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Der Bundesanwalt muss «lifere statt lafere»

Bundesanwalt Michael Lauber verteidigt sich selber. Besser wäre es, wenn er angreifen könnte.

Thomas Knellwolf
Bundesanwalt Michael Lauber sieht kein Problem in den unprotokollierten Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. (Video: SDA)

«Die Sache hat alles, um zum Fall seines Lebens zu werden», schrieben wir nach den Fifa-Razzien in Zürich über Michael Lauber. Über drei Jahre später trifft der Satz mehr zu denn je. Und mehr, als es dem Bundesanwalt lieb sein kann. Der Weltfussball-Fall ist – für ein paar Tage – zum Fall Lauber geworden.

Vorgestern lud der Bundesanwalt zum Befreiungsschlag, der teilweise gelang. An einer Medienkonferenz verteidigte Lauber seine informellen Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. Zudem musste er rechtfertigen, weshalb er Olivier Thormann, seinen obersten Fifa-Ermittler, rausgestellt hatte. Thormann hatte seinerseits eine zu grosse Nähe zum Rechtschef des Weltfussballverbands gepflegt. Dies trug ihm sogar ein Strafverfahren ein. Am Mittwochabend stellte sich dann heraus, dass dieses bereits wieder eingestellte Verfahren gegen Thormann wohl auf einer Falschinterpretation Laubers beruhte. Der Schaden ist angerichtet: Die Bundesanwaltschaft hat keinen Leiter für Wirtschaftskriminalität mehr.

Untersuchungen dauern noch zu lang

Thormann hat keinen Job mehr. Und Lauber muss sich in Selbstverteidigung üben. Viel besser wäre es, wenn er angreifen und seine Behörde Anklageschriften verfassen könnte, die vor Gericht Bestand haben. Das ist Lauber in fast sieben Jahren als Bundesanwalt zu wenig gelungen. Zwar gibt es Verurteilungen in einzelnen grossen Fällen (Behring, Schaffhauser IS-Zelle) und wertvolle Schweizer Rechtshilfe in internationalen Korruptionskomplexen (Petrobras, 1MDB). Dem stehen aber mehrere Verdikte des Bundesstrafgerichts gegenüber, in denen die Anklagebehörde schlecht wegkam – zuletzt im Tamil-Tiger-Prozess sowie bei den Freisprüchen für zwei Führer des islamistischen Zentralrats.

Auch dauern die Untersuchungen trotz intensiviertem Controlling immer noch viel zu lang. Allein aus dem globalen Fussballbusiness gibt es 25 Schweizer Strafverfahren, aber nur einen Strafbefehl und bisher keine einzige Anklage. Wenn Lauber die Wiederwahl 2019 erneut mit Bravour schaffen will, muss er auch im Fall seines Lebens liefern.

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