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«Am schlimmsten trifft die Corona-Krise die Gastrobranche»

Gewerkschaftssekretär Daniel Lampart warnt: Wegen Corona werden bereits Leute entlassen. Der Staat müsse nun die Löhne garantieren.

Daniel Lampart, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds. Foto: Dominik Plüss
Daniel Lampart, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds. Foto: Dominik Plüss

Herr Lampart, wie hart trifft die Corona-Krise die Angestellten im Land? Die Situation könnte vor allem für Menschen mit kleinem Einkommen dramatisch werden. Bund und Kantone sind darauf im Moment ungenügend vorbereitet.

Was lässt Sie so schwarzsehen?In unseren Nachbarländern werden bereits Schulen geschlossen. Wir müssen damit rechnen, dass das in der Schweiz auch geschehen wird. Dann werden häufig die Eltern zu Hause bleiben müssen, um auf die Kinder aufzupassen. Wie stellen wir sicher, dass diese Menschen dann weiterhin Lohn erhalten? Die Firmen können es vielleicht nicht mehr, wenn sie keine Einnahmen erzielen.

Es werden ja Massnahmen getroffen, etwa für Kurzarbeit.Mit Kurzarbeit kann man die Löhne und Arbeitsplätze in vielen Fällen sichern. Doch für eine Situation, wie ich sie eben schilderte, ist Kurzarbeit nicht geschaffen. Der Bund und die Kantone müssen aber auch dann garantieren, dass die Löhne weiterbezahlt werden.

«Ich hatte mit Leuten Kontakt, die sich so sehr vor Ansteckung fürchten, dass sie sich überlegen zu streiken. So einfach geht das aber nicht.»

Sie reden da von Dutzenden Milliarden Franken, wenn nicht noch mehr.Eine weitreichende Garantie des Staates wird generell das Vertrauen stärken und das Funktionieren der Wirtschaft auch in der Krisenzeit erleichtern. Je mehr der Staat absichert, desto weniger wird der Fall eintreten, dass er tatsächlich zahlen muss. Dazu kommt: Der Staat ist in der Verantwortung, weil er die Epidemie-Massnahmen erlässt.

Es gibt doch auch andere Wege – vermehrtes Homeoffice zum Beispiel. Homeoffice funktioniert meist für Leute mit gut bezahltem Bürojob. Für eine Coiffeuse oder eine Angestellte im Detailhandel funktioniert es nicht.

Gab es bereits Entlassungen wegen Corona?Ja. Bei mir kommen laufend neue Meldungen rein. Am schlimmsten ist es in der Gastrobranche. Ich weiss von mehreren Hotels, die ihre Stundenlöhner entlassen haben. Das ist ja das Perfide: Es trifft ausgerechnet Menschen, die sowieso in schwierigen Verhältnissen leben.

Eine neue Stelle zu finden, ist für diese Menschen momentan wohl nicht eben einfach…Es ist praktisch unmöglich. Wer rausfliegt, ist draussen. Im Moment werden reihenweise Vorstellungsgespräche abgesagt. Viele Firmen haben einen Einstellungsstopp erlassen. Ich habe so etwas noch nie erlebt.

Wie nehmen Sie die Stimmung bei den Angestellten im Tessin wahr, wo derzeit die stärksten Einschränkungen gelten?Es gibt alles – von Gelassenheit bis zur Panik. Ich hatte mit Leuten Kontakt, die sich so sehr vor Ansteckung fürchten, dass sie sich überlegen zu streiken. So einfach geht das aber nicht.

Müsste der Bund ein Konjunkturprogramm lancieren?Entscheidend ist zunächst, dass die Löhne sichergestellt sind. Für die Berufstätigen, die auf ihre Löhne angewiesen sind. Aber auch für die Konjunktur. Denn sonst droht eine schwere Rezession. Mit der Kurzarbeit kann der Bund einen Teil der Lohnkosten bei Firmen mit Einnahmeausfällen übernehmen. Für die Situationen, wo die Kurzarbeit nicht greift, muss der Bund zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen. Ein Konjunkturprogramm ist die dritte Stufe der Krisenbewältigung. Damit die Löhne und die Arbeitsplätze gesichert sind. Und damit die Bevölkerung möglichst gesund bleibt.

Wie beurteilen Sie die bisherige Leistung von Wirtschaftsminister Guy Parmelin und seiner Entourage in der Krise?Ihre Frage kommt zu früh. Unsere Beurteilung wird stark davon abhängen, was der Bundesrat an seiner Sitzung vom Freitag beschliessen wird.

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