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Pädophile: Kinderschutz wird für Polizei erschwert

Ein Beitrag im Schweizer Fernsehen zeigt die Gefahren, denen Kinder durch Pädophile im Internet ausgesetzt sind. Und ein Problem, das bald auf verdeckte Ermittler in Zürich zukommt.

«lara_13» im Visier: Einträge in einem Chatroom auf dem Bildschirm des Ermittlers der Zürcher Stadtpolizei (Quelle: SF / «10 vor 10»).
«lara_13» im Visier: Einträge in einem Chatroom auf dem Bildschirm des Ermittlers der Zürcher Stadtpolizei (Quelle: SF / «10 vor 10»).

Wie in einem Beitrag in der Sendung «10 vor 10» vom vergangenen Montag berichtet wird, ist der Online-Fahnder Thomas Werner von der Stadtpolizei Zürich bei seiner Arbeit ständig mit sexuellen Belästigungen konfrontiert, mit denen Pädophile sich an Minderjährige wenden. In Chatrooms, so erklärt der Ermittler gegenüber dem Schweizer Fernsehen, dauere es im Durchschnitt nicht länger als drei Minuten, bis solche Personen Kontakt mit einem potenziellen Opfer aufnehmen. «Das ist dramatisch, ja», erklärt der Polizist.

Als reales Beispiel für Belästigung von Minderjährigen wird von den SF-Mitarbeitern in dem Filmbeitrag ein unbekannter Chatter namens «netter_lieber_mann» vorgestellt, der sich an die 13-jährige Lara wendet – das Pseudonym, unter dem sich der Stadtpolizist an diesem Tag in einem Chatroom aufhält. «Netter_lieber_mann» erweist sich laut dem Bericht als besonders aufdringlich und kommt, wie für die Kamera bestellt, schnell zur Sache – in Form von eindeutig geäusserten sexuellen Wünschen.

Gefahr durch erfahrene Belästiger

Die Dunkelziffer bei solchen Straftaten ist unbekannt, aber vermutlich hoch, wie Experten glauben – doch nicht selten enden solche Kontaktversuche tatsächlich mit einem sexuellen Vergehen an einem Kind. Zumal Pädophile offenbar Erfahrung damit haben, wie man mit Minderjährigen kommunizieren muss. Erfahrene Belästiger, so der Gerichtspsychiater Frank Urbaniok vom Kanton Zürich, wissen, wie man mit Kindern umgehe und wie man Kontakt mit ihnen herstelle. Und sie wüssten, wie man sie so manipuliert, dass der Pädophile bekomme, was er will.

Eine Festnahme eines Verdächtigen ist freilich erst dann möglich, wenn es tatsächlich zu einem Treffen mit einem Kind kommt. Fahnder Werner berichtet in dem TV-Bericht, dass Pädophile zuweilen schon mit entsprechender «Ausrüstung» zu einem Treffen erscheinen – zum Beispiel mit Gleitcreme, Präservativen oder auch Handschellen. Und manchmal sogar mit einer Videokamera – für Aufnahmen, die sie später ins Internet stellen wollen.

Änderung der Rechtslage für Ermittlungen

Im laufenden Jahr hat die Stadtpolizei Zürich mit Hilfe verdeckter Ermittlungen nach eigenen Angaben neun Täter gefasst – doch diese Art von Fahndungsarbeit könnte ab Ende Jahr schwieriger werden, wie es in dem Bericht weiter heisst. Am 1. Januar 2011 tritt nämlich die neue Bundes-Strafprozessordnung in Kraft, in der ein entscheidender Passus fehlt. Verdeckte Ermittlung wird dann nur noch erlaubt sein, wenn «bestimmte Tatsachen den Verdacht begründen», dass eine besonders schwere Straftat begangen worden ist – nicht aber in dem Fall, dass sie «voraussichtlich begangen werden soll».

Der Kommandant der Zürcher Stadtpolizei, Philipp Hotzenköcherle, zeigte sich gegenüber «10 vor 10» über die Veränderung der Rechtslage verärgert. Man müsse in Zukunft also warten, so Hotzenköcherle, «bis ein Kind zum Opfer geworden ist». Dies sei «absolut inakzeptabel». Für den Polizeichef ist es schliesslich die «edelste Aufgabe, etwas zu verhindern, bevor es passiert» – insbesondere dann, wenn es um Kinderschutz gehe.

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