Ein Staatsanwalt auf Abwegen

Der Walliser Strafverfolger steht zum wiederholten Mal in der Kritik, Berufliches und Privates ungenügend zu trennen.

Steht in der Kritik: Rinaldo Arnold. Foto: AFP

Steht in der Kritik: Rinaldo Arnold. Foto: AFP

Christian Brönnimann@ch_broennimann

Am Abend vor seinem 43. Geburtstag ist die Welt für Rinaldo Arnold in bester Ordnung. In einem exklusiven Bereich des Moskauer Olympiastadions, wo man normalerweise nur auf Einladung Zutritt erhält, schaut er sich den WM-Achtelfinal Spanien gegen Russland an. Und schafft es sogar, den König von Spanien zu einem Selfie mit ihm zu bewegen. «Zwei super Könige», so einer der vielen Kommentare, die er dafür auf Facebook einheimst.

Heute, gut vier Monate später, macht das Selfie Schlagzeilen. Denn Arnold ist der Oberstaatsanwalt des Oberwallis und damit einer der höchsten Ermittler und Ankläger des Kantons. Das Amt verpflichtet zu Unabhängigkeit und Integrität. Die Frage, die sich nun stellt: Verträgt sich das Amt mit exklusiven Einladungen eines Briger Jugendfreunds namens Gianni Infantino, der es zufälligerweise zum Fifa-Präsidenten geschafft hat? Und für den Arnold auch mal seine beruflichen Kontakte spielen lässt?

Rinaldo Arnold und Gianni Infantino 2016 an einem Fussball-Freundschaftsspiel in Zürich. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Ja klar, sagt Arnold, denn sein Verhältnis zu Infantino sei rein privater Natur. Doch selbst im Wallis, wo solche Geschichten bevorzugt in der Fasnachtszeitung abgehandelt werden, mehren sich die Zweifel. Vor zwei Tagen hat Arnolds Chef angekündigt, dass er einen ausserordentlichen Staatsanwalt einsetzen wird, der die «allfällige strafrechtliche Relevanz» der Freundschaftsdienste zwischen dem Oberstaatsanwalt und dem Fifa-Präsidenten untersuchen soll.

Es ist nicht das erste Mal, dass Rinaldo Arnold vorgeworfen wird, Berufliches und Privates ungenügend zu trennen. In seiner Freizeit engagiert sich der Fussballfan stark beim FC Brig-Glis, den er auch präsidiert. Als der lokale Konkurrent FC Visp in Verdacht gerät, gegen das Ausländergesetz verstossen zu haben, verfolgt Arnold den Fall mit harter Hand. Den erstinstanzlichen Freispruch zieht er weiter ans Kantonsgericht – und verliert vor Jahresfrist auch da auf ganzer Linie. «Mein Vorgehen hatte absolut keinen Zusammenhang mit dem FC Brig-Glis, sondern es war meine berufliche Pflicht», sagt Arnold heute dazu.

«Längst abgeschlossen»?

Bislang hat Arnold allem Gegenwind getrotzt. Die vom linken Magazin «Rote Annelise» kolportierten Mobbingvorwürfe perlten am Karrierejuristen genauso ab wie Zweifel an seiner Kompetenz. Letztere kamen im Sommer 2016 auf, als Arnold wegen eines Bagatellfalls eine Niederlage einfing, die das Justiz-Portal «strafprozess.ch» als «Höchststrafe für die Staatsanwaltschaft» bezeichnete. Das Bundesgericht hatte gerügt, die von Arnold geführte Staatsanwaltschaft Oberwallis habe die Beschwerdemöglichkeiten in Strafsachen «offensichtlich verkannt» und «elementarste Sorgfaltspflichten» nicht beachtet.

Zu den Mobbingvorwürfen äusserte sich Arnold in einem kurzen Telefongespräch gestern Nachmittag nicht. Das sei längst abgeschlossen. Generell könne er die Polemik um seine Person überhaupt nicht verstehen. Es gibt nur einen Kritikpunkt, den Arnold gelten lässt: «Ja, vielleicht war ich ein bisschen zu wenig sensibel, das Foto mit dem spanischen König auf Facebook zu posten.» Gelöscht hat er es bis heute nicht.

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