Unterstützung für «Mehr bezahlbare Wohnungen» schwindet

Vor allem Frauen, Junge und Städter sympathisieren mit den beiden Vorlagen vom 9. Februar. Doch die Skepsis wächst.

In der Schweiz werden jedes Jahr etwa 50’000 Wohnungen gebaut. Der Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz fordert, dass künftig jede zehnte neue Wohnung gemeinnützig sein soll. Foto: Keystone

In der Schweiz werden jedes Jahr etwa 50’000 Wohnungen gebaut. Der Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz fordert, dass künftig jede zehnte neue Wohnung gemeinnützig sein soll. Foto: Keystone

Janine Hosp

Die Gegner der Initiative für bezahlbare Wohnungen holen auf: Gaben bei der ersten Tamedia-Umfrage vor drei Wochen noch 32 Prozent der Befragten an, dass sie Nein oder eher Nein stimmen werden, sind es bei der zweiten 37 Prozent. Dennoch sind die Befürworter klar in der Mehrheit: 60 Prozent wollen die Initiative nach wie vor unterstützen, etwas weniger als in der ersten Umfrage (63 Prozent).

Auffallend ist, wie hoch die Zustimmung unter den Wählern von SP und Grünen ist: 89, respektive 90 Prozent stehen hinter der Forderung des Mieterverbands Schweiz. «Eine derart hohe Zustimmung ist aussergewöhnlich», sagt Politologe Fabio Wasserfallen, der die Umfrage mit Lucas Leemann für Tamedia durchgeführt hat. So hoch fällt sie sonst nur unter der SVP-Wählerschaft aus, wenn es um Zuwanderung geht oder unter den Grünen bei Umweltanliegen.

Abgelehnt wird die Initiative insbesondere von der Wählerschaft von SVP (56 Prozent) und FDP (61 Prozent). Das wichtigste Argument der Befürworter ist, dass Wohnen ein Grundbedürfnis ist, das bezahlbar sein soll. Überdies setze die Initiative nur um, was die Verfassung vorgebe. Die Gegner stört, dass der Bund mit der Umsetzung der Initiative in die Marktwirtschaft eingreifen würde.

Die Zustimmung zur Initiative ist recht stabil, doch die Gegnerschaft hat Wachstumspotenzial. Wie die Umfrage zeigt, ist die Unterstützung in den Städten klar höher (69 Prozent) als auf dem Land (54 Prozent).

In Zeiten von Hate-Speech

Etwas grösser ist die Unterstützung für die zweite Vorlage, die am 9. Februar zur Abstimmung kommt. Die Stimmenden sollen entscheiden, ob die Anti-Rassismus-Strafnorm erweitert und ein Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Orientierung eingeführt werden soll. Diese Vorlage wurde schon bei der letzten Umfrage mit 65 Prozent breit unterstützt und wird es noch heute (66 Prozent). Die Befürworter sagen vor allem Ja, weil sie der Ansicht sind, dass niemand aufgrund der sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf und in Zeiten von Hate-Speech eine Anpassung nötig sei. Die Gegner finden, dass eine solche Diskriminierung heute schon gesellschaftlich geächtet sei.

Beide Initiativen werden von ähnlichen Bevölkerungssegmenten getragen: Es sind in der Mehrheit Frauen, Junge, Städter sowie Wählerinnen und Wähler aus dem links-grünen Lager.

An der repräsentativen Umfrage haben vom 9. bis 11. Januar 12'096 Personen aus der ganzen Schweiz online teilgenommen. Die Daten werden nach demografischen, geografischen und politischen Variablen modelliert. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten.

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