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Faoug hat keine Parteien, aber ein Parlament

Keine Gemeinde ist zu klein, um ein eigenes Parlament zu haben. In der kleinen Waadtländer Gemeinde Faoug am Murtensee sagt eine 35-köpfige Legislative, wo es langgeht.

Gemeindepräsident Denis Moll steht politisch nicht alleine auf weiter Flur. Neben dem Gemeinderat gestaltet ein Parlament mit 35 Mitgliedern die Zukunft der kleinen waadtländer Gemeinde am Murtensee.
Gemeindepräsident Denis Moll steht politisch nicht alleine auf weiter Flur. Neben dem Gemeinderat gestaltet ein Parlament mit 35 Mitgliedern die Zukunft der kleinen waadtländer Gemeinde am Murtensee.
Urs Baumann

Politische Parteien gibt es im waadtländischen Dorf Faoug keine. Von politischem Desinteresse kann aber keine Rede sein. Jeder 20. der rund 800 Einwohner ist politisch aktiv. Hochgerechnet auf die Stimmberechtigten ist es sogar jeder 15. Nicht ganz freiwillig: Alle Gemeinden im Kanton Waadt verfügen über ein Gemeindeparlament.

«Wir kennen nichts anderes», sagt Denis Moll, seit 12 Jahren Gemeindepräsident. «Der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen. Es finden sich immer Personen, die bereit sind, sich zu engagieren.» Dies in einem Dorf, wo viele Zuzüger wohnen. Innerhalb von rund 20 Jahren hat sich die Bevölkerungszahl verdoppelt. «Die Leute identifizieren sich mit dem Dorf und wollen die Zukunft mitgestalten», ergänzt der Gemeindepräsident. Es gilt aber gleich anzufügen: Für die Exekutive (Municipalité, Gemeinderat) gab es sowohl bei den letzten Wahlen 2011 als auch bei einer Ergänzungswahl im vergangenen Monat nur gerade so viele Kandidierende wie Sitze. Es kam zu stillen Wahlen. Wegen der fehlenden Parteien werden die Parlamentarier im Majorz gewählt.

35 Mitglieder zählt das Gemeindeparlament (conseil communal, Grosser Gemeinderat) in Faoug. Es tagt drei- bis fünfmal im Jahr. Nach der Einschätzung von Denis Moll, der als Hauptagent bei einer Versicherung arbeitet, ist darin die Bevölkerung sehr gut repräsentiert. Des Geldes wegen macht niemand mit. Das Sitzungsgeld beträgt bescheidene 10 Franken. Dazu kommt ein Stundenlohn von 25 Franken für die Kommissionsarbeit. Gemeindepräsident Denis Moll erhält eine Jahrespauschale von 5500 Franken. Zusammen mit den Sitzungsgeldern kam er im letzten Jahr auf total rund 13000 Franken. Das Fixum bei den übrigen Gemeinderatsmitgliedern beträgt 3500 Franken.

Wichtige Kommissionsarbeit

Für Denis Moll ist die Zusammenarbeit zwischen dem Parlament und dem Gemeinderat sehr konstruktiv. Eine grosse Bedeutung komme den Kommissionen und dem Informationsaustausch zu. Jedes Geschäft werde bereits vor den Gemeinderatssitzungen in den Kommissionen diskutiert. Bei umstrittenen Vorlagen suche man bereits im Vorfeld einen Kompromiss. Das heisse aber nicht, dass im Parlament nicht heftig diskutiert werde. So entbrannte kürzlich eine intensive Debatte, als es darum ging, die Entschädigung für die Exekutivmitglieder nach oben anzupassen. «Kurz zuvor noch wurde ein Kredit einfach durchgewinkt, wo es um eine viel höhere Summe ging», fügt Gemeindepräsident Denis Moll schmunzelnd an.

Das Parlament in einer kleinen Gemeinde ist laut dem 53-jährigen Denis Moll ein anspruchsvoller, aber gleichzeitig auch ein verlässlicher Partner. «Es entscheiden immer die gleichen Personen, die etwa die gleiche Linie verfolgen», erläutert Denis Moll. Damit sei eine Kontinuität gewährleistet. Das sei nicht wie an einer Gemeindeversammlung, wo eine Interessengruppe mobilisieren und so ein Geschäft durchboxen oder zu Fall bringen könne.

Petition von Schülern

Wenig genutzt werden im Parlament von Faoug die Möglichkeiten von Vorstössen (Motionen, Postulate, Interpellationen). Auch aus der Bevölkerung träfen selten Petitionen ein, sagt Denis Moll. Aber es gibt sie. So habe er vor rund 2 Jahren einen Brief von verschiedenen Schülern aus dem Dorf erhalten. Diese wünschten sich einen Skatepark. «Wir haben diesen Brief wie eine Petition behandelt», erzählt Moll. Das Anliegen wurde in den verschiedenen Gremien geprüft, und der Skatepark beim Bahnhof konnte innerhalb weniger Monate realisiert werden.

Viele der Exekutivmitglieder in Faoug sassen zuvor im Parlament und konnten so erste politische Erfahrungen sammeln. «Das ist aber nicht immer der Fall», fügt Denis Moll sofort an. So war er selber vor seiner Wahl in den grossen Gemeinderat vor 20 Jahren «nur» Sekretär des Gemeinderats.

Ihm gefällt die politische Arbeit auch nach dieser langen Zeit. «Die Gemeinde steht gut da und ist sehr attraktiv», sagt Moll auf der kleinen Dachterrasse des Schulhauses. Hier oben bietet sich eine wunderbare Aussicht auf den Murtensee und den Vully. Aber nicht nur die Lage ist fast einmalig. Mit einem der tiefsten Steuersätze der Region, ja sogar des ganzen Kantons Waadt, ist Faoug attraktiv für Zuzüger. Und solange diese bereit seien, sich in der Politik zu engagieren, könne der eingeschlagene Weg beibehalten werden, betont Denis Moll. Eine Fusion stehe nicht zur Diskussion.

Hans Ulrich Schaad>

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