Kinderland, Grossmutter-Piste und eine brandschwarze Abfahrt

Das Skigebiet Sörenberg entpuppt sich als ideal für alle Generationen – und für Wagemutige

Übungsplatz für Nachwuchstalente und Anfänger: An den sanften Hängen ob Sörenberg ist das Ski-Debut kinderleicht. Foto: David Kurth

Übungsplatz für Nachwuchstalente und Anfänger: An den sanften Hängen ob Sörenberg ist das Ski-Debut kinderleicht. Foto: David Kurth

Noch steckt der Luzerner Ferienort im Morgen­nebel, aber auf der Sesselbahn ab Sörenberg Platz durchstösst man die Wolken und staunt über das weite Skigebiet. Nach ersten Schwüngen lockt das Brienzer Rothorn.

Wo ist die Piste, fragt man sich beim Blick aus der Luftseilbahn. Links fallen die Felsen fast senkrecht ab, und die schmale Rinne rechts der Bahn scheint zum Skifahren viel zu steil. In der Kabine fällt auf, wie verbunden die Gäste mit ihrer Region sind: Über die Hälfte hält Stöckli-Latten im Arm – der Hauptsitz der Firma befindet sich im nahen Malters. Nach acht Minuten Bergfahrt ist der Gang zur Terrasse des Restaurants ein Muss –hier bietet sich ein umwerfendes Panorama: Gleich vor der Nase stehen die Eisriesen Eiger, Mönch und Jungfrau, und in der Tiefe glitzert der Brienzersee.

Nach dem Tunnel erwartet die Skifahrer Aussergewöhnliches

Dieses Panorama bleibt nicht allein Skifahrern vorbehalten, die Rothornbahn ist auf vorbildliche Weise günstig für Fussgänger: Das Retourbillett kostet tagsüber 10 Franken. Viele fahren schnell mal hoch zu Kaffee und Kuchen. Aber wo startet die Abfahrt? Es bleibt nichts anderes übrig, als die Ski zu schultern und den Berg durch einen mit Gummimatten ausgelegten Tunnel zu queren. «Gehen wir nun Ski fahren oder wandern?», witzeln Jugendliche, die in einer Clique unterwegs sind.

Man kann sich gut orientieren, und die Abfahrten sind bestens ausgeschildert. Foto: Beat Brechbühl

Ungewohnt ist diese Passage tatsächlich, doch die Wintersportler murren nicht, sondern zeigen sich neugierig. Alle spüren, dass sie Aussergewöhnliches erwartet. Unvermittelt tritt man ins gleissende Licht, erblickt ein Nebelmeer und steht vor dem Einstieg zu tollen Pisten in alpiner Umgebung. Alle führen zum Berghaus Eisee hinunter. Hier sitzen die Leute draussen und blinzeln in die Sonne. Nur ein kurzer Zwischenhalt – der Tag hat ja erst begonnen. Doch der Zwischenhalt weitet sich zum längeren Intermezzo aus.

Nach der Pause bleiben die Ski unauffindbar. Stattdessen warten etwas grössere der gleichen Marke mit andersfarbigen Stöcken. Nach der Meldung des Missgeschicks geht der Skitag weiter, in einer fremden Bindung, zum Glück passen die Skischuhe. Die Talabfahrt hat es in sich. In manchen Skigebieten entpuppen sich schwarze ­Abfahrten ja öfter als hellgrau – jene am Brienzer Rothorn ist definitiv brandschwarz oder «der Hammer», wie es ein begeisterter Fahrer ausdrückt.

Über sehr steile, im Schatten liegende harte Nordhänge führt die Piste hinunter nach Schönenboden – und mit jedem Höhenmeter, den man hinter sich lässt, brennen die Schenkelmuskeln stärker. Kaum bei der Talstation angekommen, läutet das Smartphone: Die Person, die mit fremden Ski unterwegs ist, hat den Irrtum auch bemerkt – und eine halbe Stunde später befinden sich die Latten wieder bei den jeweiligen Eigentümern.

Stolz über die Leistung am Rothorn, freut man sich auf die sanften Hänge nebenan im Skigebiet von Sörenberg. Hier ist das Erlebnis tatsächlich ganz anders. Völlig entspannt gleitet der Wintersportler langsam über Hügel und Weiden, durch Wälder und offenes Gelände. Einige Verbindungswege zwischen den Pisten sind so flach, dass man sich beim Hochsteigen auf ein paar Metern aufwärmen kann. Von nicht weniger als fünf Talstationen aus führen Lifte ins Skigebiet – die verschiedenen Zugänge verhindern Staus. Man kann sich gut orientieren, und die Abfahrten sind bestens ausgeschildert.

Ein Vorteil Sörenbergs: Man empfindet den Wintersport nicht als gefährlich, die Pisten sind übersichtlich, und die Stimmung ist ausgesprochen friedlich. Foto: Beat Brechbühl

Auf den hervorragend präparierten Pisten finden sich drei Generationen gleichzeitig zurecht. Die «Grossmutterabfahrt» heisse aber nicht so, weil man sich über Ski fahrende Senioren lustig machen wolle, sagt Tourismusdirektorin Carolina Rüegg: «Das ist eine sehr alte Bezeichnung, die offenbar schon bestand, bevor 1949 der erste Skilift eröffnet wurde.» Die Grosi-Piste ist breit, besonders schön und lädt zum Carven ein. Auch wenn der Andrang an Wochenenden gross ist, kommen sich die Skifahrer nicht in die Quere.

Für Jugendliche gibts die Freestyle-Academy

Dies ist ein Vorteil Sörenbergs: Man empfindet den Wintersport nicht als gefährlich, die Pisten sind übersichtlich, und die Stimmung ist ausgesprochen friedlich. Ein Vater, der mit der Familie seit Jahren hierherkommt, schwärmt von den moderaten Preisen für Skitickets, Ferienwohnungen und Materialmiete. Die Benützung des Kinderlands auf der Rossweid ist sogar gratis.

«Sörenberg ist», bestätigt Carolina Rüegg, «klar auf Familien ausgerichtet.» Aber man begegnet in der Gondel zur Rossweid auch jungen Zürcherinnen, die an diesem Tag bereits zum vierten Mal den Startpunkt des Schlittelwegs ansteuern. Sie sind begeisterte Stammgäste und bringen an Wochenenden immer wieder neue Kolleginnen mit.

Man kann sich auch eine kleine Pause gönnen: Panorama-Aussicht auf den Brienzersee. Foto: Beat Brechbühl

Auch für Freestyler ist gesorgt: Alle Niveaus finden Übungs­möglichkeiten auf Boxen, Rails und Tubes — jährlich kommen neue Elemente hinzu. Jeweils am Mittwoch treffen sich Jugendliche in einer Freestyle-Academy. «In ­Sörenberg lernen sehr viele Kinder Ski fahren, und viele Talente trainieren hier», sagt Carolina ­Rüegg. «Bin i guet gfahre?», ruft ein Knirps vom Lift bei der Husegg dem Trainer zu, bevor er noch einmal unerschrocken durch die Stangen des ausgesteckten Riesen­slaloms kurvt.

An schönen Tagen herrscht in den Bergrestaurants Hochbetrieb. Im Zentrum stehen das grosse Erlebnis-Restaurant Rossweid, das Chäs Stübli Ochsenweid und die Skihütte Schwarzenegg. Die Einheimischen, auf deren gastronomische Auskünfte man sich gerne verlässt, suchen mit Vorliebe das Skihaus Schwand auf, ein heimeliges, unkompliziertes Lokal. Am späteren Nachmittag ist man dann auf den Pisten fast alleine unterwegs. Junge Leute lassen den Skitag in der Schneebar auf der Rossweid ausklingen. Nur die Unermüdlichen nutzen die Lifte bis zur letzten Minute, um dann zur gemütlichen Heubödi-Bar hinunterzugleiten.

Die Reise wurde unterstützt von Sörenberg Flühli Tourismus.

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