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Der clevere Pastor treibt seinen Anhängern jede Kritik aus

Pastor Jella Wojacek von der Freikirche Kingdom Embassy heilt Kranke - und sieht im Verstand Satan.

«Ei, ei, ei, der Teufel hat verloren»: Jella Wojacek von Kingdom Embassy Int.
«Ei, ei, ei, der Teufel hat verloren»: Jella Wojacek von Kingdom Embassy Int.
Frederik Bugglin

Wenn Seniorpastor Jella Wojacek mit seinem rhetorischen Feuerwerk loslegt, bebt der Saal im Industriequartier von Kloten. Selbst die Flugzeuge, die über das Quartier donnern, scheinen den Motor kurz abzustellen, derart knistert der Raum vor elektrischer Spannung.

Bei den Gottesdiensten der charismatischen Freikirche Kingdom Embassy International (Botschaft des internationalen Königreiches) geht es um alles oder nichts, um Gott oder den Satan. «Ei, ei, ei, der Teufel hat verloren», schreit der Pastor ins Mikrofon. Die Luft vibriert, die Atmosphäre zerreisst die Besucher beinahe. Kein Wunder, schliesslich ist Jesus anwesend, wie der Pastor versichert, lautstark unterstützt von der fünfköpfigen Musikband.

Beten macht schwindlig!

Ergriffen heben die mehrheitlich jungen Gläubigen die Hände, schliessen die Augen und wiegen den Oberkörper im Takt. Ein schwarzer Besucher ist so entrückt, dass er jeden Moment in eine Ekstase oder Ohnmacht abzurutschen droht.

Obwohl die charismatische Freikirche mit dem smarten 30-jährigen Berner Seniorpastor erst vor ein paar Monaten gegründet worden ist, lassen sich rund 50 wiedergeborene Christen in das Königreich Gottes entführen. «Nur 50», korrigiert Pastor Jella nach dem Gottesdienst. «Es ist Ferienzeit.» An gewöhnlichen Sonntagen seien es gut und gern doppelt so viele. Jella hat aber weit grössere Ziele. Er erwartet, dass sich das von ihm entfachte Glaubensfeuer wie ein Waldbrand ausbreitet.

Der Kingdom-Pastor ist ein begnadeter Rhetoriker. Mal säuselt er, mal schnurrt er, mal brüllt er. Wie ein Raubtier, stets bereit, zum Sprung anzusetzen. Ungeduldig geht er bei der einstündigen Predigt zwischen den Reihen hin und her, unterstützt seine Worte mit kräftigen Gesten.

Glaube macht reich!

Pastor Jella beherrscht sein Geschäft. Wie ein PR-Manager Gottes bricht er die komplexen Glaubenssätze und Dogmen auf einfache Heilsbotschaften hinunter und macht fantastische Versprechen. Man glaubt ihm beinahe, wenn er sein Publikum beschwört, dass das Leben eigentlich so einfach sei: Bekennt euch zu Jesus, und alles wird gut.

Zum Beispiel: «Der Geist, der deine Finanzen angreift, ist tot», ruft er den Gläubigen zu. Und sie glauben zu wissen: Ich werde bald mit Reichtum gesegnet.

«In Jesu Namen: Weg mit den Kopfschmerzen», befiehlt der Pastor dem Satan. Die Gläubigen hören: Der Teufel ist schuld an meiner Migräne.

«Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um arm und krank zu sein. Gottes Idee ist, dass ich so sein kann wie er.» Die Gläubigen hören: Es geht mir bald göttlich.

«Gott hat uns zu Königen des Lebens gemacht. Der Himmel ist dort, wo du bist», verkündet der Gottesmann. Jubel bricht bei den Gläubigen aus, manche beginnen zu klatschen. Alle müssen ihrem Sitznachbar die Hand schütteln und ihm sagen: «Ich gratuliere dir, du bist wichtig für das Königreich Gottes.»

Pastor Jellas Botschaft gipfelt im Mantra: «Ich widerstehe Armut, Krankheit und Tod. Sie haben in diesem Haus keinen Platz.» Doch die Gläubigen wissen gleichzeitig, dass die Gefahr überall lauert. Der grösste Feind des Menschen ist sein eigener Kopf, suggeriert der Pastor. Dort lauert der Satan: «Das Hirn ist fleischlich gesinnt, der Kopf ist der Feind des Glaubens», warnt er seine Anhänger. «Ihr müsst jeden kritischen Gedanken eliminieren.»

Handauflegen macht gesund!

An einem früheren Gottesdienst bereitete Pastor Jella seine Gläubigen auf ihren Missionsauftrag vor: «Die ganze Schöpfung wartet mit Weinen und Gebärschmerzen auf die wahren Söhne und Töchter von Gott» und ergänzt: «Du hast von Gott einen Blankocheck für das ganze Leben. Wenn du in Gott neu geboren bist, hast du nichts mehr zu tun mit deinen physischen Eltern. Du bist neu kreiert, und nur noch Gott ist dein Vater.» Dann ist alles möglich: «Wenn du deinen Fuss aus dem Flugzeug setzest, beginnen alle Dämonen des Landes zu schreien.»

Neben dem Satan sind auch Heilungen ein wichtiges Thema beim Gottesdienst in Kloten. «Apostel Charles Ndifon ist mein geistiger Papa», erzählt Pastor Jella. Der schwarze Apostel tingelt seit Jahren durch die Welt und hat nach eigenen Angaben Zehntausende Kranke geheilt. Sein Jünger Jella hat ihn schon oft begleitet und mehrmals in die Schweiz geholt. Spitäler würden sich leeren, wenn er seine Heilrituale ausführe, behauptet Ndifon. Tote seien schon zum Leben erweckt worden. «Lahme gehen, Taube hören, Blinde sehen», heisst es auf den Einladungen.

In Zürich hatte Apostel Ndifon viele Kranke als geheilt erklärt, doch nachträgliche Recherchen des TA widerlegten die Behauptung. Trotzdem erklärt Pastor Jella nach dem Gottesdienst in Kloten, viele Gläubige seiner Gemeinde seien ebenfalls von schweren Krankheit geheilt worden, unter anderem von Krebs. Plötzlich donnern die Flugzeuge wieder deutlich wahrnehmbar über den Versammlungsraum.

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