«Rien ne va plus» beim Kandidatenroulette der FDP

Drei Freisinnige wollen die Nachfolge von Didier Burkhalter antreten – doch wer schafft es auf die offizielle Wahlempfehlung? Die wichtigsten Kriterien im Überblick.

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Die Frist für die Einreichung von Bundesratskandidaturen von FDP Kantonsparteien ist in der Nacht auf Samstag ausgelaufen. Wie erwartet sind beim Generalsekretariat schlussendlich drei Vorschläge eingegangen: Der Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis, die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret und der Genfer Staatsrat Pierre Maudet werden von ihren Kantonalparteien ins Rennen geschickt. Dies vermeldete die Partei in der Nacht auf Samstag über Twitter – mit Favorit Cassis auf der grossen Bildposition. In einem Communiqué pries die Partei sich und die drei Kandidaten damit an, dass alle Vorgeschlagenen über langjährige Erfahrung in politischen Spitzenämtern verfügten.

Ob es alle drei auf die offizielle Wahlempfehlung der FDP schaffen, entscheidet die Fraktion am 1. September an einer Sitzung in Neuenburg. Die Kandidaten werden an der Fraktionssitzung einzeln angehört, sagte FDP-Mediensprecher Georg Därendinger zum Vorgehen. Daraufhin entscheide die Fraktion, ob ein Zweier- oder Dreierticket präsentiert wird – und welche Namen darauf stehen.

Unterstützung für Frauenkandidatur

Nationalrätin Isabelle Moret kann bei der parteiinternen Ausmarchung auf die Unterstützung der Frauen zählen. Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen, hatte zwar nach der Bekanntgabe von Didier Burkhalters Rücktritt betont, es sei «die Stunde des Tessins». Doch Doris Leuthards Rücktrittsankündigung habe die Frauenfrage befeuert, sagte sie am Freitag in der Sendung «HeuteMorgen» von Radio SRF. Es sei wichtig, dass sich die FDP-Frauen nun «ganz dezidiert hinter Isabelle Moret stellen.»

Die Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro sagte der «Schweiz am Wochenende», sie habe mit ihrer zugunsten Morets zurückgezogenen Kandidatur den Anspruch der Frauen unterstreichen wollen. Im Bundesrat sollten stets mindestens drei Frauen sitzen, im Jahr 2017 dürfe das kein Thema mehr sein. Da müssten die Tessiner Ansprüche zurückstehen.

BDP-Parteipräsident Martin Landolt stiess ins selbe Horn. Der Tageszeitung «Blick» gab er zu Protokoll, für ihn sei die Geschlechterfrage wichtiger als die regionale Vertretung. Er werde Moret wählen; eine Partei mit zwei Bundesratssitzen sollte mindestens einen mit einer Frau besetzen. Der Anspruch des Tessins sei zwar berechtigt, sagte Landolt. Unbegreiflich sei ihm aber, weshalb die dortige FDP nicht ein Zweierticket mit einer Frau und einem Mann nominiert habe.

FDP in lateinischer Schweiz an der Spitze

FDP-Präsidentin Petra Gössi unterstrich in der «Samstagsrundschau» von SRF, dass die Liberalen in der lateinischen Schweiz die stärkste Partei seien. Das stütze schon einmal den Anspruch der FDP auf einen lateinischen Sitz. Tatsächlich ging die FDP in den Kantonen Neuenburg, Waadt, Genf und Tessin als stärkste Partei aus den Parlamentswahlen 2015 hervor.

Das Tessin sei zudem seit 1999 nicht mehr im Bundesrat vertreten, so Gössi weiter. Gemäss Bundesverfassung sei in der Landesregierung den Regionen und Landessprachen Rechnung zu tragen. Jetzt müsse die Fraktion abwägen, was sie stärker gewichte. Auch sie selbst wolle eine FDP-Frau im Bundesrat, wie man dahin komme, sei allerdings bei der gegenwärtigen Ausgangslage offen.

Mit einem Seitenhieb auf die CVP sagte Gössi, für diese Partei wäre eine Tessiner FDP-Bundesrätin die ideale Lösung: Frauen- und Tessinerproblem mit einem Schlag gelöst, könnten beim Rücktritt von Leuthard alle CVP-Männer mit Bundesratsambitionen einlaufen.

De Quattro will in den Nationalrat

Nach dem Verzicht auf eine Kandidatur will De Quattro auf die nationale Bühne. In einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «24 Heures» kündigte sie an, sie wolle nach zwölf Jahren im Regierungsrat ihres Kantons 2019 für den Nationalrat kandidieren. Im Staatsrat habe sie die Anliegen, für die sie gewählt worden sei, erfüllt.

Die grosse Kammer visiert sie an, weil die Waadt im Ständerat bereits mit Olivier Français über einen FDP-Vertreter verfügt. Français hatte den Sitz 2015 von den Grünen zurückerobert.

Aussenminister Didier Burkhalter tritt nach acht Jahren im Bundesrat per Ende Oktober zurück. Über seine Nachfolge entscheidet die Bundesversammlung am 20. September.

(mch/sda)

Erstellt: 12.08.2017, 13:53 Uhr

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