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Die Sonntagsväter

Wer bei Kinderbetreuung von Ferien spricht, wie die Referendumsführer gegen den Vaterschaftsurlaub, hat keine Ahnung. Oder er hat als Vater versagt.

Haushalt und Kinderbetreuung sind anstrengend. Wer etwas anderes behauptet, hat es wohl noch nie gemacht. Foto: Keystone
Haushalt und Kinderbetreuung sind anstrengend. Wer etwas anderes behauptet, hat es wohl noch nie gemacht. Foto: Keystone

Ein bürgerliches Komitee hat das Referendum gegen den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ergriffen. Die Mitglieder wollen verhindern, dass «Gratis-Ferien» und «Papi-Plausch» finanziert werden. Zwei Begriffe, mit denen sie sich gleich zu Beginn allesamt disqualifiziert haben. Obwohl – die Kinderlosen muss man in Schutz nehmen. Sie wissen es nicht besser. Kinder kriegen ist wie Fallschirmspringen: Wer es nie getan hat, hat keine Ahnung davon.

Väter, die von «Ferien» sprechen, das sind traurige Gestalten. Sie offenbaren, dass sie bei der Betreuung, Behütung und Erziehung ihrer Kinder wohl nie das getan haben, was möglich und nötig gewesen wäre. Dass sie Sonntagsväter sind, die kaum länger als eine Stunde für ihre Kids sorgen können. Dann übergeben sie das Schlachtfeld aus Essensresten, vollen Windeln und Trotzanfällen erschöpft und stolz ihrer Frau. Und nennen das «hüten». Hüten – das machen Grosseltern und Babysitter. Bei Müttern und Vätern heisst es Elternschaft und ist ein 24-Stunden-Job.

Dank fürs «Hüten»

Man kann auch in der heutigen Zeit der Meinung sein, dass ein Tag Vaterschaftsurlaub längst genug ist. Die anderen Länder Europas gehen zwar einen anderen Weg, aber die könnten ja irren. Aber, liebe Sonntagsväter: Die Betreuung von Kindern mit Ferien gleichzusetzen, ist ein Schlag ins Gesicht eurer Frauen, die mit ihrem Einsatz dafür sorgen, dass ihr Väter sein könnt, ohne wirklich Väter zu sein. Ich glaube kaum, dass ein Mensch, der auch nur einmal über längere Zeit für Kleinkinder sorgen musste, das so formulieren würde. Und ich meine damit nicht die Gutenachtgeschichte zwischen Networking-Anlass und Tagesschau.

«Es ist ein Schlag ins Gesicht eurer Frauen, die dafür gesorgt haben, dass ihr Väter sein könnt, ohne wirklich Väter zu sein.»

Ihr, die Vaterschaft so gelebt habt, wusstet es vielleicht nicht besser. Es gab kaum Vorbilder, die es anders machten. Das ist traurig, vor allem für euch, und ein bisschen auch für eure Kinder. Ihr habt Wunderbares und Unwiederbringliches verpasst. Es ist ärgerlich für eure Frauen, die ihr nicht ernst genommen habt in ihrem Stress und der Überforderung, die immer mal wieder anklopft. Von denen ihr Dank erwartet habt für das «Hüten» am Sonntagmorgen. Und die ihr jeden Morgen alleine gelassen habt mit einer Aufgabe, die anstrengender ist als jeder eurer Tage im Büro. Ich kenne beides.

Vor allem ist es aber eine Frechheit, dass ihr anderen nicht mehr gönnen könnt. Den neuen Vätern, die nicht hüten, sondern sich kümmern wollen. Denn es braucht nicht nur Eier, um Vater zu werden. Man braucht vor allem Eier, um Vater zu sein.

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