Anwalt wollte 420'000 Franken – und bekommt dafür eine Busse

Ein Rechtsanwalt hat für seine Dienste in einem Erbstreit eine «krass überhöhte» Summe verlangt, entschied das Bundesgericht.

Der Anwalt hatte in einem Erbstreit ein Erfolgshonorar von 20 Prozent des Erbschaftsbetrags (1,9 Millionen Franken), mindestens aber 100'000 Franken, vereinbart. Foto: Gaetan Bally, Keystone

Der Anwalt hatte in einem Erbstreit ein Erfolgshonorar von 20 Prozent des Erbschaftsbetrags (1,9 Millionen Franken), mindestens aber 100'000 Franken, vereinbart. Foto: Gaetan Bally, Keystone

Ein St. Galler Anwalt stellte im Zusammenhang mit einem Erbstreit eine krass überhöhte Honorarforderung von 420'000 Franken. Nach einem Entscheid des Bundesgerichtes wird er deswegen mit 10'000 Franken gebüsst.

Es wies Ende November 2019 eine Beschwerde des Anwalts ab. Zum gleichen Ergebnis war zuvor schon das St. Galler Verwaltungsgericht gekommen. Das «St. Galler Tagblatt» machte den Fall am Montag publik.

P. S., Anwalt und HSG-Universitätsrat, hatte als Vertreter einer Erbin in einem Erbstreit ein Erfolgshonorar von 20 Prozent des Erbschaftsbetrags (1,9 Millionen Franken), mindestens aber 100'000 Franken, vereinbart. Eine solche Abmachung sei gemäss Gesetz unzulässig, stellte das Bundesgericht fest.

Zu hoher Stundenansatz

Zudem sei die Honorarforderung krass überhöht. Die vom Juristen geforderten 420'000 Franken für Leistungen zwischen November 2015 und Mai 2017 seien mehr als viermal so hoch wie die gemäss den Gebührenordnungen maximal geschuldete Parteientschädigung, stellte das Lausanner Tribunal in seinem Entscheid fest.

Der verrechnete Stundenansatz von 910 Franken sei zwei- bis dreimal so hoch wie der in St. Gallen übliche Ansatz von 300 bis 400 Franken. Angemessen gewesen wäre laut Gericht eine Parteientschädigung von maximal 100'000 Franken.

Die Klientin, die seit Jahren von Sozialhilfe gelebt hatte, zeigte den Anwalt Mitte 2017 wegen der überhöhten Honorarforderung bei der Anwaltskammer an. Diese eröffnete ein Disziplinarverfahren gegen P. S. und büsste ihn mit 10'000 Franken. Der Anwalt focht den Entscheid erfolglos durch alle Instanzen an.

fal/sda

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