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Auf die Kantone warten turbulente Zeiten

Die privilegierte Besteuerung von Firmen ist für einige Kantone eine wichtige Einnahmequelle. Zurzeit sind sie im Vergleich zum Ausland noch immer konkurrenzfähig, so eine Studie. Nur wie lange noch?

Beliebter Sitz für internationale Firmen: Die Grafenau in Zug. (Archivbild)
Beliebter Sitz für internationale Firmen: Die Grafenau in Zug. (Archivbild)
Keystone

Der Druck der EU auf die Schweiz betrifft nicht nur ausländische Bankkunden und deren Kontodaten. Auch um die Unternehmensbesteuerung kommt es nach Ansicht von KPMG Schweiz in den nächsten Jahren zum Kräftemessen. Die Kantone müssten sich vorbereiten.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen sieht vor allem die privilegierte Besteuerung von Firmen, die für einige Kantone eine wichtige Einnahmequelle darstellt, vor ernsten Turbulenzen. Sie ist Brüssel seit längerem ein Dorn im Auge. Sie widersprechen den steuerpolitischen Programmen der EU («Code of Conduct»).

Ersatzlösungen für die Steuerprivilegien

Die Finanzdirektoren der Schweizer Kantone werden sich am Freitag zur Unternehmensbesteuerung äussern. Würden alle Kantone die Steuern um ein Prozent senken, entgingen den Staatskassen laut KPMG im Jahr 5 Milliarden Franken. Die Übernahme von EU-Bestimmungen brächte weniger Steuerausfälle, wäre aber politisch aber nur schwer durchsetzbar.

Laut KPMG-Steuerexperte Jörg Walker muss die Schweiz über Ersatzlösungen für die Steuerprivilegien nachdenken. Eine Änderung habe einen starken Einfluss auf die Budgets, wenn man bedenke, dass ein Kanton wie Genf mit 50 Unternehmen 80 Prozent seiner Unternehmenssteuereinnahmen erziele.

Konkurrenzfähige Steuern

Festhalten am Status Quo und eine Verteidigungsstellung gegenüber dem Ausland sind laut Walker kaum eine Option: «Wir haben als Schweizer - in einer international verknüpften Wirtschaft - nicht die Kraft eine solche Haltung», sagte er. Zudem würden die ausländischen Unternehmen auch darauf achten, ob sich die Schweiz isoliere.

Die Schweiz ist laut dem am Mittwoch vorgestellten KPMG Swiss Tax Report mit einem durchschnittlichen Gewinnsteuersatz für Unternehmen von 18,1 Prozent in Europa und auf der Welt nach wie vor konkurrenzfähig. Der Trend zu Steuersenkungen - 2005 hatte der Satz im Schnitt noch knapp 22 Prozent betragen - ist laut KPMG vorbei.

Der Spardruck der Kantone mache sich bemerkbar. Auch bei den tiefen Gewinnsteuersätzen, wie sie am stärksten in der Zentralschweiz üblich sind, dürfte laut Experte Walker die Schwelle von unter 12 Prozent nicht mehr unterschritten werden.

Irland und Singapur

Die Kantone müssten den Steuerwettbewerb mit dem Ausland nach wie vor ernst nehmen. Irland beispielsweise mit einer Gewinnsteuer von 12,5 Prozent biete einige mit der Schweiz vergleichbare Rahmenbedingungen. Luxemburg stehe wegen zahlreichen Sonderregelungen auch nicht mit seinem offiziellen Gewinnsteuersatz von 28 Prozent im Wettbewerb.

Ein echter Konkurrent der Schweiz ausserhalb Europas ist Singapur. Dort gibt man den Steuersatz mit 17 Prozent an, in Wahrheit ist er aber tiefer. Es gebe heute in der Schweiz schon Unternehmen, vor allem solche im Handel, die den fernöstlichen Stadtstaat «testen» würden, sagte KPMG-Experte Peter Uebelhart.

Man solle die Mobilität der Unternehmen nicht über- aber auch nicht unterschätzen. Lust zum Wegzug würden die Firmen eventuell verspüren, wenn Steuersätze um mehr als 2 Prozentpunkte gesteigert werden könnten.

SDA/kpn

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