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Ogis verzweifelte Suche nach einem Sozialisten für Mitterrand

1983, 1998, 2015: Staatsbesuche aus Frankreich sind rare Ereignisse. 32 Jahre vor François Hollande war es dessen Namensvetter François Mitterrand.

François Mitterrand war gerne gesehen in der Schweiz: 10 Jahre nach seinem Staatsbesuch 1983 lud ihn Adolf Ogi ein weiteres Mal ein.
François Mitterrand war gerne gesehen in der Schweiz: 10 Jahre nach seinem Staatsbesuch 1983 lud ihn Adolf Ogi ein weiteres Mal ein.
Keystone

Einen besonders guten Draht zum früheren französischen Staatspräsidenten François Mitterrand hatte Adolf Ogi. Der Berner Bundesrat traf Mitterrand mehrfach. Ogi erzählt auch heute noch gerne Anekdoten zu den Besuchen.

So empfing er 1993 in seinem ersten Präsidialjahr Mitterrand am Flugplatz Payerne und flog mit ihm im Bundesratshelikopter nach Interlaken, wie er am Telefon erzählt. Beim Überflug übers Emmental schaute Mitterrand aus dem Fenster und fragte: «Wie heisst dieses Dorf da unten?» «Zäziwil», antwortete ihm Ogi. «Wie viele Sozialisten leben hier?», habe der sozialistische Staatspräsident wissen wollen. «Zéro», war Ogis Antwort.

Über Schangnau wiederholte sich das Gespräch. Ogi spürte die Enttäuschung von Mitterrand. Das Flugzeug landete schliesslich auf dem Flugplatz Interlaken. «Dort wurden wir von einer Delegation von Gemeinderäten empfangen. Ich stellte ihm den Gemeindepräsidenten von Interlaken, einen FDP-Vertreter, und den Vizepräsidenten, einen SVP-Vertreter, vor. Beim dritten Gemeinderat sagte ich: Das ist der zweite Vizepräsident. Ein Sozialist.» «Enfin – endlich», habe Mitterrand freudig angemerkt.

«Ich weiss aber bis heute noch nicht, ob es sich tatsächlich um ein SP-Mitglied handelte», erzählt Ogi. Der Besuch führte sie weiter nach Kandersteg, wo Ogi Mitterrand seine Eltern vorstellte. «Mitterrand hat die Schweiz sehr geschätzt und geliebt», resümiert Ogi. Die Zahlen untermauern das: Insgesamt besuchte er während seiner 14-jährigen Amtszeit die Schweiz siebenmal.

Mitterrands Nachfolger Jacques Chirac war 1998 auf Staatsbesuch in Bern. Als Gastgeber führte ihn Bundespräsident und Aussenminister Flavio Cotti damals auch ins Tessin. Nicolas Sarkozy dagegen erwies dem «Steuerparadies Schweiz» nur 2010 und 2011 für Auftritte am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos die Ehre.

Hollandes Visite signalisiert damit die Normalisierung der bilateralen Beziehungen zwischen den Nachbarländern. Es ist der erste Staatsbesuch eines französischen Präsidenten seit 17 Jahren.

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