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Das Berner Inselspital im Dilemma

Der im Hungerstreik stehende Hanfbauer soll entgegen seinem Willen zwangsernährt werden. So hat es die Walliser Staatsrätin Waeber- Kalbermatten angeordnet. Wie reagiert das Inselspital?

Gegen eine Zwangsernährung: Rappaz vor seinem Hof im Mai 2010.
Gegen eine Zwangsernährung: Rappaz vor seinem Hof im Mai 2010.
Keystone

Der Walliser Hanfbauer Bernard Rappaz soll zwangsernährt werden. Das hat die für den Fall zuständige Walliser Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten entschieden und dem Berner Inselspital mitgeteilt.

«Ich habe am Freitagnachmittag dem Spital ein entsprechendes Fax geschickt», sagte die SP-Staatsrätin am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Gegenüber der Westschweizer Zeitung «Matin Dimanche» erklärte sie erneut, dass der Entscheid, Rappaz zwangszuernähren, von einer Anordnung des Bundesgerichts abgeleitet worden ist. Dieses habe von ihr gefordert, «dass ich nicht nur alles unternehmen müsse, um ihm das Leben zu retten, sondern dass ich auch seine körperliche Integrität bewahren muss».

Waeber-Kalbermatten wusste am Sonntag nicht, ob Rappaz bereits zwangsernährt wird. «Es ist jetzt an den Ärzten, über die notwendige Vorgehensweise zu entscheiden.» Das Berner Inselspital, wohin Rappaz am 12. Juli zwangsverlegt wurde, äussert sich nicht zum Fall. Am Sonntag teilte der Mediendienst einzig mit: «Unsere Ärzteschaft behandelt hungerstreikende Häftlinge nach den medizinisch-ethischen Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften über die Ausübung der Tätigkeit bei inhaftierten Personen.»

Rappaz: Verstoss gegen Menschenrechte

In diesen Richtlinien steht zum Thema Hungerstreik unter anderem geschrieben: «Fällt die Person im Hungerstreik in ein Koma, geht der Arzt nach seinem Gewissen und seiner Berufsethik vor, es sei denn, die betreffende Person habe ausdrückliche Anordnungen für den Fall eines Bewusstseinsverlustes hinterlegt, auch wenn diese den Tod zur Folge haben können.»

Und weiter: «Der Arzt, der mit einem Hungerstreik konfrontiert ist, wahrt gegenüber den verschiedenen Parteien eine streng neutrale Haltung und muss jedes Risiko einer Instrumentalisierung seiner medizinischen Entscheide vermeiden.»

Rappaz will nicht zwangsernährt werden

Rappaz selbst hatte am Tag seiner Verlegung nach Bern gegenüber den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» deutlich den Wunsch geäussert, nicht zwangsernährt zu werden. Diese Aussage haben die Zeitungen am vergangenen Freitag publiziert.

Aus Rappaz' Sicht kommt eine Zwangsernährung einem Verstoss gegen die Menschenrechte gleich. Und es würde auch nichts bringen: «Wenn man mich zwangsernährt, verlängert das nur die Qual. Man stirbt einfach später.» Zum Sterben sei er bereit, Angst habe er davor nicht. Rappaz war nach Bern verlegt worden, weil die Ärzte im Genfer Unispital es abgelehnt hatten, ihn zwangszuernähren.

(SDA)

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