Klassenlager kriegen mehr Geld – aber nur wenn Sport dabei ist

Jugend- und Sport-Lager leiden unter Sparmassnahmen. Jetzt erhalten Schulen mehr Unterstützung – jedoch nur im Winter.

Aus finanziellen Gründen in manchen Gemeinden gestrichen: Schüler sammeln wertvolle Erfahrungen in einem Klassenlager. (Archivbild) Bild: Getty

Aus finanziellen Gründen in manchen Gemeinden gestrichen: Schüler sammeln wertvolle Erfahrungen in einem Klassenlager. (Archivbild) Bild: Getty

Markus Brotschi@derbund

Ende 2017 hat das Bundesgericht den Elternbeitrag an Klassenlager auf maximal 16 Franken pro Tag begrenzt, denn die obligatorische Schulzeit müsse mit Ausnahme eines Verpflegungsbeitrags kostenlos sein. Zwar gelten die Schullager als wichtige Erfahrung, die bei den Schülern oft bleibendere Eindrücke hinterlässt als der Unterricht. Dennoch wurden als Folge des Urteils in manchen Gemeinden externe Schulwochen gestrichen, weil die Kantone nicht für die wegfallenden Elternbeiträge einspringen.

Zu spüren bekommen das die auch Lagerunterkünfte. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres habe der Buchungsstand 10 Prozent unter dem Niveau von 2017 gelegen, sagt Christina Aenishänslin von Groups, der Branchenorganisation der Schweizer Lagerunterkünfte. In der gleichen Periode war der Einbruch 2018 mit einem Minus von 20 Prozent sogar noch grösser gewesen. Insofern stellt Aenishänslin eine gewisse Entspannung der Situation fest.

Zumindest bei den Sportlagern will nun der Bund die Finanzierungslücke schliessen. Der Bundesrat hat angekündigt, für Jugend- und Sport-Lager den Tagesbeitrag pro Schüler von bisher 7.60 Franken auf maximal 16 Franken zu erhöhen. Ziel sei es, einem allfälligen Rückgang von Lageraktivitäten durch eine Erhöhung der Beiträge für J+S-Lager entgegenzuwirken.

Mindestens 4 Stunden Sport

Faktisch hilft dies allerdings vor allem jenen Schulen, die Wintersportlager durchführen. In Sommerlagern steht dagegen häufig nicht der Sport im Vordergrund. Die höheren Bundesbeiträge an die J+S-Lager nützten allenfalls für den Winter etwas, kaum aber für Sommerlager, bestätigt Christa Aenishänslin. Denn im Sommer seien in den Schullagern selten J+S-Sportleiter dabei.

Bundesbeiträge erhalten nur Schulsportlager, die nach den Regeln von Jugend+Sport (J+S) durchgeführt werden. Die Lager müssen mindestens vier Tage dauern und es muss mindestens vier Stunden Sport pro Tag betrieben werden. Zudem müssen 2 Leiter mit gültiger J+S-Anerkennung dabei sein. Nur dann könne der Bund Sportlager der Schulen finanziell unterstützen, hält der Bundesrat in seinem Bericht fest. Aufgrund der geltenden Kompetenzordnung sei die Finanzierung von Lagerangeboten im obligatorischen Schulunterricht grundsätzlich Sache der Kantone und der Gemeinden.

Klassenlager werden immer kürzer

Die zusätzliche Unterstützung des Bundes sei begrüssenswert, aber bloss ein Tropfen auf den heissen Stein, sagt Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerinnen und Lehrer-Verbandes. Zemp verweist auf die unterschiedliche Reaktion der einzelnen Kantone auf das Bundesgerichtsurteil. Vorbildlich reagiert habe der Kanton Basel-Stadt, der sämtliche ausfallenden Elternbeiträge vollumfänglich übernehme. Andere Kantone wie Zürich und Bern sehen Interpretationsspielraum im Bundesgerichtsurteil und verrechnen den Eltern immer noch mehr als 16 Franken pro Tag. Die Berner Erziehungsdirektion macht geltend, dass die Eltern während eines Schullagers neben den Verpflegungskosten auch Kosten für die Betreuung oder für Freizeitaktivitäten ihrer Kinder einsparen. Deshalb dürfe der Kostenbeitrag der Eltern maximal 25 Franken pro Tag betragen.

Den Betreibern von Gruppenunterkünften macht nicht nur der Verzicht einzelner Schulen auf Lager zu schaffen. Immer öfter verbrächten die Schulklassen nur noch drei bis vier Nächte auswärts, sagt Aenishänslin. «Manchmal sind es nur noch verlängerte Schulreisen.» Dies sei einerseits eine Folge der Sparmassnahmen. Andererseits seien Lehr- und Begleitpersonen immer weniger bereit, eine ganze Woche für ein Schullager einzusetzen. Die Lagerhäuser hätten dann das Problem, dass sie die Unterkunft für die verbleibenden Nächte der Woche nicht vermieten könnten, sagt Aenishänslin.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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