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Leuenberger holte keine Referenzen ein

Bei der Wahl von Post-Präsident Claude Béglé vertraute Bundesrat Moritz Leuenberger ganz auf die Arbeit der Headhunterin Doris Aebi. Das Departement holte keine Referenzen ein. Doch diese wären aufschlussreich gewesen.

Damals gab es noch Grund zur Freude: Bundesrat Moritz Leuenberger bei der Vorstellung von Claude Béglé (r.) im Juni 2008.
Damals gab es noch Grund zur Freude: Bundesrat Moritz Leuenberger bei der Vorstellung von Claude Béglé (r.) im Juni 2008.
Keystone

Die Headhunterin Doris Aebi wollte am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung nicht bestätigen, dass sie es war, die Claude Béglé als neuen Post-Präsidenten vermittelt hat. Nun hat sie ihre Taktik geändert: Gegenüber der «NZZ am Sonntag» sprach sie erstmals über diesen Auftrag. Die ehemalige Solothurner SP-Kantonsrätin und Regierungsratskandidatin legt dabei Wert auf die Feststellung, dass sie den Auftrag nicht auf Grund ihrer SP-Vergangenheit erhalten habe: «Ich hatte vor der Auftragserteilung nie einen persönlichen Kontakt mit Bundesrat Leuenberger und seither ausschliesslich im Rahmen der Mandatsbearbeitung.»

Sie betont weiter, dass insgesamt über 30 Personen für diesen Posten evaluiert worden seinen. Ausserdem wehrt sie sich gegen den Vorwurf, dass Béglé ein schlechter Ruf vorausgeeilt sei: «Sonst wäre seine Wahl im Juni 2008 in den Medien kaum so gut aufgenommen worden.»

Böse Worte des Exchefs

Gegenüber der «SonntagsZeitung» stellte jedoch sein letzter Chef dem Post-Präsidenten ein schlechtes Zeugnis aus. Peter Kruse war bei Béglés letzter Arbeitgeberin – der Deutschen Post – sein direkter Vorgesetzter. Er sagt: «Aus eigener Erfahrung zweifle ich an der Loyalität von Herrn Béglé.» Als Béglé von der französischen Post zur Deutschen Post gestossen war, soll er Gefolgsleuten aus Frankreich gesagt haben, er könne ihnen lukrative Jobs verschaffen, sobald er seinen Chef Kruse losgeworden sei. Wie Kruse weiter betont, wurde Béglé im Frühjahr 2007 die Linienverantwortung bei der Deutschen Post entzogen. «Er wurde stattdessen mit der Organisation einer Ausstellung in China betraut», so Kruse.

Die Frage der Referenzen

Angesichts solcher Aussagen stellt sich die Frage, welche Informationen über Béglé erhoben wurden: Wie der Deutsche-Post-Manager Kruse betont, habe das Departement Leuenberger bei ihm keine Referenzen eingeholt. Diese Aufgabe wurde von Doris Aebi wahrgenommen: «Die Referenzauskünfte habe ich in Form von vorstrukturierten Fragen eingezogen und die Entscheidungsträger schriftlich und detailliert informiert», sagte sie der «NZZ am Sonntag».

Das ganze Auswahlverfahren stand von Anfang an unter einem unglücklichen Stern: Ursprünglich wollte Bundesrat Moritz Leuenberger den damaligen Post-Chef Ulrich Gygi zum Post-Präsidenten befördern. Doch er blitzte in Sondierungsgesprächen bei seinen Bundesratskollegen ab, wie die Zeitung «Sonntag» schreibt. Gygi wurde schliesslich mit dem SBB-Präsidium bedacht, während Leuenberger Doris Aebi mit der Suche nach einem Nachfolger für den abtretenden Anton Menth beauftragte.

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