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«Man opfert Kleine, um die Grossen zu retten»

Der Steuerdeal mit den USA habe die Schweizer Vermögensverwalter aufgewühlt, sagt deren Geschäftsführer Patrick Dorner. Sie fühlen sich als Bauernopfer.

Hier nahm der Steuerstreit seinen Anfang: Hauptgebäude US-Steuerbehörde IRS in Washington. (Archivbild)
Hier nahm der Steuerstreit seinen Anfang: Hauptgebäude US-Steuerbehörde IRS in Washington. (Archivbild)
Keystone

Im Visier der amerikanischen Behörden stehende Schweizer Banken sollen auch Daten Dritter ausliefern können, wenn es ihnen hilft. Zum Beispiel diejenigen von unabhängigen Vermögensverwaltern. Wir haben Patrick Dorner, den Geschäftsführer des Verbands der Vermögensverwalter, gestern in Montreux erreicht, wo der Verband zufällig Generalversammlung hatte.

Herr Dorner, wie ist die Stimmung? Die Leute sind sehr aufgewühlt und das mit Recht. Was hier vor sich geht, ist in der Tat ein Skandal. Man spricht von Verhandlungen, von einem Deal. Aber es ist weder noch. Das würde ja bedeuten, dass es um ein Geben und ein Nehmen geht. Das aber ist ein amerikanisches Diktat.

Was empört Sie am meisten? Das Ganze ist ein Geschäft: Man rettet die Banken und man opfert dafür die Vermögensverwalter, die Anwälte und die Treuhänder. Wir sind die Bauernopfer, zusammen mit den Bankangestellten. Derweil sind die Chefs der grossen Banken fein raus. Dabei waren es ja sie, die das ganze Unheil angerichtet haben.

Was befürchten Sie? Die Herren Ospel und Grübel dürfen weiterhin problemlos in die USA reisen, aber ich muss mich fragen, ob ich es noch wagen kann, mit meiner Familie nach Florida ins Disneyland zu gehen oder ob die Gefahr nicht zu gross ist, dass ich in einem amerikanischen Gefängnis lande. Das darf doch einfach nicht wahr sein. Man opfert die Kleinen, um die Grossen zu retten. So weit ist es gekommen.

Besteht die Gefahr, dass die Banken die Datenlieferungen nutzen, um Konkurrenten auszuschalten? Das ist nicht auszuschliessen. Tatsache ist jedenfalls, dass wir Vermögensverwalter die Banken konkurrieren. Die Kunden kommen zu uns, weil sie eine individuellere Beratung wollen, weil sie wollen, dass die Finanzprodukte auf sie zugeschnitten sind. Bei den Banken verkauft man ihnen ja einfach das, was die Bank im Angebot hat. Punkt. Und Tatsache ist auch, dass die Banken mit diesem Gesetz die Möglichkeit bekommen, Konkurrenten kaputt zu machen.

Soll man die Banken fallen lassen? Wir sind die ersten, die sagen, dass man die Banken retten muss. Wir sitzen im gleichen Boot. Ohne Schweizer Banken gibt es auch keine Schweizer Vermögensverwalter. Wir sind Partner.

Wie soll das Parlament entscheiden? Wir haben den sogenannten Deal und das Bundesgesetz in einer ersten Reaktion ja abgelehnt und die Parlamentarier aufgefordert, Nein zu sagen. Inzwischen ist uns bewusst geworden, dass uns damit nicht gedient wäre. Jetzt sagen wir den Parlamentariern: Aufgepasst mit dem Nein.

Warum? Weil es dann einfach wieder so laufen würde, wie es bisher gelaufen ist: Der Bundesrat gibt den Banken einfach so grünes Licht, ohne spezielles Gesetz. Das haben wir bei den elf Banken erlebt, die letztes Jahr ins Visier der amerikanischen Justiz gerieten.

Was ist die Alternative? Zustimmen? Es würde bedeuten, dass die Bussen für die Banken höher ausfallen. Wir wissen ja nicht genau, was die Banken mit den Amerikanern aushandeln werden, aber es ist schon zu vermuten, dass das Prinzip gilt: je mehr Daten, desto weniger Busse. Es ist zynisch, aber es ist so: Ein Mitarbeiter, ein Treuhänder, ein Vermögensverwalter mehr und die Banken zahlen vielleicht ein, zwei oder drei Millionen Franken Busse weniger.

Was steht auf dem Spiel für die Vermögensverwalter? Die Schweizer Vermögensverwalter haben nur wenige amerikanische Kunden. Sie machen vielleicht zehn Prozent unseres Geschäftsvolumens aus. Zudem sind heute alle amerikanischen Kunden bei den Vermögensverwaltern «sauber». Viele haben an den «disclosure programs» der Steuerbehörden mitgemacht, das heisst, sie haben sich selbst angezeigt und sind mit dem Fiskus im Reinen. Das betroffene Geschäftsvolumen steht nicht im Vordergrund.

Was dann? Verheerender ist der Imageschaden, den wir erleiden. Warum kommt jemand in die Schweiz, um Geld anzulegen: Weil die Schweiz sicher ist, weil sie stabil ist, weil die unabhängigen Vermögensverwalter professionell sind. Das sind die Vorteile.

Wussten Sie, was auf Sie zukommt? Nein, wir sind niemals konsultiert worden und als wir nachfragten, hat man uns gesagt, dass das mit uns nichts zu tun habe. Das Gleiche gilt auch für die Anwälte und die Treuhänder. Wir wurden erst in letzter Minute orientiert.

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