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Zürcher Gymeler lernen stricken

Drei Wochen lang lernen Zürcher Gymnasiasten in der Schule Uttewil (Bösingen) Kochen, den Haushalt managen und Handwerken. Unter der Woche wohnen sie in der Schule und verrichten viel ungewohnte körperliche Arbeit.

Frühstück gibts in der Schule Uttewil um 7.30 Uhr. Zubereitet wird es nicht etwa vom Mami, sondern von den Schülerinnen und Schülern des Freudenberg-Gymnasiums. Von einem Ort Namens Uttewil hatten die Gymnasiasten nie gehört – bis sie die Informationsbroschüre für den dreiwöchigen Hauswirtschaftskurs erhielten. «Ich habe dann auf Google Maps nachgeschaut, wo das liegt», sagt Alex, der in Richterswil wohnt. «Du» hat Tradition Aus der Küche dringt an diesem Morgen kurz vor neun gedämpftes Klappern. Die Frühstücks-gruppe räumt die Teller und das Besteck weg. Anweisungen braucht es kaum. «Sie kennen die Küche», sagt Tina Schnyder. Sie leitet gemeinsam mit zwei weiteren Lehrerinnen den Kurs. Sie alle sind vom Kanton Zürich angestellt. Während des Kurses leben sie gemeinsam mit den Schülern in Uttewil. Von strenger Internatsstimmung kann aber nicht die Rede sein. Jugendliche und Lehrerinnen sind in den Hauswirtschaftskursen per Du, die Stimmung ist sehr friedlich – trotz der vielen Regeln: Keine Handys im Unterricht, Jungs haben auf der Etage der Mädchen abends nichts verloren und umgekehrt, Nachtruhe um 22.30 Uhr. Aber: Egal, wen der 18 Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 18 Jahren man auf das Leben im Verbund anspricht, die Antwort ist immer: «Es ist lustig hier.» Die zweite Antwort ist: «Es ist anders anstrengend als Schule.» Dazu sagt Tina Schnyder: «Sie sind sich die körperliche Arbeit in der Küche und das Putzen nicht gewohnt.» Das sei jeweils gegen Ende Woche spürbar. Eine der ersten Klassen Die Klasse aus dem Freudenberg-Gymnasium ist eine der ersten, die im Kanton Freiburg den Hauswirtschaftsunterricht besucht. Im Sommer 2004 hatte der Kanton Zürich die Hauswirtschaftskurse abgeschafft, um zu sparen. Nur drei Jahre später hiess der Kantonsrat eine Volksinitiative für deren Wiedereinführung gut. Seit 2009 werden wieder Schülerinnen und Schüler in die – wie der Zürcher Volksmund sagt – Rüebli-RS geschickt. Dazu stehen mehrere Schulheime des eigenen Kantons zur Verfügung. Weil es aber insgesamt zu wenige sind, schickt der Kanton seine Gymnasien auch in die ehemalige Bäuerinnenschule Uttewil. Auf dem Lehrplan stehen die Fächer Ernährungslehre, Hausmanagement, textiles Gestalten und Werken. Im Unterricht lernen die Jugendlichen Kleider flicken, Knöpfe annähen und Steckdosen montieren. «Wir versuchen den Unterricht möglichst praxisnahe zu gestalten», sagt Schnyder. Bei 16- bis 18-Jährigen gehe es nicht mehr lange, bis sie von zu Hause auszögen. Pfannen von daheim Am Abend ist die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine Gruppe für alle kocht, hat die andere Theorie oder Werken. Die Jugendlichen tröpfeln in die Schulküche, holen eine Schürze aus dem Schrank und waschen sich die Hände. «Heute kochen wir italienisch», sagt Schnyder. Das Menü sind verschiedene Ravioli und Gnocchi alla Romana als Vorspeise, der Hauptgang ist Salat und ein Rindssteak. Kaum ist das Menü bekannt, geht Jamin aus der Küche in Richtung Tiefkühltruhe und holt sein eigenes Fleisch. Er ist Jude und kocht koscher. Für Tina Schnyder ist dies eine Premiere, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen, gehöre aber zum Kurs: «Wir hatten schon Jugendliche mit Zöliakie oder Krankheiten wie Diabetes.» Die Jugendlichen seien aber sehr zuverlässig: «Sie übernehmen Verantwortung für sich selber und helfen sich untereinander», sagt Schnyder. hpa/ats>

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