Zum Hauptinhalt springen

Kommentar: Brillenträger sind nicht krank

«Es sind sehr weitsichtige Vorkehrungen zu treffen, damit die Kehrtwende des Bundesrates nicht wieder zu höheren Preisen führt. »

Zwei Drittel der 15- bis 74-Jährigen in der Schweiz tragen eine Brille oder Kontaktlinsen. Das besagt eine Publitest-Studie aus dem Jahr 2009. Vermutlich, weil es so viele Betroffene gibt, stiess der damalige Gesundheitsminister Didier Burkhalter auf Widerstand, als er die Beiträge an Sehhilfen aus der Grundversicherung strich. Der Protest gegen diese kleine Reform hielt an. Das Parlament verlangt nun, dass zumindest Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre wieder Beiträge an Sehhilfen erhalten. Doch inzwischen hat der Bundesrat bereits selbst die Kehrtwende eingeleitet.

Die obligatorische Krankenversicherung ist dazu da, Kosten für die Behandlung von Krankheiten zu vergüten. Fehlsichtigkeit gilt nicht als Krankheit und wird auch nicht als solche empfunden: Wer eine Brille benötigt, bezeichnet sich deswegen nicht als krank. Das war der Grund, weshalb der Bundesrat den Beitrag gestrichen hat. Auch wegen der grossen Prämienlast, unter der bereits viele leiden, leuchtete dieser Sparentscheid ein. Ausserdem erhält weiterhin Beiträge, wer die Sehhilfe infolge einer Krankheit braucht. Nicht zuletzt stützte die Fachkommission des Bundesrates diesen Beschluss. Doch nun gilt ihr Rat offenbar nichts mehr. Der Bundesrat will wieder einen Beitrag für Kinderbrillen gewähren. Er stützt sich jetzt auf eine neu in Auftrag gegebene Expertise, die besagt, dass unbehandelte Fehlsichtigkeit bei Kindern später zu Problemen führen könnte.

Seit es keinen Beitrag mehr gibt, sind als positiver Nebeneffekt die Brillen billiger geworden. Gemäss dem Bundesrat ist es heute möglich, Kinderbrillen für 70 bis 80 Franken zu kaufen. Der Markt habe offenbar früher den Beitrag aus der Grundversicherung in das Angebot einkalkuliert. Es sind sehr weitsichtige Vorkehrungen zu treffen, damit die Kehrtwende des Bundesrates nicht wieder zu höheren Preisen führt.

Mail: brigitte.walser@bernerzeitung.ch

Diskussion: blog.bernerzeitung.ch/leserblog

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch