Längere Schonfrist für Seilbahnen

Der Bundesrat kommt der angeschlagenen Seilbahnbranche entgegen. Er verlängert die Konzessionsdauer der Anlagen von 25 auf 40 Jahre. Das sei ohne Abstriche bei der Sicherheit möglich.

Wer seine Seilbahn in Schuss hält, kann neu mit einer Betriebsdauer von 40 Jahren rechnen.

Wer seine Seilbahn in Schuss hält, kann neu mit einer Betriebsdauer von 40 Jahren rechnen. Bild: Keystone

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Viele der rund 2400 Seilbahnen in der Schweiz sind in die Jahre gekommen. Sie müssten erneuert oder ersetzt werden. Doch es fehlt oft das Geld, vor allem weil wegen der wärmeren Winter und des starken Frankens weniger Touristen und Skifahrer in die Berge kommen. Die Umsätze der Seilbahnen lagen im vergangenen Winter um 11 Prozent unter dem 5-Jahre-Schnitt. Zudem beklagen die Seilbahnen, dass die administrativen Aufwände immer grösser geworden seien. Der Bundesrat kommt ihnen nun entgegen.

Administrative Entlastung

Bislang sind die Konzessionen der Seilbahnen meistens auf 25 Jahre befristet. Der Bundesrat streckt jetzt die Lebenserwartung der Anlagen grosszügig auf 40 Jahre. Auch müssen die Betreiber für geringfügige Änderungen an den Seilbahnen keine Genehmigung mehr einholen. Und gewisse Funktionen wie der technische Leiter müssen nicht mehr vom Bund anerkannt werden. Damit können die Seilbahnunternehmen und der Bund ihren Aufwand senken, wie der Bundesrat gestern mitteilte.

Die Sicherheit werde durch diese administrativen Entlastungen nicht tangiert, hiess es. Denn die materiellen Anforderungen sänken nicht. Konkret müssen die Seilbahnen unverändert regelmässig durch unabhängige Experten nachweisen, dass der Betrieb sicher ist, wie Gregor Saladin vom Bundesamt für Verkehr (BAV) erklärte. Zu prüfen sind etwa die Seile, der elektrische Teil oder die Motoren. Hinzu kommen sogenannte Audits des BAV selber. Fallen die Bahnen durch, droht der Entzug der Bewilligung.

Von der verlängerten Kon­zessionsdauer profitierten nicht nur neue Seilbahnen. Sondern auch erneuerte Anlagen, die im Rahmen einer bislang 25-jährigen Konzession laufen, bestätigte Saladin.

Keine Lex Männlichen

Ausgenommen sind allerdings ­ältere Seilbahnen, deren Bewil­ligung bereits verlängert wurde. Dies betrifft zum Beispiel die längste Gondelbahn der Welt, die 1978 eröffnete Gondelbahn Grindelwald–Männlichen (GGM). ­Ihre mehrfach erneuerte Konzession läuft im April 2018 aus. Eigentlich hätte sie längst durch das in die Schlagzeilen geratene Projekt einer V-Bahn ersetzt werden sollen: Diese zweischenklige Erschliessung von Grindelwald aus auf den Männlichen und zum Eigergletscher hat sich aber wegen Einsprachen verzögert.

Die GGM bereitet daher nochmals ein Gesuch für eine Ver­längerung der Konzession vor, wie Geschäftsführer Daniel Zihlmann sagt. Er hofft, bis im Frühling einschätzen zu können, wann die V-Bahn gebaut werden kann. Danach richteten sich dann die nötigen Investitionen. Für die Seilbahnen sei es aber grund­sätzlich positiv, wenn die Konzessionen länger dauerten. Damit erkenne der Bund, dass die An­lagen heute eine höhere Lebensdauer hätten, sagt Zihlmann.

Es ist nicht der erste Lobbyingerfolg der Branche. Bereits Anfang Jahr haben das BAV und das Staatssekretariat für Wirtschaft administrative Entlastungen beschlossen. Seit zwei Jahren sind zudem Pistenfahrzeuge teilweise von der Mineralölsteuer befreit.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.10.2017, 08:41 Uhr

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