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«Wir sollten aufhören, Wettbewerb als männlich zu definieren»

Die Gleichstellungsexpertin sagt: Nur weil Mädchen weniger ellbögeln, scheuten sie den Wettbewerb nicht.

Die hübsche Flugbegleiterin und der Pilot: Dieses Rollenbild ist noch immer in vielen Köpfen. Der Anteil der Pilotinnen in der kommerziellen Luftfahrt liegt weltweit bei etwa fünf Prozent. Foto: iStock
Die hübsche Flugbegleiterin und der Pilot: Dieses Rollenbild ist noch immer in vielen Köpfen. Der Anteil der Pilotinnen in der kommerziellen Luftfahrt liegt weltweit bei etwa fünf Prozent. Foto: iStock

Frauen verdienen gemäss Studien auch deshalb weniger als Männer, weil sie seltener in Mint-Berufen arbeiten. Sind die Lohnunterschiede also mitunter selbst verschuldet?

Nein. Die Lohnunterschiede sind vielmehr eine Folge davon, dass typische «Männerberufe» besser entlöhnt werden als typische «Frauenberufe». Für Jugendliche ist es schwierig, tief verankerte Rollenbilder zu durchbrechen.

Warum ist das in der heutigen Zeit noch schwierig?

Das hat mit der Wahrnehmung zu tun: Wenn für gewisse Berufe in der Werbung nur Männer gezeigt werden oder wenn nur das Produkt im Vordergrund steht, spricht das die Mädchen weniger an. Wenn hingegen auch klar wird, wofür das Produkt entwickelt wird, wenn die Sinnhaftigkeit und die menschliche Dimension ersichtlich werden, ist ein Beruf für Mädchen oft attraktiver.

Aber Mädchen scheuen sich vor dem Wettbewerb in männerdominierten Berufen. Frauenquote und Fachkräfteinitiative ändern nichts daran.

Diversität ist in jedem Team wichtig – gerade auch in Führungsgremien. Studien zeigen, dass in gemischten Teams Produktivität und Risikoeinschätzung besser sind. Arbeiten hingegen nur stark wettbewerbsorientierte Männer miteinander, birgt dies sogar Gefahren. IWF-Chefin Christine Lagarde hat zu Recht gesagt, dass die Finanzkrise anders verlaufen wäre, wenn die ursächliche Investmentbank nicht Lehman Brothers, sondern Lehman Sisters geheissen hätte.

Sie stellen also nicht in Abrede, dass Mädchen weniger kompetitiv sind.

Wir sollten aufhören, Wettbewerb als männlich zu definieren. Mädchen sind sehr wohl ambitioniert, aber für sie ist eben auch Kooperation wichtig.

Man könnte sagen: Mädchen werden dazu erzogen, kooperativ zu sein.

Die Sozialisierung spielt eine wichtige Rolle. Von den Mädchen wird immer noch erwartet, dass sie kooperativ und bescheiden sind. Knaben sollen sich mit anderen messen. Beide Elemente sind in Gesellschaft und Wirtschaft wichtig.

Trotzdem: Den Mädchen schadet es in der Wirtschaft, wenn sie sich dem Wettbewerb verweigern. Wie überwinden wir dieses Dilemma?

Frauen sind in gewissen Bereichen mit starkem Wettbewerb durchaus gut vertreten: in der Medizin oder der Musik etwa. Diese Beispiele zeigen: Frauen stellen sich dann dem Wettbewerb, wenn es um die Sache geht, um fachliche Kompetenz – und nicht ums Ellbögeln.

Wie kann die Schule die Mädchen besser für den Mint-Bereich begeistern?

Lehrpersonen haben einen grossen Einfluss. Wenn Beispiele und Experimente im Unterricht vermehrt den konkreten Nutzen der Fächer aufzeigen würden, könnten die Mädchen besser abgeholt werden. Länder wie Russland, Südkorea oder Jordanien sind der Schweiz voraus: Dort sind es längst mehr Frauen als Männer, die Mint-Studiengänge belegen.

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