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Leuthard beschwört die Stromlücke

Bundesrätin Doris Leuthard sieht bei einem Ja zur Atomausstiegsinitiative die Versorgungssicherheit beim Strom in Gefahr. Zudem würden hohe Schadenersatzklagen der AKW-Betreiber drohen.

Seit der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 kämpft Bundesrätin Doris Leuthard für den Atomausstieg der Schweiz. Die von den Grünen lancierte Atomausstiegsinitiative lehnt sie aber als «Hauruckübung» ab. Denn die verlangte Abschaltung von drei Atomkraftwerken bereits 2017 gefährde die Versorgungssicherheit, sagte Leuthard am Dienstag vor den Medien in Bern.

Bei einem Ja müssten die Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg ein Jahr nach der Abstimmung vom Netz gehen, weil sie die maximale Laufzeit von 45 Betriebsjahren erreicht hätten. Gut acht Terawattstunden Strom oder ein Drittel des heute produzierten Schweizer Atomstroms würde damit schlagartig wegfallen, sagte Leuthard. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze sei dafür noch nicht weit genug.

Atomstrom importieren

Der Schweiz bliebe laut Leuthard nichts anders übrig, als mehr Strom zu importieren. Damit würde vermehrt Strom aus französischen Atomkraftwerken und aus deutschen Kohle- und Gaskraftwerken eingeführt. Das sei kein Atomausstieg und ein absurder Schritt angesichts der angestrebten Reduktion des klimaschädlichen CO2-Ausstosses.

Die Initianten entgegnen, die Energieversorger könnten sehr wohl sauberen, erneuerbaren Strom im Ausland einkaufen. Die Produktion der drei ältesten AKW sei zudem schon heute durch ­erneuerbare Energiequellen ersetzt, die durch Schweizer Investitionen im In- und im Ausland entstanden seien. Und die beiden leistungsfähigeren AKW Gösgen und Leibstadt könnten gemäss Initiative bis 2024 respektive 2029 weiterlaufen. Bis dahin sei der Ersatz durch inländische erneuerbare Energie machbar.

Mit dem momentanen Ausfall der AKW Beznau 1 und Leibstadt fallen überdies diesen Winter die grösseren Produktionskapazitäten weg, als es mit Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg der Fall wäre. Für die Initianten ist dies der Beleg, dass ein rasches Abschalten möglich ist. Bundesrätin Leuthard verwies darauf, dass bereits mehr Strom importiert werden müsse und die Preise im Stromhandel gestiegen seien.

Netzausbau stockt

Zudem gibt es bei Leibstadt einen wesentlichen Unterschied, wie Yves Zumwald, Chef der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid darlegte: Anders als die drei ältesten AKW speist Leibstadt den Strom nicht ins 220-Kilovolt-Netz ein, sondern ins 380-Kilovolt-Netz. Dieses Netz habe die grösseren Importkapazitäten.

Ein Ausfall von Leibstadt könne also einfacher mit ausländischem Strom kompensiert werden. Die nötige Verstärkung der Netzinfrastruktur sei zwar aufgegleist, dauere aber auch wegen Einsprachen viele Jahre, sagte Zumwald.

Leuthard betonte, auch in der Zwischenzeit seien die Wirtschaft und die Haushalte auf ­verlässliche Netze angewiesen. «Ein Kurzschluss, ein Blackout kostet Millionen», warnte sie, «das möchten wir schon gar nicht riskieren.»

Dreistellige Klagesummen

Auch würden Schadenersatzklagen drohen. Wenn die Initiative angenommen würde, könnten die AKW-Betreiber Investitionen nicht amortisieren, die sie im Vertrauen auf unbefristete Laufzeiten getätigt hätten, sagte Leuthard. Pro AKW gehe es um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Für die Betreiber lohnt es sich zudem, die AKW laufen zu lassen, auch wenn diese wegen tiefer Strompreise derzeit nicht rentieren. «Zwischen kein Gewinn und null Umsatz ist ein Unterschied», sagte Suzanne Thoma. Die Chefin der BKW wehrt sich auch deshalb dagegen, dass ihr Konzern das AKW Mühleberg zwei Jahre früher als geplant abschalten muss. Vor allem aber gehe es für eine sichere Stilllegung nicht schneller.

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