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Bund düpiert Hotelleriesuisse

Seit 2009 bucht die Bundes­verwaltung Übernachtungen in der Schweiz über eine deutsche Plattform. Vertreter der Schweizer Hotellerie ärgern sich darüber.

Das Bundesreisezentrum organisierte via Hotel.de 2015 15 274 Logiernächte, 2698 davon in der Schweiz. (Symbolbild)
Das Bundesreisezentrum organisierte via Hotel.de 2015 15 274 Logiernächte, 2698 davon in der Schweiz. (Symbolbild)
Keystone

Schweizer Politiker und Bundesbeamte buchen ihre Hotelübernachtungen in Bern über die deutsche Firma Hotel.de. Verantwortlich dafür ist die Bundesreisezentrale (BRZ). Sie organisiert sämtliche Reiseaktivitäten der Bundesverwaltung, der offiziellen Gäste, von Politikern und gemäss Geschäfts­bericht sogar für bundesnahe Institutionen wie die ETH.

Für Thomas Allemann, Geschäftsleitungsmitglied des Branchenverbands Hotelleriesuisse, ist es «unschön», dass hier kein Schweizer Unternehmen zum Zug kommt. Auch Thomas Kübli, Direktor der Berner Hotels Ambassador und City, stört sich daran. Vor allem, weil eine Schweizer Alternative existieren würde: das STC – Switzerland Travel Centre, eine gemeinsame Tochter von Hotelleriesuisse, Schweiz Tourismus und der SBB. Derzeit fristet es ein Mauerblümchendasein. Nur gerade ein Prozent der in der Schweiz getätigten Onlinebuchungen läuft über diese Plattform.

Mehr Frequenz wäre da willkommen. Tatsächlich bemühte sich die Plattform auch schon um den Bundesauftrag. Doch der Bescheid war abschlägig. Auf Anfrage begründet das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), dem das Bundesreisezentrum angegliedert ist, dieser Zeitung die Gründe: Nur gerade 18 Prozent der Buchungen, die das Bundesreisezentrum organisiere, würden im Inland getätigt, der Rest falle im Ausland an. Die Plattform Switzerland Travel Centre sei hingegen vorwiegend auf Hotels in der Schweiz spezialisiert. Darum sei eine Reservationsplattform für Hotels notwendig, die Hotels weltweit offerieren könne.

15'274 Logiernächte via Hotel.de

Das Bundesreisezentrum organisierte via Hotel.de 2015 15'274 Logiernächte, 2698 davon in der Schweiz. Die Zahlen für 2016 liegen laut EDA noch nicht vor. Zumindest für die Hauptstadt Bern sind diese Logiernächte wichtig: «Die Bundesreisezentrale ist für uns in Bern eine der grössten Kundinnen», betont Kübli.

Hotelleriesuisse hält die Argumentation des EDA für vorgeschoben. Technisch wäre die Aufteilung von Buchungen im Ausland und im Inland auf zwei Anbieter durchaus möglich, sagt Geschäftsleitungsmitglied Allemann. Angesichts der po­litisch immer wieder vorgebrachten Forderung nach einer nationalen Plattform fände er dies auch angezeigt.

Hotel.de gehört seit 2011 zur Onlineplattform Hotel Reservation Service (HRS), die sich auf Geschäftskunden spezialisiert hat. Die deutsche HRS verliert seit Jahren an Terrain in der Schweiz und liegt mit 7,8 Prozent hinter der sich in amerikanischen Händen befindenden Nummer 1 Booking.com mit über 73 und der ebenfalls amerikanischen Nummer 2 Expedia mit fast 12 Prozent Markt­­anteil bei den Onlinebuchungen. Immerhin verrechnet Hotel.de den Hoteliers offenbar bei Buchungen via BRZ keine Kommissionen. Weder HRS noch das EDA machen dazu ­jedoch auf Anfrage nähere Angaben.

Nebst Übernachtungen bucht die BRZ auch Mietautos oder Flüge. Bei Letzteren wurde die Airline Swiss gemäss Geschäftsbericht 2015 bei 33 Prozent aller Flüge berücksichtigt.

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