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Freikirchen-Treffen: Immer mehr Coronafälle in der Schweiz

In Mülhausen kamen rund 2000 Besucher für eine freikirchliche Veranstaltung zusammen. Jetzt zeigt sich: In der Schweiz häuft sich die Anzahl Infizierter, welche diese besucht hatten.

Viele Menschen auf engem Raum: Bei einer Veranstaltung der Freikirche «La Porte ouverte chrétienne» in Mülhausen soll sich das Coronavirus ausgebreitet haben. Foto: «Porte ouverte chrétienne» via Facebook
Viele Menschen auf engem Raum: Bei einer Veranstaltung der Freikirche «La Porte ouverte chrétienne» in Mülhausen soll sich das Coronavirus ausgebreitet haben. Foto: «Porte ouverte chrétienne» via Facebook

Mitte Februar rechnete wohl niemand der gut 2000 Besucherinnen und Besucher einer religiösen Veranstaltung der Freikirche «La Porte ouverte chrétienne» in Mülhausen damit, später ein potenzielles Opfer einer Coronavirus-Infektion zu werden. Auch zahlreiche Schweizer Gäste waren im Rahmen dieses mehrtägigen Fastenwoche-Anlasses anwesend – gemäss einer Mediensprecherin der Freikirche etwa 30 an der Zahl.

Problematisch ist jedoch, dass keiner dieser Gäste von der Freikirche registriert worden war. Das bedeutet: Die örtlichen Behörden haben keine Übersicht darüber, wer den Gottesdienst besucht hat und somit gefährdet ist. Zu dieser Zeit waren keine Massnahmen zur Eindämmung des Virus in Europa in Kraft. Die Leute hätten sich also in der Kirche wie üblich begrüsst, Hände geschüttelt und umarmt, so die Sprecherin.

Das hat nun Konsequenzen. Der Kanton Basel-Stadt, welcher an der Grenze zum Elsass liegt, verzeichnete am Donnerstag fünf Infektionsfälle. Zwei davon hätten laut Behörden auf einen Besuch an besagtem Event zurückverfolgt werden können. Am Freitag vermeldete die Staatskanzlei in Neuenburg zehn neue Coronavirus-Fälle im Kanton, welche alle ebenfalls auf das Treffen der Freikirche zurückzuführen sind. Auch im Elsass selbst sind 21 Menschen positiv auf das Virus getestet worden – Viele davon ebenfalls im Zusammenhang mit dem Gottesdienst. Mehrere Schulen mussten schliessen. «Wir haben in Mulhouse die Epidemie-Phase erreicht», sagte Christophe Lannelongue, Direktor des regionalen Gesundheitsamtes, im französischen Staatsfernsehen.

Ähnlichkeit zum Ausbruch in Südkorea

Der Fall erinnert an die Ausbreitung des Virus in Südkorea, welcher mehrheitlich der religiösen Gruppe «Shincheonji Church of Jesus» zugeschrieben wird. Etwa 60 Prozent der bisher über 6000 Infizierungen auf der Koreanischen Halbinsel gehen laut Daten der örtlichen Behörden auf Ansteckungen im Zusammenhang mit der von vielen als Kult bezeichneten Gruppierung zurück. Die «Shincheonji Church of Jesus» verehrt ihren Anführer Lee Man-hee als zweite Wiederauferstehung Jesu Christi.

In der Stadt Daegu, von wo aus sich das Virus innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft ausgebreitet haben soll, befinden sich etwa 75 Prozent der Coronainfizierten im Land – über 72 Prozent davon «Shincheonji»-Mitglieder oder Angehörige derer. Diese haben sich nun ins ganze Land verteilt. Der Gruppe wird vorgeworfen, sich geweigert zu haben, die Namen ihrer Mitglieder an die Behörden zu liefern und sich auf das Coronavirus testen zu lassen und somit zur Ausbreitung des Virus beigetragen zu haben. Ein ehemaliges Mitglied erzählte dem US-Nachrichtensender CNN, den «Shincheonji»-Mitgliedern sei es verboten worden, Masken jeglicher Art zu tragen.

Die Kirche hat inzwischen alle Gottesdienste und sonstigen Zusammenkünfte eingestellt. Die Gebäude wurden von den Behörden desinfiziert, die Suche nach Mitgliedern der Gruppe läuft. Zur Ortung verwendet die örtliche Polizei Standortdaten der Handys sowie Kreditkarten-Daten.

In Mülhausen versuchen die französischen Behörden gar nicht erst, die Besucher der freikirchlichen Veranstaltung in Frankreich und im Ausland aufzuspüren. Weil die Gäste des Gottesdienstes nicht registriert worden seien, bestehe kaum Hoffnung, diese innert nützlicher Frist zu finden, erklärt Lannelongue. Man müsse nun die Kräfte bündeln, um sich um die Kranken zu kümmern.

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