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Zum Abschluss ungewohnte Klänge in der Kirche

SpiezEtwas ungewöhnlich, aber erfolgreich, nämlich mit einer Jazzmatinee der Gipsyswingband Kosh, endeten am Sonntag die diesjährigen Schlosskonzerte Spiez.

Unter der Leitung des Berner «Zigeunergeigers» Simon La Bey und seiner Gypsyswingband Kosh reiste das Publikum in der mehr als ausverkauften Schlosskirche Spiez – zusätzlich zu allen nummerierten Karten wurde noch eine ganze Menge nicht nummerierte Plätze im Seitenschiff verkauft – am Sonntagmorgen quer durch Südosteuropa. Die Jazzmatinee unter dem Titel «I Raisa – Die Reise» bildete einen etwas ungewöhnlichen Abschluss der diesjährigen Schlosskonzerte in Spiez (Bilanz siehe Kasten). Leicht eigenartige Stimmung Ein wenig eigenartig war es schon, dass in dieser alten Kirche, in der typischerweise Trauungen stattfinden, eine Gypsyband auftrat – und dazu noch am Sonntagmorgen. Man hatte den Eindruck, dass es sich nicht unbedingt um die von den Musikern bevorzugte Tageszeit handelte. Auch die Zuhörenden erweckten den Eindruck, als würden sie mehrheitlich nicht allzu oft Jazz- oder Worldmusic-Konzerte besuchen, obwohl sie so zahlreich erschienen waren und sich durchaus begeistert zeigten. Der ganze Rahmen wirkte etwas steif, worunter aber die musikalische Qualität schliesslich überhaupt nicht litt. Mal wild, mal lieblich Simon La Bey (Geige), Raphael Noth (Gitarre/Gesang), Jérôme Oberson (Akkordeon) und Christian Schmid (Bass) machten Musik, die sich auf keiner CD festhalten lässt, sondern die im Moment entsteht und lebt. Die meisten Stücke waren Zigeunerlieder, die vor allem dank des swingigen Basses und der Art der Improvisationen einen jazzigen Touch erhielten. Gelernt hatten La Bey und Noth die Lieder von Sinti-musikern, mit denen sie jahrelang in einer Band spielten. Mal mitreissend und wild, mal melancholisch und sehnsuchtsvoll, mal zart und lieblich, Kosh präsentierten eine grosse Vielfalt an südosteuropäischer Musik, äusserst feinfühlig interpretiert. Abwechslung brachte zudem Isabelle Graf, welche als Gastsängerin «I Raisa», das Lied, das dem ganzen Konzert den Namen gab, interpretierte und durch ihre warme Stimme überzeugte. Zwischen den vielen Zigeunerstücken waren aber auch ab und zu Jazzstandards zu hören, denen La Bey mit seiner Geige den richtigen Drive und eine spezielle Note verlieh. Viel wagemutiger und experimentierfreudiger als die meisten klassischen Musiker, aber dennoch sehr virtuos, entlockte er seinem Instrument Klänge, wie sie die Mehrheit des Publikums von einer Geige wohl noch selten gehört hatte. Sogar die Nebengeräusche, die durch den Verstärker noch hervorgehoben und durch den Hall vervielfacht wurden, waren für einmal nicht Schönheitsfehler, sondern erwünscht. Dem Publikum gefiels. Im Programm der Schlosskonzerte hatte Ruedi Bernet, Präsident des OK, angekündigt, dass die acht Konzerte für jeden Geschmack etwas bieten sollen und deshalb verschiedene Stilbereiche, auch jenseits der Klassik, abdecken. Der Erfolg der Jazzmatinee gibt seinem Konzept recht.Miriam Schild>

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