Verletzte Munitionsexperten sollen bald ausgeflogen werden

Drei Schweizer Armeeangehörige waren in einem Restaurant in der malischen Hauptstadt Bamako, als Attentäter das Feuer eröffneten. Die Armee geht aber nicht davon aus, dass sie das Ziel waren.

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Bei einem Anschlag auf ein Restaurant in der malischen Hauptstadt Bamako sind in der Nacht auf heute mindestens fünf Menschen getötet worden. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter zwei Schweizer Armeeangehörige. Das Attentat traf das Restaurant «La Terasse», das bei Ausländern und NGO-Mitarbeitern sehr beliebt ist. Nach Angaben der UNO-Mission in Mali (MINUSMA) und der Polizei stürmte mindestens ein maskierter Bewaffneter gegen 1 Uhr Ortszeit das Lokal in einer belebten Strasse im Stadtzentrum und eröffnete das Feuer auf die Gäste.

Der Schütze habe laut «Allahu Akbar» («Gott ist gross») gerufen, berichtete ein Augenzeuge. Anschliessend seien die Männer mit einem Auto und einem Motorrad geflohen. Die Zeitung «Le Combat» berichtete auf ihrer Webseite, ein Mann und eine Frau hätten mit «schweren Waffen» um sich geschossen. Ein dritter Angreifer habe beim Eingang Wache gestanden. Augenzeugen sagten, sie hätten die Terroristen in mindestens zwei Fahrzeugen fliehen sehen, einem schwarzen Mercedes und einem BMW.

Wer der oder die Täter waren, darüber gibt es keine offiziellen Angaben. Stunden nach dem Anschlag meldeten die Behörden die Festnahme von zwei Verdächtigen, ohne nähere Angaben zu machen; die Polizei sprach von einem «Terroranschlag».

Rega soll Verletzte sollen in die Schweiz fliegen

Unter den Toten waren nach Behördenangaben drei Einheimische sowie ein Franzose und ein Belgier, der für die EU-Vertretung in Mali arbeitete. Der getötete Belgier war offenbar von den flüchtenden Attentätern vor seinem Haus erschossen worden.

Mindestens acht Personen wurden verletzt. Die beiden verletzten Schweizer Munitionsexperten wurden mit schweren Verletzungen ins Spital gebracht. Einer stammt aus der Westschweiz, der zweite aus der Deutschschweiz. Ihr Gesundheitszustand ist gemäss dem Kompetenzzentrum Friedensfördernde Einsätze des Verteidigungsdepartements (SWISSINT) «stabil aber kritisch».

Ein weiterer Schweizer Armeeangehöriger vor Ort überstand den Anschlag unverletzt. Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gab es keine Hinweise, dass weitere Schweizer Staatsbürger beim Attentat involviert waren.

Gemäss SWISSINT-Sprecher Mirco Baumann ist die Armee in Kontakt mit der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega, um die Verletzten in ihre Heimat zurückzuführen. «Sobald sie stabil genug sind, werden wir sie in die Schweiz zurückholen», sagte er. Der Unverletzte werde in Mali bleiben. Frankreich, Belgien, die Schweiz, die USA und die UNO-Mission in Mali (MINUSMA) verurteilten den Anschlag.

Sicherheitsmassnahmen erhöht

Dutzende Polizisten riegelten nach dem Anschlag den Bereich um das Restaurant ab. Die französische Botschaft in Bamako rief Franzosen im Land zur Vorsicht auf und richtete einen Krisenstab ein. Die Sicherheitsvorkehrungen für französische Einrichtungen in Mali wurden verstärkt.

Der belgische Aussenminister Didier Reynders zeigte sich schockiert über den «feigen und gemeinen Terror». Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte den «feigen Anschlag». Der malische Präsident Ibrahim Boubacar Keïta berief den Verteidigungsrat ein.

Mali war nach einem Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein, um das Vorrücken von radikalen Islamisten und Tuareg-Rebellen vom Norden in den Süden des Landes zu stoppen und die geschwächten Regierungstruppen zu unterstützen.

Später übergaben die Franzosen die Verantwortung an die Blauhelm-Mission MINUSMA. Die in der Südhälfte des Landes gelegene Hauptstadt Bamako war zuletzt von Angriffen verschont geblieben. Es ist dort der erste Anschlag seit Jahren.

Fünf Schweizer Militärexperten in Mali

Derzeit befinden sich insgesamt fünf Schweizer Armeeangehörige als Munitionsexperten im westafrikanischen Land, drei von ihnen sind dort im Rahmen von UNO-Missionen stationiert. Die zwei anderen hätten sich auf Dienstreise in Mali befunden, sagte SWISSINT-Sprecher Baumann.

Ob die vor Ort verbleibenden Armeeangehörigen ebenfalls in die Schweiz zurückgeholt werden, konnte der Armee-Sprecher nicht sagen. Ob eine Mission abgebrochen werde, sei ein politischer Entscheid und obliege dem Bundesrat.

rub/sda/AFP

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