Die Tropen liegen vor der Haustür

In den Gewächshäusern der Botanischen Gärten in der Schweiz herrschen auch im Winter tropische Temperaturen.

Die verschlungenen Pfade im Papiliorama in Kerzers FR führen vorbei an Faultieren und Waschbären, während die Fledermäuse um die Ohren fliegen. Fotos: zVg

Die verschlungenen Pfade im Papiliorama in Kerzers FR führen vorbei an Faultieren und Waschbären, während die Fledermäuse um die Ohren fliegen. Fotos: zVg

Im Winter würden manche Landsleute am liebsten in den nächsten Flieger steigen, der in die Wärme zieht. Dabei bieten auch die hiesigen botanischen Gärten in ihren Gewächshäusern tropisches und subtropisches Ambiente. Erst noch ohne Gerangel um die besten Strandplätze.

Die botanischen Gärten entstanden einst nicht in erster Linie, um den Besuchenden eine Art urbane Wellness-Oase zu bieten: Sie haben sich mit ihren ausgedehnten Anlagen vielmehr der Arterhaltung, Züchtung und Forschung von Pflanzen verschrieben. Oft sind sie deshalb auch Universitäten angegliedert, die bis heute einheimische und fremdländische Pflanzenarten wissenschaftlich untersuchen.

Heute freilich sind diese weitgehend öffentlichen Gartenanlagen Orte, wo Wissenschaft und Vergnügen zusammenkommen. Entsprechend bieten die Botanischen Gärten der Schweiz Führungen, Workshops, Vortragsreihen und Ausstellungen an. Jedes Jahr im Februar und von Mitte Juni bis Mitte Juli spannen rund 20 botanische Gärten der Schweiz für die Botanica zusammen, um während dieser Zeit auf die Rolle der Gärten hinzuweisen, die sie als Hort der Biodiversität spielen.

In Basel liegt der älteste botanische Garten der Schweiz.

Botanischer Garten Baselbotgarten.unibas.ch

Das Viktoriahaus im Botanischen Garten in Basel beim Spalentor wirkt wie ein überdimensioniertes Lusthäuschen. Es wurde einst für die berühmten Riesen-Seerosen gebaut, deren Blätter bis zu zwei Meter Durchmesser haben. Auch andere Sumpf- und Wasserpflanzen gedeihen in dem kuppelförmigen Glasbau aus dem Jahr 1898, etwa die Nymphoides indica oder Spiranthes spiralis. Und auch im Tropenhaus im ältesten Botanischen Garten der Schweiz (er wurde 1589 von Caspar Bauhin gegründet) streift man durch eine Wunderwelt an Pflanzen und darin lebenden Vögeln. Im Sommer erhalten sie ein neues Zuhause, dann wird der alte Bau durch einen neuen ersetzt.

Botanischer Garten Freiburgunifr.ch/jardin-botanique

Einst als Ausbildungsort für Mediziner und Pharmazeuten gegründet, ist der botanische Garten in Freiburg heute auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Anfangs enthielten die Abteilungen vor allem Medizinal-, Nutz- und Wasserpflanzen. Im Laufe der Jahre kamen tropische Gewächshäuser, Geophyten und geschützte Pflanzen hinzu. Heute umfasst die Sammlung rund 5000 Pflanzenarten. In den diversen Schauhäusern sind Kletter- und Wasserpflanzen sowie tropische Spezialgewächse zu bestaunen, aber auch Gewürze, Färbepflanzen oder Kakteen und Sukkulenten, die in den Trockengebieten Amerikas, Afrikas und dem Mittelmeergebiet wachsen.

Jardin botanique de Genèveville-ge.ch/cjb

Auf der einen Seite rauscht der Verkehr über die Rue de Lausanne, auf der anderen brettern die Züge vorbei. Dazwischen herrscht auf dem 28 Hektaren grossen Gelände des botanischen Gartens von Genf mit Blick auf den Lac Léman eine fast meditative Ruhe. Ins Auge sticht das 21 Meter hohe neoklassizistische Gewächshaus, das wie ein kleiner Palast wirkt. Darin wachsen mediterrane Klimapflanzen aus der ganzen Welt, wie etwa Sukkulenten oder gigantische Palmen, die ihre Blätter bis unter die Kuppel strecken. Das älteste Gebäude ist der Jardin d’hiver, das 1911 von Henri Juvet erbaut wurde. Heiss und feucht ist die Luft darin, genauso wie es Gewürze, essbare Wurzeln und tropische Früchte mögen.

Papiliorama Kerzerspapiliorama.ch

Das Papiliorama in Kerzers FR ist mehr als ein Tropengarten. Im 1200 Quadratmeter grossen Dom kann man nämlich nicht nur in eine Pflanzenwelt mit rund 120 Arten eintauchen, sondern auch eine Fülle von Schmetterlingen und spektakulären Vogelarten wie Nektarvögel, Kragentauben oder Turakos erleben. Zudem gibt es ein Nocturama, das im Innern eine Vollmondnacht-Stimmung inszeniert. So kann man mitten im Tag einen nächtlichen Spaziergang unternehmen und die nachtaktiven Tiere der Tropenwälder beobachten. Die verschlungenen Pfade führen vorbei an Faultieren und Waschbären, während die Fledermäuse um die Ohren fliegen.

Jurassica, Jardin botanique Porrentruyjurassica.ch

Die sieben Gewächshäuser im Jardin botanique in Porrentruy zeigen eine bemerkenswerte Fülle von fleischfressenden Pflanzen oder Sammlungen wie diejenige der Pflanzengattung Tillandsia, die zur Familie der Bromelien gehören. Die 550 Sorten sind eine Schenkung von Jürg Rutschmann, dem selbst acht Neuzüchtungen gelungen sind, wovon eine seinen Namen trägt: Tillandsia jürgrutschmanni. Der mitten in der Stadt gelegene Garten wurde übrigens 1798 auf Anordnung aus Paris gegründet, nachdem die Helvetische Republik durch Frankreich annektiert und Porrentruy zur Departementshauptstadt wurde. Heute ist der botanische Garten Teil des Musée Jurassien, Jurassica genannt, und wurde 1972 neu gestaltet.

Botanischer Garten St. Gallenbotanischergarten.stadt.sg.ch

Spaziert man durch das Karnivorenhaus im etwas ausserhalb der Stadt gelegenen botanischen Garten St. Gallens, erfährt man allerhand über fleischfressende Pflanzen. Sie locken die Insekten und kleinen Lebewesen mit Klebfallen (Sonnentau), Gleitfallen (Kobralilie), Klappfallen (Venusfliegenfalle) oder Saugfallen (Wasserschlauch) an. Im Tropenhaus stösst man auf ein paar altbekannte Pflanzen, die man zwar täglich konsumiert – und doch nicht wirklich kennt. Oder wissen Sie, wie die Pflanzen von Ingwer und Zimt, Pfeffer und Vanille aussehen? Ingwer zum Beispiel hat sehr dekorative rote Blüten, und die Gewürzvanille gehört zu den Orchideengewächsen, weshalb sie entsprechende Blüten hat. Wer noch mehr über Pflanzen (und Tiere) erfahren will, besucht auch noch das 2016 eröffnete Naturmuseum St. Gallen gleich neben dem botanischen Garten.

Stadtgärtnerei Zürichstadt-zuerich.ch/stadtgaertnerei

Im Tropenhaus der Stadtgärtnerei Zürich findet man manche seltene Blüte. Foto: Dominique Meienberg

Inmitten von mehrstöckigen Miethäusern befindet sich die Stadtgärtnerei. Vogelgezwitscher empfängt einem im Palmenhaus, blaugrüne Papageiamadine picken gierig vom Futternapf, ein Maskenkibitz stöckelt frech vorbei und der gelbe Safranfink hüpft zwischen den Palmen hin und her. Wie in einem wahren Dschungel fühlt man sich zwischen den Kokospalmen, Kapok- oder Affenbrotbäumen. Kleine, verschlungene Wege führen durch das einst als Orangerie erbaute Gewächshaus. Farbenfrohe Blüten und exotische Früchte empfangen im Tropenhaus. Passionsblumen und Jadewein klettern am Gerüst empor. Anthurium und Medinilla zaubern mit ihren farbigen Blüten bunte Akzente ins Grün.


Weitere botanische Gärten mit Gewächshäusern

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