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Mit einer Million in bar über die Grenze

Seit dem Steuerstreit hat der Bargeldschmuggel von der Schweiz nach Deutschland massiv zugenommen. Wer erwischt wird, muss mit happigen Bussen rechnen – und wird oft wegen Steuerhinterziehung belangt.

Kann ganz schön teuer werden: Beschlagnahmtes Bargeld.
Kann ganz schön teuer werden: Beschlagnahmtes Bargeld.

Meistens sind es einige Zehntausend Euro, gelegentlich auch sechsstellige Beträge – in bar, oft im Gepäck von Personen, die die 50 überschritten haben. Täglich wird versucht, Geld über die Grenze von der Schweiz nach Deutschland zu schmuggeln – dies ergeben die neuesten Zahlen der drei deutschen Hauptzollämter Lörrach, Singen und Ulm, welche für die Grenze zur Schweiz zuständig sind. Wie der «Landbote» in seiner heutigen Ausgabe berichtet, wurde in ihrem Gebiet vergangenes Jahr versucht, Bargeld im Wert von 20 Millionen Euro über die Grenze nach Deutschland zu bringen. Dies ist ungefähr gleich viel, wie 2011, aber deutlich mehr als noch 2008, vor dem Steuerstreit mit Deutschland. Und dies, obschon die Behörden ihre Kontrollen nicht intensiviert haben.

Acht Millionen pro Jahr

Während in die Schweiz unbegrenzt Bargeld eingeführt werden darf, muss unaufgefordert deklarieren, wer mehr als 10'000 Euro nach Deutschland bringen will. Wird diese Meldepflicht verletzt, drohen saftige Bussen. Zwischen 5 und 25 Prozent der Schmuggelsumme dürfen die Fahnder fordern – je nachdem, ob die Schmuggler einen Beamten bewusst täuschen wollen. Seit 2008 hat sich die Zahl der Bussen wegen Bargeldschmuggels landesweit vervierfacht, die Bussgelder stiegen von 1,2 auf 8 Millionen pro Jahr – ohne dass die Zollämter ihre Kontrollen intensiviert hätten. Das meiste Geld wird an der Grenze zu Deutschland sichergestellt.

Dennoch geht man davon aus, dass die Beamten nur einen Bruchteil des geschmuggelten Geldes entdecken. Wie Drogen wird das Geld in Verstecken geschmuggelt – in Koffern mit doppelten Böden, in als Geschenke getarnten Päckchen. Manchmal werden auch Reisechecks oder Goldmünzen mitgeführt. Die Zöllner kontrollieren an den Grenzen, aber auch im Hinterland, auf Haupt- und Nebenstrassen oder im Zug, zum Beispiel auf der «Schwarzgeldexpress» genannten Linie zwischen Zürich und München. Dabei kommen zum Teil speziell abgerichtete Bargeldspürhunde zum Zug, die nur bei Euronoten angeben. Der grösste Fall im vergangenen Jahr betraf eine ältere Dame, die im Gebiet Lörrach rund eine Million über die Grenze schmuggeln wollte, berichtet der «Landbote». Ihre Busse betrug 212'000 Euro.

Meldungen an Steuerämter

Schlimmer als die Bussen sind für die Bargeldschmuggler jedoch die Meldungen ans Steueramt, wenn es deutsche Staatsangehörige betrifft. Die Zusammenarbeit zwischen Zoll und deutschen Steuerbehörden wird nämlich seit einigen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Anders als früher werden heute Hinweise nicht mehr nur bei Verdacht auf Terrorismus und Geldwäscherei weitergeleitet, sondern auch, wenn Steuerdelikte vorliegen könnten. Dabei handelt es sich nicht nur um Bargeld, sondern auch um Kontoauszüge oder Dokumente, die Hinweise auf ein Auslandskonto geben.

Im Jahr 2012 machte das Zollamt Singen 1881 Meldungen an Finanzämter. Diese führten zu Steuernachforderungen im fünf-, sechs- oder siebenstelligen Bereich. Weil der Austausch so schnell vonstattengeht, bleibt den Steuersündern meist kaum mehr Zeit, sich selber anzuzeigen und so der Strafe wegen Steuerhinterziehung zu entgehen. Das Zollamt Ulm etwa leitete vergangenes Jahr 118 Meldungen nach Deutschland, die Hinweise auf Vermögen in der Schweiz in der Höhe von 1,3 Milliarden enthielten.

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