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Macht die «Weltwoche» mit Peking Geschäfte?

Die chinesische Botschaft soll laut Recherchen der NZZ Inserate im Wochenmagazin finanziert haben. Gleichzeitig erhielt der Botschafter eine Kolumne. Und es gibt weitere Anhaltspunkte.

Roger Köppel, Nationalrat und Chefredaktor der «Weltwoche», schreibt während der Wintersession des Parlaments auf seinem Laptop. (5. Dezember 2019) Foto: Anthony Anex/Keystone
Roger Köppel, Nationalrat und Chefredaktor der «Weltwoche», schreibt während der Wintersession des Parlaments auf seinem Laptop. (5. Dezember 2019) Foto: Anthony Anex/Keystone

Die Vorwürfe sind brisant: Gemäss einer Analyse der NZZ soll es einen Zusammenhang zwischen der «auffallend unkritischen Haltung» der «Weltwoche» gegenüber Peking, und mehreren Inseraten chinesischer Firmen geben.

Seinen Anfang nimmt der Fall im Frühjahr. Seit Ende März schreibt der chinesische Botschafter Geng Wenbing jeden Monat eine persönliche Kolumne für das Wochenmagazin. In der Ankündigung der ersten Kolumne war zu lesen, wie erfreut die «Weltwoche» darüber sei, dass Wenbing «unser Angebot» für eine Kolumne angenommen habe und zur «Völkerverständigung» beitrage.

Dem Wochenmagazin zufolgte fehle der offizielle chinesische Standpunkt im Westen oft. «Meines Wissens ist es im Westen einzigartig, dass ein Repräsentant Chinas eine derart offene Bühne erhält», sagt «Weltwoche»-Chefredaktor und Nationalrat Roger Köppel auf Anfrage der NZZ.

Botschaft bezahlt Inserate chinesischer Firmen

Doch die Beziehungen der «Weltwoche» mit Peking sollen tiefer gehen: Der NZZ liegen gemäss eigenen Angaben Mails vor, die auf Gegenleistungen für die chinafreundliche Berichterstattung hindeuten. So soll die chinesische Botschaft im März 2019 mehreren chinesischen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz die Übernahme der Kosten für Werbung in der «Weltwoche» offeriert haben. Den Recherchen zufolge geht es in dem Angebot um ganzseitige Anzeigen im Wert von über 10'000 Franken.

Daraufhin seien seit Ende März tatsächlich insgesamt acht ganzseitige Inserate von chinesischen Unternehmen im Wochenmagazin publiziert worden – deutlich mehr als im Vorjahr. Gemäss dem Mailverkehr übernahm die Botschaft die Koordination der Inserate. Am 4. April dieses Jahres – eine Woche nach dem Werbeangebot – startete dann die Kolumne von Wenbing.

Röger Köppel soll gewusst haben, dass die Botschaft die Kosten für die Grossaufträge der chinesischen Firmen übernimmt. Mindestens in einem Fall habe ein Inserent gegenüber dem «Weltwoche»-Verlag auf eine Mitarbeiterin der Botschaft verwiesen. Ob es sich bei den Inseraten ausdrücklich um Gegengeschäfte handelt, könne anhand der Mails jedoch nicht beurteilt werden.

Die Anschuldigungen der NZZ gehen noch weiter: Im Herbst 2018 veröffentlichte das Wochenmagazin ein Sonderheft unter dem Titel «China verstehen». Gemäss einer Quelle aus dem Umfeld der «Weltwoche»-Redaktion soll die chinesische Botschaft die Texte der Sonderausgabe vor der Publikation zur Kontrolle erhalten haben. Daraufhin deute beispielsweise eine Formulierung in einem Beitrag zur chinesischen Geschichte: Demnach hat es im Jahr 1989 ein «Ereignis» auf dem Tiananmen-Platz gegeben. Das es sich dabei um ein Massaker an Studenten handelt, die für mehr Demokratie demonstriert hatten, wird nicht erwähnt.

Das Wort «Ereignis» ist die offizielle Sprachregelung Pekings für die blutige Niederschlagung der Demonstrationen im Juni 1989. Diese verharmlosende Bezeichnung sei von der Redaktion mit der chinesischen Botschaft ausgehandelt worden.

Roger Köppel dementiert die Recherchen in der NZZ nicht. Er gibt lediglich an, dass «die redaktionelle Letztverantwortung jederzeit» bei ihm persönlich lag.

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