Jederzeit Zugriff aufs Patientendossier

Im Frühling soll das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier in Kraft treten. Für Ärzte, Apotheker und Spitex ist noch einiges offen. Sie fragen sich, wer sie für den finanziellen Aufwand entschädigt.

Die Einführung elektronischer Patientendossiers rückt näher. Für mögliche Anbieter stellt sich die Frage: Wer finanziert den Aufwand?<p class='credit'>(Bild: Fotolia)</p>

Die Einführung elektronischer Patientendossiers rückt näher. Für mögliche Anbieter stellt sich die Frage: Wer finanziert den Aufwand?

(Bild: Fotolia)

Das elektronische Patientendossier wird konkret. Kommenden April soll das Bundesgesetz dazu in Kraft treten. «Damit wird das Gesundheitswesen ins 21. Jahrhundert übertragen», sagte Postchefin Susanne Ruoff am Dienstag an einer Tagung der Organisation Public Health Schweiz.

Die Post ist eines der Unternehmen, welche die Vernetzung der Daten für das E-Dossier sicherstellen. Ruoff betonte, dass der Patient Herr und Meister über die Dokumente sei und bleibe. «Auch in der digitalen Welt gilt das Post­geheimnis.»

Das E-Dossier ermöglicht  Patienten, am Computer jederzeit ihre Dokumente abzurufen.

Das elektronische Patientendossier ermöglicht Patienten, am Computer ihre Dokumente ab­zurufen, seien das nun Röntgenbilder, Laborberichte oder Medikamentenlisten. Sie können zudem Ärzten den Zugriff auf diese Informationen ermöglichen. Im Vorreiterkanton Genf sind elek­tronische Dossiers schon seit einigen Jahren im Gebrauch.

Allen Patienten bleibt es jederzeit freigestellt, ob sie ein E-Dossier eröffnen wollen oder nicht. Spitäler müssen drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes das ­E-Dossier anbieten können, Heime nach fünf Jahren. Für Arztpraxen, Spitex oder Apotheken ist die Teilnahme freiwillig. Sie tun sich unterschiedlich schwer mit dem Thema, wie Referate an der Tagung von Public Health Schweiz zeigten.

Mehraufwand

Bei den Hausärzten sei die Motivation für das elektronische Patientendossier vorerst gering, sagte etwa Alex Steinacher, Vorstandsmitglied von Hausärzte Schweiz. Er legte dar, woran das liegt: Hausärzte könnten Patienten meistens in eigener Kompetenz behandeln und seien gar nicht auf einen Austausch von Dokumenten angewiesen. Der Aufwand, ein Dossier zu eröffnen, sei hingegen gross.

Arztpraxen müssten in die IT, in die Datensicherheit, die Beratung und die Datenpflege investieren. All das könnten sie aber nicht abrechnen. Denn er gehe davon aus, dass der Patient das Dossier gratis erhalte, so Steinacher. Hinzu kämen juristische Fragen zur Verbindlichkeit der Dokumente, zur Haftung und zum Umgang mit sensiblen Daten.

Gerade ältere Ärzte, bei denen die Nachfolge unklar sei, zeigten angesichts des geringen Nutzens wenig Interesse am Ausbau solcher elektronischer Prozesse.

Erste Anlaufstelle

Bei der Spitex begrüsse man das E-Dossier, sagte Cornelis Kooijman, stellvertretender Zentralsekretär des Spitex-Verbands Schweiz. Die Spitex erfasse bereits vieles elektronisch. Es sei wichtig, dass Informationen rasch verfügbar seien, wenn etwa die Spitex nach einem Spitalaufenthalt die Pflege übernehme.

Wer wird auf die Dossiers zugreifen können, wie müssen Prozesse angepasst und Mitarbeitende geschult werden?

Noch sei einiges offen: Wer wird auf die Dossiers zugreifen können, wie müssen Prozesse angepasst und Mitarbeitende geschult werden? Kooijman rechnet damit, dass die Spitex beim Eröffnen eines Dossiers für ihre Patienten eine Anlaufstelle sein wird, und da stelle sich die Frage: Wer finanziert den Aufwand?

Optimismus

Zuversichtlich zeigt sich Marcel Mesnil, Generalsekretär des Schweizerischen Apothekerverbands Pharmasuisse. Patienten hätten ein Recht auf ihre Gesundheitsdaten. Apotheken seien ebenfalls gute Anlaufstellen für das Eröffnen von Dossiers, denn sie könnten den Mehrwert gut erklären: Wer zum Beispiel mehrere Medikamente benötige, könne ein Dossier eröffnen und diese darin auflisten.

Bei Verlust der Medikamente auf Reisen oder wenn er Ärzten erklären müsse, welche Mittel er brauche, könne er auf die Liste zugreifen. «Das wäre ein Start», so Mesnil.

Berner Zeitung

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