Zum Hauptinhalt springen

1,5 Tonnen Heroin verschoben

Vor Bundesstrafgericht hat der Prozess in einem der grössten Fälle von organisierter Kriminalität der Schweiz begonnen.

Die Verhandlung gegen einen 69-jährigen Vater und zwei seiner Söhne fand in einem streng bewachten Gerichtssaal statt. Laut Anklage war der Familienclan ab Mitte der 1990-er Jahre einer der wichtigsten Versorger des westeuropäischen Marktes mit Heroin. Die Verteidigung bestritt zu Beginn des Prozesses, dass die Schweizer Strafbehörden für im Ausland begangene Straftaten zuständig sind. Und sie focht die Zulässigkeit von Zeugenaussagen, Telefonabhörungen und Beweismitteln an.

Das fünfköpfige Richtergremium folgte aber der Argumentation von Edmond Ottinger, Staatsanwalt des Bundes, und lehnte alle acht Einsprüche ab. Ottinger hatte unter anderem darauf verwiesen, dass die Übernahme des Verfahrens von Italien korrekt gewesen sei. Die beiden Söhne erklärten sich daraufhin für unschuldig. Der Vater verwies darauf, dass er seit Jahren unbescholten in Deutschland lebe.

Der Hauptangeklagte verwehrt weitere Aussagen

Hauptangeklagter im Prozess ist der Ältere der Söhne. Er will sich im Verfahren nicht mehr äussern. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 42-jährigen Autohändler vor, für den Vertrieb des Heroins auf dem europäischen Markt zuständig gewesen zu sein. Er wird der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation, Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz, der Finanzierung des Drogenhandels sowie der Geldwäscherei angeklagt. Der zweite Sohn, ein 28-jähriger Autowäscher, war für die Logistik zuständig. Dem 69-jährigen Vater wird die Unterstützung einer kriminellen Organisation vorgeworfen, weil er den telefonischen Kontakt zwischen den Mitgliedern des Clans aufrechterhalten habe.

Hauptsitz der Drogenhandelsorganisation war der Ort Ferizaj im Kosovo. Der Hauptangeklagte sowie ein weiterer bereits verurteilter Bruder beschafften sich die Drogen in der Türkei. Der Clan verfügte aber auch über Niederlassungen in Mazedonien, Albanien, Tschechien und Spanien. Dem Drogenclan gehörte eine ganze Reihe Helfer an, darunter auch Grossisten in verschiedenen Ländern.

Im Rahmen von 30 Polizeiaktionen im Kosovo, in Italien, Österreich, der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Ungarn und Slowenien wurden insgesamt 970 Kilogramm Heroin beschlagnahmt. Im März 1997 wurde in Luzern einer der vier Brüder des Clans verhaftet. Das Obergericht Luzern verurteilte ihn 1999 zu sieben Jahren Zuchthaus, ihm gelang aber im März 2000 die Flucht. Sieben Jahre später wurde er im Kosovo erneut verhaftet, wo er nun auf seine Auslieferung wartet. Ein weiterer Bruder wurde 2005 in Pristina zu einer 18-jährigen Zuchthausstrafe verurteilt, nachdem er in der Schweiz aus der Untersuchungshaft entkommen war.

In der Schweiz insgesamt 102,7 Kilogramm Heroin beschlagnahmt

Bei weiteren Polizeiaktionen wurden in den Kantonen Luzern, Freiburg, Genf und Waadt insgesamt 102,7 Kilogramm Heroin sichergestellt. In Luzern, Bern und Waadt hatte der Drogenclan wichtige logistische Stützpunkte. Die Urteilseröffnung ist auf den kommenden 30. Oktober angesetzt.

AP/mbr

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch