Zum Hauptinhalt springen

Entsorgung der BatterienDie Schattenseiten des E-Bike-Booms

E-Bikes sind in – auch dank Corona. Die Entsorgung der Batterien für diese Velos ist aber aufwendig, ökologisch nicht unbedenklich. Und manchmal sogar brandgefährlich.

Schnell und unkompliziert unterwegs mit dem Elektrovelo. Der Recyclingprozess der Batterien ist aber ziemlich kompliziert.
Schnell und unkompliziert unterwegs mit dem Elektrovelo. Der Recyclingprozess der Batterien ist aber ziemlich kompliziert.
Foto: Urs Jaudas

Die meisten Fitnesscenter geschlossen, Sportaktivitäten in der Gruppe massiv eingeschränkt und geselliges Zusammensein sowieso kaum mehr möglich. Das war während etlichen Monaten des vergangenen Jahres bittere Realität. Was tun, wenn es einen trotzdem nach draussen drängt, der Körper nach Bewegung ruft? Ab aufs Velo, haben sich viele Schweizerinnen und Schweizer gesagt. Und wenn schon Corona aufs Gemüt schlägt, dann darf man sich bei diesem Hobby auch etwas gönnen, zum Beispiel eines dieser neuen, schnittigen E-Bikes. Das schlägt sich nun in der Statistik nieder.

Bereits im Sommer hat die Schweizer Fachstelle für Velo und E-Bike prognostiziert, dass bei den elektrisch betriebenen Zweirädern ein Zuwachs von bis zu 25 Prozent zu erwarten sei. Die definitiven Zahlen lägen zwar noch nicht vor, Martin Platter von der Fachstelle bestätigt aber diese Dimension. Das wären dann etwas über 165000 neu in den Verkehr gebrachte E-Bikes im vergangenen Jahr. Damit ist fast jedes dritte verkaufte Velo heutzutage ein solches Gefährt. Platter geht davon aus, dass es bald die Hälfte sein wird. Insgesamt rollen inzwischen weit über eine halbe Million E-Bikes durch die Schweiz.

Tiefer Rücklauf der Batterien

Nun beginnt sich dieser Boom auch auf das Recycling des kostbarsten, aber auch problematischsten Bestandteils der E-Bikes niederzuschlagen: der Batterien. «Im Jahr 2019 haben wir 35 Tonnen E-Bike-Akkus zurückgenommen, im Jahr 2020 waren es bereits 41 Tonnen», sagt Dieter Offenthaler. Er ist Geschäftsführer von Batrec, die als einzige Firma in der Schweiz Batterien im grossen Stil wiederaufbereitet, darunter auch jene von E-Bikes. Noch ist der Rücklauf der E-Bike-Batterien relativ tief, weil erst langsam die erste Generation von E-Bikes ausrangiert wird (E-Bike-Batterien haben bei normalem Gebrauch eine Lebenszeit von sechs bis sieben Jahren). Nationalrätin Aline Trede (Grüne) zeigt sich besorgt über die derzeit noch tiefe Rücklaufquote von 15 bis 20 Prozent. Sie fordert deshalb den Bundesrat in einem parlamentarischen Vorstoss auf, eine Erhöhung der Wiederverwertungsquote anzupeilen.

«Beim Lithium fallen zu geringe Mengen an, um das Recycling rentabel zu machen.»

Dieter Offenthaler, Recyclingfirma Batec

Gleichzeitig wächst auch der Anteil von ausgedienten Batterien aus E-Autos oder E-Scootern. Inzwischen mache der Anteil an Lithiumbatterien im angelieferten Mix über 13 Prozent aus, so Offenthaler. Damit rückt zunehmend auch in den Fokus, wie umfassend und umweltgerecht diese Batterien rezykliert werden. Aus den Lithium-Ionen-Akkus werden in einem aufwendigen Verfahren Kupfer, Aluminium, Stahl, Nickel und Kobalt gewonnen. Dies ergibt laut Offenthaler einen maximalen Wert von etwas über sieben Franken für einen zwei Kilo schweren Akku. Aber wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Mangan oder Grafit werden nicht rezykliert. Beim Lithium zum Beispiel würden schlicht zu geringe Mengen anfallen, um das Recycling rentabel zu machen, betont Offenthaler.

Der Schmelzofen der Batterie-Recycling-Firma Batrec in Wimmis, Thun: Hier werden Batterien im grossen Stil wiederaufbereitet, darunter auch jene von E-Bikes.
Der Schmelzofen der Batterie-Recycling-Firma Batrec in Wimmis, Thun: Hier werden Batterien im grossen Stil wiederaufbereitet, darunter auch jene von E-Bikes.
Foto: Valérie Chételat

Keine Recycling-Ziele geplant

«Weil sich die Wirtschaft jeweils am günstigsten Preis ausrichtet, braucht es vermehrt Anreize und staatliche Regulierungen, um Recycling und technische Innovation zu fördern», sagt Marcel Gauch von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Diese Forderung stellte er im Rahmen der letzten Sommer publizierten Studie «Die Batterie Knackpunkt der Elektromobilität» auf, publiziert von VCS, Fastenopfer und Brot für alle.

Doch der Bund will nicht aktiver werden und stärker regulieren. Es seien zurzeit keine neuen Recycling-Ziele und keine neuen Vorschriften für das Batterierecycling geplant, sagt Isabel Junker, Chefin der Sektion Siedlungsabfälle beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). Das Recycling erreiche vergleichbare oder höhere Quoten als die EU, die solche Ziele kenne. Die Verbraucher in der Schweiz seien aber verpflichtet, Batterien umweltgerecht zu entsorgen, und die Händler, Batterien zurückzunehmen. Zumindest ein bisschen sensibilisieren will das Bafu: Die Organisation Inobat, die im Auftrag des Bundes für das Batterie-Recycling verantwortlich ist, plant dieses Jahr speziell die E-Bikehändler und Autohändler auf die Problematik anzusprechen.

293 Kommentare
    D. Eugster

    das hindert die e-mobilitäts-Befürworter aber nicht daran, die Umweltprobleme der Akkus zu bagatellisieren und schönzureden. Erst gestern konnte man im Kassensturz schöne Grafiken bewundern, da gings um die Klimabilanz von e-Autos vs. Hybrid- und reine Verbrenner-Autos. Dass die Kurve der e-Autos geschönt war, sah man am linearen Verlauf über 200'000 km, ohne einen Knick beim obligaten Ersatz des Akkus nach ca. 6 Jahren. (siehe online Vergleichsrechner auf der TCS-Website). Auch wenn die Daten vom PSI stammen, sind die Ungereimtheiten auffällig. Die Frage nach der Rentabilität eines Akku - Ersatzes wird dabei noch nicht mal berücksichtigt. Ein Akku-Ersatz wird so teuer sein, dass die Fahrzeuge vor Erreichen der 200'000 km vorzeitig verschrottet werden. (dazu gibts Berichte in Deutschland). Ein Neukauf schlägt dann wieder auf der Negativ-Seite zu Buche. Dieser TCS-Online Rechner ist deshalb eher im Bereich Wunschdenken, Propaganda und Werbeaktion zu sehen.