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Neues Werkzeug für bessere Integration

Arbeitgeber, ­Ärzte und Bund lancieren ein neues Werkzeug, dank dem möglichst viele kranke und handi­capierte Mitarbeiter im Arbeitsleben bleiben sollen. Denn wenn ­jemand einmal eine IV-Rente hat, ist die Rückkehr enorm schwierig.

Das neue Tool soll die Intergation von IV-Bezügerinnen und Bezügern ins Arbeitsleben vereinfachen.
Das neue Tool soll die Intergation von IV-Bezügerinnen und Bezügern ins Arbeitsleben vereinfachen.
Keystone

Max Mustermann, Verkaufsmitarbeiter im Innendienst, ist an­geschlagen. Bei der Arbeit gab es Probleme, im Team Konflikte. Nun meldet der Arzt dem Arbeitgeber, Mustermann könne zwar wieder arbeiten, aber maximal sechs Stunden am Stück. Danach habe er Mühe mit der Konzentration und der Kontrolle seiner Emotionen. Regelmässige Bewegung sei wichtig. Und falls er mit Kunden Kontakt habe, müssten diese wissen, dass er das Gespräch eventuell abrupt unterbricht.

Unter diesen Voraussetzungen könnte, so die ärztliche Prognose, Mustermann weiterarbeiten und nach sechs Wochen wieder der Alte sein. Das Wichtigste daran: Mustermann kehrt rasch in die Firma zurück, wenn auch vorerst nur teilweise.

Möglich machen soll dies ein neues Werkzeug, das Arbeit­geber, Ärzte und Bund am Mittwoch vorgestellt haben: ressourcenorientiertes Eingliederungsprofil», kurz: REP. Dieses verbessert, wie im fiktiven Fall von Max Mustermann, in erster Linie die Kommunikation zwischen Arzt und Arbeit­geber.

Das soll helfen, neue IV-Renten zu verhindern und die Zahl der Eingliederungen weiter zu erhöhen. In den letzten fünf Jahren schafften es mithilfe der IV-Stellen und der Arbeit­geber 94'000 Personen, ihren Job trotz Beeinträchtigung zu behalten oder einen neuen zu finden (siehe Grafik). In Zukunft soll es mehr solche Fälle geben, was auch der Finanzlage der IV dient.

Differenziertes Arztzeugnis

Den ersten Schritt beim REP macht jeweils der Arbeitgeber: Er lädt das Formular ­herunter und beschreibt darin – im Idealfall gemeinsam mit dem Angestellten – das Profil des Arbeitsplatzes, Aufgaben, Tätigkeiten und Anforderungen.

Dieses Formular übergibt der Angestellte seinem Arzt. Dieser kann im Unterschied zu einem herkömmlichen Arzt­zeugnis differenziert festhalten, ­welche Tätigkeiten möglich sind, welche nicht, welche teilweise. Der Arzt hält auch die Rahmenbedingungen fest. Auf dieser ­Basis vereinbaren Angestellter, Chef und Arzt einen Plan zur schrittweisen Rückkehr.

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Das mag banal tönen, ist aus Sicht der Beteiligten aber entscheidend, damit möglichst wenige erkrankte oder verunfallte Angestellte länger ausfallen – und am Ende eine IV-Rente benötigen. Denn: «Während die Wiedereingliederung bisheriger Rentenbezüger eine grosse Herausforderung darstellt, ist die Eingliederung vor Rente sehr erfolgreich», hält die Konferenz der kantonalen IV-Stellen fest.

Hinter REP steht eine breite Allianz, die von der Wirtschaft bis zum Behindertendach­verband Inclusion Handicap reicht. Entwickelt wurde das Werkzeug vom Verein Compasso, der unter dem Patronat des Arbeitgeberverbands steht und die Unternehmen bei der beruflichen Eingliederung berät. Mitgewirkt haben der Bund, die Ärztevereinigung FMH, die Gesellschaft für Psy­chiatrie und Psychotherapie, der Versicherungsverband und ­andere mehr.

SBB testen im Tessin

Compasso empfiehlt den Arbeitgebern, REP ab sofort flächendeckend einzusetzen, wenn ein Angestellter Probleme hat. Die SBB haben bereits entschieden, das neue Werkzeug ab Januar im ­Tessin einzusetzen, um erste Erfahrungen zu sammeln. REP passt auch perfekt in die Strategie des Bundesrats. Dieser will mit der «Weiterentwicklung der IV», die 2018 ins Parlament kommt, insbesondere die Eingliederung verstärken. Dabei schweben dem Bundesrat in letzter Konsequenz auch Zwangsmassnahmen gegen Unternehmen vor, was die Wirtschaft – unter anderem mit Verweis auf REP – verhindern will.

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