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Parmelins Englisch in der US-Presse: «Gewisse Werbewirkung»

Guy Parmelins Englischkenntnisse belustigen die USA – können aber auch gute Werbung sein, sagt ein Ex-Diplomat. Und erklärt, warum Bundesrätinnen sprachgewandter sind.

So sprachgewandt präsentiert sich unsere Landesregierung auf internationalem Parkett.

Dass ein Schweizer Bundesrat namentlich Thema in der «New York Times» ist, hat Seltenheitswert. Für den neuen SVP-Wirtschaftsminister Guy Parmelin ist die Schlagzeile allerdings wenig schmeichelhaft. «I can English understand» titelt die US-Zeitung mit Verweis auf Parmelins einschlägig bekannten Ausspruch zu seinen Sprachkompetenzen. «... but je préfère repondre en français», hatte er vor seiner Wahl 2015 in einem Radiointerview gesagt. Seither wird der SVP-Magistrat diesen Satz nicht mehr los wie eine lästige Fliege.

Die Schweizer zweifelten an den Englischkenntnissen ihres neuen Wirtschaftsministers, schreibt die NYT nun in ihrem breit abgestützten Artikel. Und bildet die aktuelle Diskussion im Land ab, die Parmelin höchstpersönlich letzte Woche befeuert hat. Als Redaktion Tamedia ihn im Interview aufforderte, seine Englischkenntnisse unter Beweis zu stellen, weigerte er sich mit den Worten: «Ich werde jetzt sicher nicht Englisch mit Ihnen reden – ausser, dass ich Ihnen Goodbye sage. Thank you! See you later!»

Das machte Parmelin zum Gespött in den Kommentarspalten, denn in seinem neuen Departement ist er neben der Wirtschaft auch für die Bildung und Forschung zuständig – Politikbereiche, deren internationale Vernetzung und Ausrichtung weit fortgeschritten ist.

Das Englisch der Magistraten

Doch der SVP-Bundesrat ist bei weitem nicht der einzige Bundesrat, der mit mangelhaften Sprachkenntnissen auffällt. Unvergessen ist etwa Johann Schneider-Ammanns französische Ansprache zum Tag der Kranken. Mit seiner angestrengten Rhetorik sorgte der abtretende FDP-Wirtschaftsminister 2016 ebenfalls weltweit für Lacher. Oder Ueli Maurer: Der SVP-Bundesrat trug 2013 bei der Eröffnung des WEF in Davos oder 2015 am Fifa-Kongress in Zürich eigenwillig artikulierte englische Reden vor, die hämische Kommentare zur Folge hatten.

«Selbstverständlich ist es heute wünschenswert, dass ein Mitglied der Schweizer Regierung Englisch spricht – gerade im Wirtschaftsdepartement», sagt Max Schweizer, der über 30 Jahre als Diplomat im Aussendepartement (EDA) gearbeitet hat.

Die Sprachdefizite vieler Schweizer Magistraten müssten jedoch kein zwingender Nachteil sein. Zum einen könnten sich Bundesräte jederzeit von Dolmetschern begleiten lassen. Zum anderen seien diese Mängel Ausdruck des volksnahen Milizsystems der Schweiz. «Im Unterschied zu Spitzenbeamten gibt es für Bundesräte kein definiertes Anforderungsprofil», so Schweizer. Dass Bundesrat Parmelin nun bereits vor Amtsantritt im Wirtschaftsdepartement in der «New York Times» präsent sei, könne sogar «eine gewisse Werbewirkung» für die Alpenrepublik Schweiz haben, glaubt der Ex-Diplomat.

Sprachgewandte Bundesrätinnen

Auffällig ist hingegen, dass Frauen im Bundesratsamt in der Regel weniger Mühe mit Fremdsprachen bekunden. Während Kandidat Hans Wicki im aktuellen Wahlkampf der FDP keinen französischen Satz artikulieren konnte («Je pense que le français ce n’est pas l’unique Merkmal, das ein Bundesrat haben muss»), vermochte die ausgebildete Konferenzdolmetscherin Karin Keller-Sutter selbst komplexe politische Dossiers fliessend in der zweiten Landessprache zu referieren. Und bei der CVP stand der zweisprachigen Walliserin Viola Amherd zunächst der Zuger Peter Hegglin gegenüber, der am Wahlpodium auf eine englische Publikumsfrage antwortete: «On English c’est difficult.»

Bereits die erste Bundesrätin der Schweiz, Elisabeth Kopp (FDP), überzeugte mit ihrem Englisch. Das löste bei ihren männlichen Kollegen allerdings auch Argwohn aus, wie sie unlängst in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» erzählte. So habe etwa Otto Stich (SP) zu einem Arbeitslunch mit der philippinischen Präsidentin Corazon Aquino einen Dolmetscher mitgebracht, während sie keinen brauchte. Warum sie nicht gesagt habe, dass sie so gut Englisch spreche, habe er sie danach wütend gefragt. Da habe sie geantwortet: «Ich dachte, ein Bundesrat müsse das können.»

Cassis und Berset überzeugen ebenfalls

Auch Simonetta Sommaruga (SP) oder die abtretende Doris Leuthard (CVP) wechseln an Pressekonferenzen fliessend zwischen den drei grossen Landessprachen. Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) und Micheline Calmy-Rey (SP) wiederum, die bei ihrem Antritt Defizite im Englisch hatten, eigneten sich die Sprache im Amt rasch an. «Bei Lunches oder informellen Treffen ist es essenziell, auf Englisch zu kommunizieren. Sonst hat man Nachteile», sagte Calmy-Rey dazu unlängst in der welschen Zeitung «24 Heures». Und Widmer-Schlumpf, die 2011 am St. Gallen Symposium noch mit starkem Akzent referierte, führte drei Jahre später im Zuge des Steuerstreits sogar schwierige finanzpolitische Auseinandersetzungen mit dem amerikanischen Justizminister Eric Holder auf Englisch.

«Kein Zufall», sagt Ex-Diplomat Schweizer. «Diese Generation von Politikerinnen muss deutlich qualifizierter sein als ihre männlichen Konkurrenten, um überhaupt eine Chance für das Bundesratsamt zu haben.»

In der neuen Zusammensetzung dürfte der Bundesrat nun insgesamt ein hohes sprachliches Niveau erreichen: FDP-Aussenminister Ignazio Cassis spricht neben seiner Muttersprache Italienisch auch Deutsch, Französisch und Englisch fliessend, und Alain Berset (SP) weiss sich auf Französisch, Deutsch und Englisch zu verständigen. So verbleiben mit Parmelin und Maurer nur zwei Bundesräte, die eine engere Begleitung von Dolmetschern haben werden.

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