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Mehr Arbeit für Teufelsaustreiber

Immer mehr Menschen glauben, Opfer von dämonischen Attacken zu sein. Die katholische Kirche bringt ihre Exorzisten in Stellung.

Die Angeklagten im Aschaffenburger Exorzistenprozess (1978): Pfarrer Ernst Alt, Pfarrer Martin Renz sowie Anna und Josef Michel, Eltern der verstorbenen Anneliese Michel. Wegen fahrlässiger Tötung wurden sie zu bedingten Gefängnisstrafen von je sechs Monaten verurteilt.
Die Angeklagten im Aschaffenburger Exorzistenprozess (1978): Pfarrer Ernst Alt, Pfarrer Martin Renz sowie Anna und Josef Michel, Eltern der verstorbenen Anneliese Michel. Wegen fahrlässiger Tötung wurden sie zu bedingten Gefängnisstrafen von je sechs Monaten verurteilt.
Keystone
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«Überlastete Exorzisten», titelt die Westschweizer Zeitung «Le Matin». In ihrer Titelgeschichte berichtet das Blatt, dass die Priester-Exorzisten im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg immer mehr Arbeit haben. Im letzten Jahr nahmen sie sich rund 550 Menschen an, die sich vom Teufel besessen fühlten. Die Zahl der Personen, die wegen angeblicher dämonischer Attacken Hilfe bei Teufelsaustreibern suchten, hat sich gemäss dem Zeitungsartikel seit 2006 verdreifacht. Um diese wachsende Nachfrage nach Exorzismus aufzufangen, will das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg die nötigen organisatorischen Vorkehrungen treffen. Es wird eine Anlaufstelle für Hilfesuchende geschaffen. In einem weiteren Schritt kommen die Priester-Exorzisten zum Einsatz. Gemäss dem Medienbericht gibt es diese Tendenz auch in anderen Teilen der Schweiz.

Die Arbeit dieser Priester besteht zunächst in erster Linie im Zuhören. «In den meisten Fällen müssen die Menschen einfach nur die Klarheit des Denkens wiederfinden», sagt der Priester Luigi Griffa, der im Kanton Waadt für Teufelsaustreibungen zuständig ist. Es gehe darum zu verstehen, was diese Menschen bewege. «Das Problem bleibt aber, wenn diese Leute ihre Sicht der Welt nicht ändern können und auf ein Wunder warten.» In den schlimmsten Fällen seien die Betroffenen im Besitz des Satans, sagt Griffa. Der Teufel wolle den Mensch schlecht machen und von Gott wegführen. Dies könne in wiederholten Unglücken oder Krankheiten zum Ausdruck kommen.

Gebete und rituelle Handlungen

Die eigentliche «Liturgie zur Befreiung vom Bösen» kommt erst dann zum Zuge, wenn die Priester-Exorzisten zur Erkenntnis gelangen, dass die Hilfe suchenden Personen tatsächlich Opfer des Teufels geworden sind. Beim Exorzismus wird mit Gebeten und rituellen Handlungen unter Anrufung der Macht Gottes die Abwehr des Bösen erfleht. Exorzismus ist aber nicht immer ungefährlich: «Für sensible Menschen kann Exorzismus eine traumatisierende Wirkung haben», sagt der auf Religionen spezialisierte Psychiater Samuel Pfeifer im Gespräch mit «Le Matin». In der Tat: 1976 starb in Deutschland eine junge Frau an den Folgen exorzistischer Praktiken. Im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg weiss man um solche Gefahren: Schwere Fälle werden von Priester-Exorzisten, Psychologen und Ärzten gemeinsam besprochen.

Exorzisten in der römisch-katholischen Kirche sind Priester, die nur mit besonderem bischöflichem Auftrag diese Aufgabe ausführen dürfen. Die Teufelsaustreiber müssen sich durch Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel auszeichnen und für diesen besonderen Dienst besonders vorbereitet werden. In keinem Fall ist der Exorzismus ein Ersatz für ärztliche Bemühungen, wie die Bischöfe festgehalten haben.

Suche nach Antworten und Spiritualität

Dass Exorzisten häufiger aufgesucht werden, hat laut Priester Griffa mehrere Gründe, die zusammenwirken. «Da ist der zunehmende Verlust des Glaubens, oder das Unvermögen der Medizin und Psychologie, für alle Probleme des Menschen eine angemessene Antwort zu liefern, oder auch die fehlende Bereitschaft bei immer mehr Leuten, die Limiten des menschlichen Daseins anzuerkennen.» Dazu komme, dass sich in der Gesellschaft immer mehr Ernüchterung und Enttäuschung breitmache. «Dieser Kontext verstärkt die absurde Idee, dass alle Leiden von okkulten Kräften kommen.» Eine weitere Erklärung liefert der Psychiater Samuel Pfeifer: «Auf der Suche nach Antworten für ihre Probleme wenden sich viele Menschen der Spiritualität zu.»

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