Die Zwangsbeglückung

Die EU setzt Standards in der Digitalwirtschaft, und die Schweiz hat auch etwas davon.

Youtube und andere Streaming-Plattformen werden ihr Geschäftsmodell anpassen müssen. Foto: iStock

Youtube und andere Streaming-Plattformen werden ihr Geschäftsmodell anpassen müssen. Foto: iStock

Stephan Israel@StephanIsrael

Was können wir uns in der Schweiz über Brüssel ärgern. Doch manchmal tut die EU Gutes, und wir profitieren unverhofft davon. So zum Beispiel jetzt wieder beim neuen Urheberrecht, das die EU-Abgeordneten gerade verabschiedet haben. Die neuen Copyright-Regeln zwingen Google, Youtube oder Facebook, mit der Gratiskultur Schluss zu machen. Die Internetkonzerne müssen garantieren, dass sie über die Rechte für die Inhalte auf ihren Plattformen verfügen beziehungsweise dafür bezahlt haben.

Das ist eine gute Nachricht für Schauspieler, Musiker, Autoren oder Medienschaffende auch in der Schweiz. Die Plattformen werden mit den Verwertungsgesellschaften Lizenzen abschliessen müssen. Die Kreativwirtschaft kann darauf hoffen, dass sie endlich mitverdient, wenn die Plattformen mit fremden Werken ein gutes Geschäft machen. Denn die Internetkonzerne werden die neuen Bestimmungen von sich aus auch für die Insel mitten in Europa anwenden. Die Schweiz ist einfach zu klein, als dass sich für die IT-Branche da eine Sonderregelung lohnen würde.

Die Reform ist ein Versuch der EU, im digitalen Zeitalter die Regeln zu definieren und mehr Fairness im Internet zu schaffen. Europa befindet sich da im Wettbewerb mit den USA und China. Es geht darum, wer die Standards setzt. Der EU ist mit der Datenschutzverordnung schon ein Coup gelungen. Der Handel mit unseren Daten ist das Geschäft der Zukunft. Fast jede Schweizer Firma muss sich an die neuen Regeln halten, seitdem die EU-Reform vor knapp einem Jahr in Kraft getreten ist. Wir haben auch etwas davon, wenn Unternehmen transparent machen müssen, wie sie mit unseren Daten umgehen.

Gewiss, aus Schweizer Sicht ist es eine Form von Zwangsbeglückung. Wir haben die Regeln nicht mit geschrieben, die nun unseren Alltag mitbestimmen werden. Aber angesichtsder Alternativen vom amerikanischen Wildwuchs bis zu Chinas abgeschottetem Staatsinternet fahren wir mit den EU-Standards bei Urheberrecht und Datenschutz ganz gut.

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