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«Ich möchte nicht ausschliessen, dass ich ein Bauernopfer bin»

Alard du Bois-Reymond äussert sich in einem Interview zu seiner Entlassung als Direktor des Bundesamtes für Migration. Der arabische Frühling habe das Amt im dümmsten Moment erwischt.

«Kein Skandal und kein Eklat»: Alard du Bois-Reymond, Der entlassene Direktor des Bundesamtes für Migration.
«Kein Skandal und kein Eklat»: Alard du Bois-Reymond, Der entlassene Direktor des Bundesamtes für Migration.
Keystone

Der entlassene BFM-Direktor räumt ein, den Aufwand für die Umsetzung der Reorganisation im Bundesamt für Migration «unterschätzt» zu haben. Mittlerweile seien die Verfahren aber besser eingespielt und die Pendenzen stabilisiert worden, sagte Alard du Bois-Reymond in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Der BFM-Direktor zeigte sich darin nach wie vor von der Richtigkeit der 2010 eingeleiteten Reorganisation überzeugt. Es sei jedoch so, dass der arabische Frühling das Amt damals «im dümmsten Moment erwischt» habe. Diese Asylgesuche hätten eine Zusatzbelastung verursacht.

Welche Differenzen zu seiner Entlassung durch Bundesrätin Simonetta Sommaruga geführt haben, wollte du Bois-Reymond nicht sagen. Es sei ihnen nicht gelungen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. «Ich kann nur versichern, dass hinter der Trennung kein Skandal und kein Eklat stehen.» Es sei aber unvermeidlich, dass man in einem solchen Amt Fehler mache. Die Entlassung habe er in Kauf genommen: «Es ist besser, Klarheit und Transparenz zu schaffen, als ein Einvernehmen vorzugaukeln.»

Über seinen Entlassungsgrund will du Bois-Reymond nicht spekulieren. Er habe gewusst, dass der Job riskant sei. Die hitzige Asyldebatte im Wahlkampf hat seine Arbeit zusätzlich in den Fokus rücken lassen. «Ich möchte nicht ausschliessen, dass ich ein Bauernopfer bin.»

«Unvorsichtige» Aussagen über Nigerianer

Er sei «eine Person mit Gestaltungswillen», die etwas bewegen wolle «und dafür auch Risiken in Kauf nimmt». So seien seine Aussagen über kriminelle Nigerianer «unvorsichtig» gewesen. Der BFM-Direktor hatte im April 2010 in einem Zeitungsinterview gesagt, die meisten nigerianischen Asylsuchenden kämen nicht als Flüchtlinge, sondern «um Geschäfte zu machen», und ein grosser Teil betätige sich in der Kleinkriminalität und im Drogenhandel.

Dies verärgerte die nigerianischen Behörden, mit denen die Schweiz in Verhandlungen über Rückschaffungen stand. Du Bois-Reymond hielt sich im Interview aber selbst zugute, «dass wir das Blatt gewendet und nach schwierigen Verhandlungen eine Migrationspartnerschaft mit Nigeria abgeschlossen haben, die international Vorbildcharakter hat».

Enttäuscht von Kritik der Kantone

Das Ziel noch nicht erreicht habe er bei der Suche nach zusätzlichen Asylunterkünften, sagte der abtretende BFM-Direktor weiter. Dieses Ziel könne das BFM aber nicht alleine erreichen. «Wir sind auf die tatkräftige Unterstützung der Armee und der Kantone angewiesen.» Enttäuscht und «sehr betroffen» zeigte sich du Bois-Reymond von der heftigen Kritik der Kantone am BFM. Er könne deren Hauptvorwurf - das BFM verschleppe die Dublin-Fälle - nicht nachvollziehen. Mit der Senkung der Behandlungsdauer um 30 Prozent habe das BFM «die Ziele deutlich übertroffen».

Derzeit sei es offenbar «in», auf das BFM «einzuschlagen», da sich das Amt als Sündenbock im Migrationsbereich eigne. «Das ist unfair gegenüber den Mitarbeitenden, die einen super Job machen.»

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