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«Die Verteidigung muss bei den Richtern Zweifel am Tathergang wecken»

Heute erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 77-Jährigen, der im Juli 2010 auf dem Bielersee eine junge Frau mit dem Boot überfahren haben soll. Ein Experte erklärt, wie ein solcher Indizienprozess geführt wird.

Diesen Hafen haben sie nie erreicht: Der Hafen in Lüscherz.
Diesen Hafen haben sie nie erreicht: Der Hafen in Lüscherz.
Keystone
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Herr Schwarzenegger, laut der Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland wird der Prozess gegen den 77-jährigen Rentner mehrheitlich auf Indizien beruhen. Was sind die Merkmale eines Indizienprozesses? Das Hauptmerkmal ist, dass man keinen direkten Beweis hat. Ein eindeutiger Beweis wäre beispielsweise eine Videoaufnahme der Tat. Wenn keine Zeugenaussagen und kein naturwissenschaftlicher Nachweis vorhanden sind, welche die Schuld des Angeklagten lückenlos nachweisen können, kommt die Beweiswürdigungsregel zum Zug. Diese besagt, dass die Staatsanwaltschaft die Tat aufgrund einzelner Sachverhaltselemente mosaikartig so rekonstruieren muss, dass die Richter keinen praktischen Zweifel mehr an der Schuld des Angeklagten haben. Denn das Gericht ist wie bei allen Strafverfahren an den Grundsatz «in dubio pro reo» gebunden. Dies bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft die Beweislast hat, der Angeklagte seine Unschuld nicht selbst beweisen muss.

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