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Kritik am doppelten Bucher

Der neue Post-Konzernchef Jürg Bucher will im Doppelmandat auch die Postfinance weiterführen. Aus politischen Gründen sei er aber gut damit beraten, bei der Postfinance rasch einen separaten Chef einzusetzen, sagen Experten.

Konzernchef und Leiter der Postfinance: Das Doppelamt von Jürg Bucher ist umstritten.
Konzernchef und Leiter der Postfinance: Das Doppelamt von Jürg Bucher ist umstritten.
Sigi Tischler, Keystone

Im Verwaltungsrat der Schweizerischen Post ist wegen der Alleingänge von Präsident Claude Béglé Feuer im Dach. Das ist aber längst nicht alles: Auch auf operativer Ebene stellen sich dem gelben Riesen etliche Probleme. Eines davon ist das Doppelamt des neuen Konzernchefs Jürg Bucher, der daneben auch weiterhin die Postfinance leiten will.

Beobachter sind sich zwar einig: Bucher ist kompetent und kann postintern auf breite Unterstützung zählen. Deshalb sei er in der jetzigen Situation der richtige Mann für den Posten des Post-Konzernchefs. «Die Post braucht Stabilität und Ruhe – beides garantiert Bucher», sagt der Berner Headhunter Peter Meister.

Dennoch mehren sich die kritischen Stimmen – auch innerhalb des Postfinance-Kaders–, die sagen, ein Finanzinstitut von der Grösse der Postfinance, das rund 70 Milliarden Franken verwalte, brauche einen eigenen Chef. Zudem solle sich Bucher darauf konzentrieren, die Post im aktuell schwierigen Umfeld in die Zukunft zu führen.

Kein rechtliches Hindernis

«Aus unternehmerischer Sicht ist nichts gegen ein solches Doppelmandat einzuwenden», sagt Meister. Zudem traue er Bucher durchaus zu, dass er beide Jobs bewältigen könne. Gleicher Meinung ist Professor Artur Baldauf, Leiter des Instituts für Marketing und Management der Universität Bern: «Es bestehen keine rechtlichen Hindernisse.»

Meister und Baldauf sind sich aber einig: Auch wenn Bucher von seiner Kompetenz her beide Mandate ausüben könnte, so sollte er es trotzdem nicht tun. «Die Post ist ein Staatsbetrieb, da braucht es politisches Feingefühl», sagt Headhunter Meister. «Deshalb wäre Jürg Bucher gut beraten, wenn er baldmöglichst für die Postfinance einen separaten Chef einsetzt.» Und Uniprofessor Baldauf ergänzt: «Ein solches Doppelmandat bietet in der Öffentlichkeit Angriffsflächen.»

Meister vermutet, dass Bucher erst einmal die Gesamterneuerungswahlen im Post-Verwaltungsrat abwartet und dann womöglich einen neuen Postfinance-Chef ins Spiel bringt.

Buchers Ambitionen

Hört man sich in der Postfinance um, tönt es anders. Gut unterrichtete Quellen aus dem Umfeld der Geschäftsleitung sind überzeugt, dass Bucher explizit beide Mandate behalten und «um keinen Preis» den CEO-Posten bei der Postfinance abgeben will. Bucher betone zwar immer wieder, wie stark die Geschäftsleitung der Postfinance sei. «Gleichzeitig traut er es aber niemandem zu, seine Nachfolge zu übernehmen», sagt ein Insider.

Intern werden als Bucher-Nachfolger am ehesten der heutige Stellvertreter Armin Brun und Postfinance-Finanzchef Hansruedi Köng gehandelt.

Der 62-jährige Jürg Bucher, der altershalber höchstens für drei Jahre Konzernchef der Post bleiben darf, halte auch deshalb an seinem Mandat als Postfinance-Chef fest, «um sich so den Posten als erstem Verwaltungsratspräsidenten von Postfinance zu sichern». Postfinance wird – sofern das Postgesetz in der aktuellen Fassung verabschiedet wird – in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, weshalb es auch einen Verwaltungsrat mit Präsident braucht.

Bucher: «Ich kann das»

Bucher ist überzeugt, dass er fähig ist, beide Mandate gleichzeitig auszuüben. «Ich kann das», sagte er am Tag nach seiner Ernennung zum Post-Konzernchef. Um Arbeiten und Aufgaben zu delegieren, will Bucher jedoch einen starken Stellvertreter in der Post-Geschäftsleitung einsetzen.

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