Zum Hauptinhalt springen

Hürlimann nimmt persönlich Stellung zum K.-o.-Tropfen-Vorwurf

SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann will seinen Posten nicht räumen trotz des Vorwurfs einer Affäre mit einer Kollegin und des angeblichen Einsatzes von K.-o.-Tropfen. Den Ratsmitgliedern hat er einen Brief geschrieben.

«Kantonsrat soll ungestört tagen können»: Markus Hürlimann bei der Mitgliederversammlung der SVP des Kantons Zug. (22. Januar 2015)
«Kantonsrat soll ungestört tagen können»: Markus Hürlimann bei der Mitgliederversammlung der SVP des Kantons Zug. (22. Januar 2015)

Der Zuger SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann will trotz der Sex-Affäre und den Ermittlungen gegen ihn nicht aus dem Parlament zurücktreten. Er sei es seinen Wählern schuldig, jetzt gute Parlamentsarbeit zu leisten, sagte er heute Morgen vor der Ratssitzung an einer Medienkonferenz.

«Mir liegt viel daran, dass der Kantonsrat heute ungestört tagen kann», sagte er. Das sei aber nur möglich, wenn der Ratsbetrieb nicht durch das Thema Fremdküssen mit Jolanda Spiess-Hegglin (Alternative – die Grünen) überlagert werde.

«Noch nie K.-o.-Tropfen besessen»

Er habe deshalb allen Ratsmitgliedern eine schriftliche Erklärung verteilt, in der er sich für den Tumult der letzten Wochen entschuldige. Gleichzeitig betont er in der Erklärung seine Unschuld. «Ich habe Zeit meines Lebens noch nie K.-o.-Tropfen besessen und auch nie daran gedacht, mir welche anzuschaffen.» Er habe sich falsch verhalten, aber nur moralisch. Strafrechtlich habe er sich nichts zuschulden kommen lassen.

Seit seiner Verhaftung am 23. Dezember habe er sich mehrmals gefragt, ob er seine Funktionen noch wahrnehmen könne. Das Präsidium der Kantonalpartei habe er denn auch recht schnell niedergelegt. «Der heutigen Kantonsratssitzung fernzubleiben, war aber keine Option.»

SVP-Mitglieder drohen mit Parteiaustritt

Ob er bald als Parteiloser an den Ratssitzungen teilnehmen muss, entscheidet sich in den kommenden Wochen: Die SVP wird an zwei Versammlungen die Vorkommnisse nach der Landammannfeier vom Dezember besprechen. Aus der Partei werfen könnte ihn aber nur seine Sektion, die SVP Baar. Mehrere Parteimitglieder drohten bereits mit ihrem Austritt, falls Hürlimann in der SVP bleiben sollte.

Keine Anhaltspunkte für Betäubung mit K.-o.-Tropfen: Die Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin nach einer Sitzung im Regierungsgebäude. (29. Januar 2015)
Keine Anhaltspunkte für Betäubung mit K.-o.-Tropfen: Die Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin nach einer Sitzung im Regierungsgebäude. (29. Januar 2015)
Keystone
Unterzog sich am Tag nach der Feier im Kantonsspital medizinischen Tests wegen Verdachts auf K.-o.-Tropfen:  Jolanda Spiess-Hegglin, grüne Kantonsrätin.
Unterzog sich am Tag nach der Feier im Kantonsspital medizinischen Tests wegen Verdachts auf K.-o.-Tropfen: Jolanda Spiess-Hegglin, grüne Kantonsrätin.
Keystone
...ging die Feier für einige nach Mitternacht im Restaurant Schiff weiter.
...ging die Feier für einige nach Mitternacht im Restaurant Schiff weiter.
Facebook
1 / 5

Zum mutmasslichen sexuellen Übergriff soll es nach der Feier für den neuen Landammann Heinz Tännler (SVP) in der Nacht auf den 21. Dezember 2014 gekommen sein. Dabei floss viel Alkohol. Am Morgen danach erwachte Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin nach eigenen Angaben mit Unterleibsschmerzen.

Ergebnisse der Haarproben noch ausstehend

Weil sie sich an nichts mehr erinnern konnte, ging sie ins Spital. Die Ärzte informierten schliesslich die Polizei. Spiess-Hegglin ist überzeugt, dass ihr K.-o.-Tropfen oder andere Betäubungsmittel verabreicht wurden.

Unter Verdacht geriet Hürlimann, weil er zuletzt mit Spiess-Hegglin gesehen worden war. Der SVP-Politiker wurde verhaftet und einen Tag später wieder auf freien Fuss gesetzt. Gegen ihn wurden Ermittlungen wegen Handlungen gegen die sexuelle Integrität eingeleitet.

K.-o.-Tropfen konnten in Spiess-Hegglins Blut- und Urinproben keine nachgewiesen werden. Das heisst jedoch nicht, dass ihr auch keine verabreicht wurden. Die Proben wurden ihr im Spital erst rund 20 Stunden nach der mutmasslichen Einnahme entnommen. K.-o.-Tropfen bauen sich aber innerhalb von etwa 8 Stunden ab. Noch ausstehend sind die Ergebnisse ihrer Haarprobe.

Spiess-Hegglin nahm ebenfalls an der Kantonsratssitzung teil. Sie wolle ihr Amt als Kantonsrätin wahrnehmen, teilte ihre Fraktion in einem Communiqué mit. Allein aufgrund von ungesicherten Medienspekulationen, ohne jegliche juristische Relevanz, sei es unangemessen, die Zusammenarbeit mit gewählten Kantonsratsmitgliedern zu verweigern.

SDA

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch