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Ein Urteil mit Augenmass

Zu Recht sind die Strafen im Thurgauer Kinderschänder-Prozess höher ausgefallen als beantragt – ein schwererer Fall ist kaum vorstellbar. Dass die Täter ambulant therapiert werden, gibt den Behörden Spielraum.

Verging sich während Monaten an seinem Sohn und verkaufte diesen an pädophile Freier: Der deutsche Hauptangeklagte beim Betreten des Gerichtssaals in Münchwilen. (26. November 2013)
Verging sich während Monaten an seinem Sohn und verkaufte diesen an pädophile Freier: Der deutsche Hauptangeklagte beim Betreten des Gerichtssaals in Münchwilen. (26. November 2013)
Keystone
Schützte sich vor den Blicken der anwesenden Medienvertreter: Der zweite Angeklagte, ein Schweizer, für den siebeneinhalb Jahre Zuchthaus und eine stationäre Massnahme gefordert werden. (26. November 2013)
Schützte sich vor den Blicken der anwesenden Medienvertreter: Der zweite Angeklagte, ein Schweizer, für den siebeneinhalb Jahre Zuchthaus und eine stationäre Massnahme gefordert werden. (26. November 2013)
Keystone
Vor dem Bezirksgericht Münchwilen (wegen Umbaus in der Nachbargemeinde Sirnach) stehen zwei Väter, die sich an ihren sechs- und siebenjährigen Kindern während Monaten vergingen. (26. November 2013)
Vor dem Bezirksgericht Münchwilen (wegen Umbaus in der Nachbargemeinde Sirnach) stehen zwei Väter, die sich an ihren sechs- und siebenjährigen Kindern während Monaten vergingen. (26. November 2013)
Keystone
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Mit dem Strafmass von 13 Jahren beim 35-jährigen deutschen Haupttäter ist das Gericht ziemlich nahe an die Maximalstrafe von 15 Jahren gegangen. Auch beim zweiten Kinderschänder ging das Gericht deutlich über den Antrag des Staatsanwaltes. Der Gerichtspräsident Alex Frei sprach denn auch von einem «klar zu tiefen» Antrag des Staatsanwaltes – und er hat recht.

Ein noch schwererer Fall von Kindsmissbrauch ist kaum vorstellbar, vor allem bei den Delikten des Haupttäters. Ein beispielloser Fall, der schweizweit einmalig ist und entsprechend hart geahndet werden muss. Dass die Anträge des Staatsanwaltes unerklärlich mild waren, zeigt sich auch in den Forderungen der beiden Verteidiger, die mit acht und sieben Jahren nur wenig unter denjenigen der Anklage waren.

Das Gericht hat keine Verwahrung ausgesprochen. Auch nicht eine stationäre Massnahme (Therapie), die so genannte kleine Verwahrung. Das mag auf den ersten Blick empörend wirken angesichts der schrecklichen Taten. Aber mit der ambulanten Therapie, die parallel zur Strafe absolviert werden muss, haben die Behörden jederzeit ein Mittel in der Hand, um die Täter im Gefängnis zu behalten und die Öffentlichkeit vor ihnen zu schützen. Denn besteht nach Verbüssung der Strafe immer noch eine Rückfallgefahr, kann die ambulante Therapie in eine – grundsätzlich unbefristet lange – stationäre Therapie umgewandelt werden. Denn Verwahrungen oder stationären Massnahmen sind keine Strafen, sondern lediglich Mittel, die Gesellschaft vor rückfallgefährdeten Straftätern zu schützen.

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