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Schengen: Nun kommen die Chinesen

Ab morgen gehört die Schweiz zum Schengen-Raum. Für Schweizer Bürger ändert sich nicht viel. Profitieren werden die rund 400'000 Ausländer aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei – sowie Touristen aus China.

Die Schweiz ruft: Chinesische Touristen auf dem Titlis.
Die Schweiz ruft: Chinesische Touristen auf dem Titlis.
Keystone

Viele Ausländer in der Schweiz dürfen sich freuen: Vorbei sind die Zeiten, als sie für den Einkauf in Deutschland ein Visum brauchten. Morgen wird die Schweiz Schengen-Mitglied. Die rund 400'000 Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, die in der Schweiz wohnen, können künftig mit ihrem Ausländerausweis im Schengen-Land herumreisen – also in fast ganz Europa.

Der Ausländerausweis – der neu im Kreditkartenformat ausgestellt wird – gilt als Schengen-Visum für drei Monate. Die neue Regel wirft jedoch bei vielen Ausländern Fragen auf: «Wir haben mehr Anfragen als sonst», sagt Jonas Montani, Sprecher des Bundesamtes für Migration. Neu müssen auch Touristen aus Nicht-EU-Ländern kein spezielles Visum mehr für die Schweiz kaufen. Gerade für chinesische Touristen, die oft ganze Europa-Rundreisen buchen, ist das ein Anreiz für einen Schweiz-Aufenthalt.

Schweiz Tourismus rechnet damit, dass die Anzahl Übernachtungen von Chinesen 2009 auf 316'000 steigen wird – trotz Finanzkrise. Gegenüber Ende 2007 ist das ein Zuwachs von 86'000. «Schengen ist ein Gewinn für den Tourismus», sagt Montani. Benachteiligt werden jedoch Touristen und Geschäftsreisende aus Südafrika: Ohne Visum wird für sie die Reise am Schweizer Grenzposten enden.

Was sich sonst noch ändert

Die weiteren Neuerungen, die Schengen bringt:

• Mobile Grenzkontrollen: Für Personen, die auf dem Landweg die Grenze überqueren, bleibt alles beim Alten. Jürg Noth, Chef des Schweizer Grenzwachtkorps, betonte mehrmals: «Es wird sich nichts ändern, denn wir arbeiten heute schon schengenkonform.» Da die Schweiz nicht EU-Mitglied ist, werden weiterhin Warenkontrollen durchgeführt. Auch bei den Ausweiskontrollen ändert sich nichts: Die Zöllner bewachen schon seit längerem nur 3 Prozent aller Grenzübergänge und führen im Landesinneren Kontrollen durch. Diese werden nun zum Standard.

• Kontrollen an den Flughäfen: Ab dem 29. März durchlaufen Passagiere, die in einen Schengen-Staat reisen oder aus einem solchen ankommen, eine eigene Sicherheitsschleuse – ohne Passkontrollen. Passagiere aus Nicht-Schengen-Ländern werden weiterhin kontrolliert.

• Biometrischer Pass: Mit dem Schengen-Abkommen werden biometrische Pässe Pflicht. Das Stimmvolk muss voraussichtlich nächsten Mai über diese abstimmen, da das Referendum ergriffen wurde. Der Bundesrat hat davor gewarnt, dass ein Nein das Ende des Schengen-Abkommens bedeuten könnte.

• Asyl-Abkommen von Dublin: Zusammen mit Schengen hat das Schweizer Stimmvolk auch das Abkommen von Dublin gutgeheissen. Ziel: Asylsuchende dürfen nur in einem Dublin-Staat ein Gesuch stellen. Um Mehrfachgesuche zu erkennen, werden Asylbewerber und illegal Eingereiste seit Januar 2003 mit Fingerabdrücken in der Datenbank Eurodac erfasst.

• Informationssystem SIS: Im August nahm die Schweiz das Schengener Informationssystem SIS in Betrieb. Darin ist verzeichnet, wer in einem der 25 Schengen-Staaten gesucht wird oder mit einem Einreiseverbot belegt ist. Die Datenbank enthält auch Angaben über gestohlene Gegenstände, etwa Waffen oder Autos. Die Schweizer Polizei und die Grenzwache erhalten damit Zugriff auf alle europäischen Fahndungsdaten.

• Liechtenstein: Mit dem Beitritt der Schweiz zu Schengen wird Liechtenstein zur Schengen-Aussengrenze. Der ursprünglich zeitgleich geplante Beitritt Liechtensteins wird voraussichtlich bis Ende 2009 erfolgen. Streng genommen hätten an den schweizerisch-liechtensteinischen Grenzübergängen Schlagbäume errichtet werden müssen. Stattdessen wird die Grenze nun mit Videokameras überwacht.

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