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Die Bucht der verlassenen Hotels

Nicht alle Ferienanlagen an der kroatischen Küste haben den Sprung in die Moderne geschafft. Die Ruinen erzählen ihre eigene Geschichte.

Einige Kilometer südlich von Dubrovnik befindet sich Kupari. Die Bucht des Ortes ist für seine verlassenen Hotels bekannt.
Einige Kilometer südlich von Dubrovnik befindet sich Kupari. Die Bucht des Ortes ist für seine verlassenen Hotels bekannt.
iStock
So sahen die Hotelanlagen früher aus, vorne zu sehen: Das Hotel Pelegrin, dahinter das Hotel Kupari.
So sahen die Hotelanlagen früher aus, vorne zu sehen: Das Hotel Pelegrin, dahinter das Hotel Kupari.
Dubrovnik-turistinfo.com
Spielerisch hat Architekt Milicevic nicht nur den Fels, sondern auch den Wald in die Hotelstruktur integriert.
Spielerisch hat Architekt Milicevic nicht nur den Fels, sondern auch den Wald in die Hotelstruktur integriert.
Aleksandra Hiltmann
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Die Badegäste am sichelförmigen Strand von Kupari, 10 Kilometer südlich von Dubrovnik, geniessen Sonne und Meer. Ferien an der kroatischen Küste sind beliebt. Sie waren es bereits zu Titos Zeiten. Die eleganten Hotels von damals ereilten jedoch unterschiedliche Schicksale. Das sieht man heute eindrücklich. Hinter den Sonnenhungrigen ragen fünf Hotelruinen in den blauen Himmel. An den hellen Betonwänden klaffen Einschusslöcher, die Scheiben fehlen, in den langen Gängen wuchert Unkraut.

Einst war der Strand von Kupari bekannt für luxuriöse Ferienunterkünfte, gebaut von namhaften Architekten wie dem Bosnier David Finci. Die rund 1600 Betten blieben Angehörigen der Jugoslawischen Nationalarmee JNA und deren Familien vorbehalten. Während des Kriegs zerstörte ausgerechnet die JNA die Ferienanlagen. Seither nagt der Zahn der Zeit unbarmherzig am Gemäuer. Seither nagt der Zerfall.

Doch nun sind die Ruinen zu einer eigenen Touristenattraktion geworden. Abenteuerlustige Reiseblogger posten Bilder von Erkundungstouren durch die verlassenen Räume.

Modernistische Träume

Ein ganz anderes Bild bietet sich in Cavtat, einige Buchten weiter südlich. Dort thront das Hotel Croatia. Wie gross der schiffförmige Bau auf der Klippe tatsächlich ist, sieht man nur vom Meer aus oder von oben.

Steigt man den Weg aufwärts zur Lobby, erkennt man im Pinienwald kaum etwas vom Hotel. Plötzlich steht man vor mehreren halbrunden, spitz zulaufenden Betonmauern. Brutal, grau, doch irgendwie leicht. Innen schreitet man über glänzenden Steinboden zu einer eleganten Wendeltreppe, dahinter eine massive Bar aus dunklem Holz, links davon eine Glasfront mit Blick ins Grüne. Der blumenbepflanzte Innenhof geht direkt über in den Pinienwald. Man erreicht ihn über geschwungene schmale Betonpfade und -brücken. Man glaubt, in einer Filmkulisse zu wandeln.

Architekt Slobodan Milicevic schuf mit dem Hotel ein Denkmal für den Tourismus im damaligen Jugoslawien. Tito investierte gezielt in das Urlaubsgeschäft an der kroatischen Küste. Ab den 1950er-Jahren wurden einerseits Hotels für einheimische Gäste gebaut, oft einfachere Unterkünfte. Dort verbrachten Arbeiterinnen und Arbeiter mit ihren Familien Ferien auf Staatskosten. Andererseits wollte man westliche Touristen anziehen – diese kamen bald in Scharen. Um die Errungenschaften und Offenheit Jugoslawiens zu demonstrieren, wurden zahlreiche Luxushotels mit kosmopolitischem Flair errichtet, wie das Hotel Croatia. Die Architekten genossen dabei relativ viele Freiheiten, anders als in den Ländern des ehemaligen Ostblocks.

Das Hotel Pelegrin in der Bucht von Kupari ist heute eine Ruine. Markant ist es geblieben. Illustrationen zeigen seine klaren Linien und imposante Form. Quelle: Oris, 1999, No. 42, S. 107-109/ Jovis.
Das Hotel Pelegrin in der Bucht von Kupari ist heute eine Ruine. Markant ist es geblieben. Illustrationen zeigen seine klaren Linien und imposante Form. Quelle: Oris, 1999, No. 42, S. 107-109/ Jovis.
Das Hotel Croatia in Cavtat wurde sorgfältig in die Landschaft integriert, charakteristisch für die modernistische Architektur an der kroatischen Küste. Quelle: Zoran Balog, Agro inzenjering, Zagreb/ Jovis.
Das Hotel Croatia in Cavtat wurde sorgfältig in die Landschaft integriert, charakteristisch für die modernistische Architektur an der kroatischen Küste. Quelle: Zoran Balog, Agro inzenjering, Zagreb/ Jovis.

Eigen ist den modernistischen Ferienbauten an der kroatischen Küste auch, dass sie sich gezwungenermassen der Landschaft haben anpassen müssen. Steil abfallende Klippen, Sandstrände, Steinstrände, sanfte Hügel, kleine Buchten, so unterschiedlich wie die natürlichen Gegebenheiten fielen die Hotels aus. Von extrem hohen Konstruktionen wurde bald abgesehen. Stattdessen setzte man auf Bauten, die sich gut ins Umland integrieren, etwa durch gestufte Bauweisen oder Terrassen.

Wunderbare Einblicke in die Architektur und historischen Hintergründe der ehemaligen jugoslawischen Ferienindustrie bietet das Buch «Holidays After the Fall» von Elke Beyer, Anke Hagemann und Michael Zinganel. Skizzen, Pläne und Fotos zeigen den Beton vom Entwurf bis zum fertig gebauten Hotel. Die Farbbilder der Interieurs lassen einen eintauchen in den Glanz von damals, der nicht überall so gut erhalten geblieben ist wie im Hotel Croatia. Das Werk hilft, die Bedeutung dieser grau-weissen Zeitzeugen zu verstehen, die Freiheit, die die Leute damals mit ihnen verbanden. «Früher sind wir mit der ganzen Familie ans Meer gefahren», erzählte ein Bosnier, der in einer ehemaligen Industriestadt wohnt. «Heute können wir uns das nicht mehr leisten.» Es bleiben die Erinnerungen.

Doch das Buch erläutert nicht nur Architektur und Geschichte, es wirft auch aktuelle Fragen auf. Wie soll es mit dem Tourismus an der kroatischen Küste weitergehen – wirtschaftlich, kulturell, umwelttechnisch?

Wie weiter mit dem Erbe?

Der Krieg der 90er-Jahre machte auch vor ihr nicht halt. Die Reiseindustrie kollabierte, Hotels wurden als Rückzugsorte der Armeen und Flüchtlingsunterkünfte genutzt. Danach wurde, wie vielerorts in der Region, Land privatisiert. Nicht immer ging das mit rechten Dingen zu. An der Küste entstehen seither haufenweise neue Ferienappartements. Mittlerweile hat sich der Tourismus mehr als erholt. An manchen Orten sind die Altstädte weitgehend geräumt von Einheimischen, die ihre Wohnungen lieber teuer vermieten. Andere können sich die Mieten nicht mehr leisten und müssen wegziehen.

Die zweite Frage, die sich beim Bad in der Bucht der verlassenen Hotels stellt: Wo findet das sozialistische Erbe Platz in der heutigen Zeit? Viele der Hotels von damals sind bis heute in Betrieb, einige jedoch nur halbwegs, so, dass die Gäste Tür an Tür mit demolierten, leeren Zimmern ihre Ferien verbringen. Andere Anlagen wurden nach dem Krieg sich selbst überlassen. Die Rechtsunsicherheit schreckte viele Investoren ab.

Die fünf Hotels von Kupari seien Teil des staatlichen Kupari-Srebreno-Projekts, einem 200-Millionen-Euro-Investitionspaket für die Entwicklung von Luxustourismus, berichtete das Portal Balkanist. Lokale Medien wollen wissen, dass grosse ausländische Investoren daran interessiert seien. Die Rechtsunsicherheit schreckt jedoch viele ab. Das für Investitionen zuständige kroatische Ministerium antwortet nicht auf eine Anfrage zum Stand der Dinge in Kupari. Anwohner mutmassen, dass einige der Gebäude von einem allfälligen Investor wohl abgerissen würden, bis auf das Grand Hotel. Dieses steht unter Denkmalschutz.

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Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOS – App für Android – Web-App
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