtendienst eng zusammen.

Russland bestreitet alles

Im Davoser Fall liessen sich dem «Spengler-Diplomaten» und seinem Begleiter keine Vorbereitungshandlungen nachweisen, weder für eine Gewalttat noch für eine Spähoperation. Doch Quellen in Graubünden und beim Bund, die mit dem Fall betraut sind, gehen nicht zuletzt aufgrund der Diplomatenpässe und des Zielorts Davos davon aus, dass die beiden nicht als Handwerker für drei Wochen in die Alpen gereist waren. Die russische Botschaft bestreitet die Spionagevorwürfe. Auch eine Verstrickung in Attentate weist das Putin-Regime von sich.

Bill Browder ist auch heuer nach Davos gereist. Er benutzt das WEF nicht nur für seine Geschäfte, sondern noch viel mehr, um andere Forum-Teilnehmer auf die prekäre Menschenrechtssituation in Russland aufmerksam zu machen. Als sein Weggefährte und Mitarbeiter Sergei Magnitski 2009 in einem Moskauer Gefängnis qualvoll umkam, ist Browder vom Investor zum Aktivisten geworden – und bald auch zum russischen Staatsfeind.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch