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Wo Eisfischer ins Tal donnern

KanderstegAuf dem

Ein weiterer strahlender Tag im Berner Oberland: Die hohen Gipfel des Blüemlisalpmassivs beeindrucken und glänzen im Sonnenlicht. Inmitten dieser hohen Berge eingebettet, kommt der Oeschinensee ins Bild. Nur noch wenige rassige Kurven auf dem Schlitten, und der Reporter hat sein Ziel erreicht. Beim Berghaus oberhalb des Seeufers angekommen, lässt er den Blick über die zugefrorene und eingeschneite Eisfläche schweifen. Spuren durchkreuzen die Ebene. Aber Fischer sind vorerst keine zu sehen. Ein Eispanzer Etwas zögerlich erfolgen die ersten Schritte auf den See, gilt doch «Betreten auf eigene Gefahr». Der Hotelwirt hat zwar versichert: «Da können Panzer drüberfahren», doch der Gedanke, dass unter der Eisdecke bitterkaltes Wasser wartet, wiegt schwer. Da, ein Spalt! Er zieht sich weit in den See hinaus. Doch das ist normal. Weil sich der Wasserspiegel auch im Winter senkt, nachdem bereits eine Eisschicht den See überzieht. In einer nördlichen Bucht scheint die tief liegende Sonne trotz hoher Bergwände auf den See. Eine Handvoll Gestalten ist sichtbar. Und tatsächlich: Es sind Eisfischer. Bier und Wein zur Warterei Joachim Ogi kommt oft auf den See. Mit einem Eisbohrer hat der Kandersteger zuvor ein Loch gebohrt. Die Angelrute steckt im Schnee, der Köder irgendwo unter der Eisdecke. Neben dem Loch zwei tote kanadische Seeforellen. Ein sauberer Kiemenschnitt hat die beiden zur Strecke gebracht – ein Erfordernis des Tierschutzgesetzes. Anderswo auf dem See angle man auch die überaus beliebten Seesaiblinge, erklärt Ogi. «Doch auch die kanadischen Seeforellen sind lecker», sagt er zufrieden. Ogi ist Fischer aus Leidenschaft. Das lange Warten verkürzt er sich mit frischem Dosenbier. Anders die Gruppe Franzosen: Nicht wenige Flaschen Wein haben sie an diesem Tag getrunken. Didier erklärt, dass er und seine Kollegen extra zum Fischen in der Schweiz ihre Ferien verbringen. «In Frankreich ist noch bis März Schonzeit, man darf nicht fischen.» Auch der Franzose war bereits erfolgreich. Im Schnee liegen zwei dicke Exemplare: Regenbogenforellen. Fangquote und Kiemenschnitt Maximal sechs Fische darf ein Fischer pro Tag dem See entwenden. Die kantonale Gesetzgebung ist streng, und Kontrolleure kreuzen immer wieder am See auf. Wehe dem, der seine Fische lange zappeln lässt und sie nicht mit dem geforderten Kiemenschnitt von ihrem Leiden befreit. Etwas näher am Ufer haben zwei Rentner ihre Angeln ausgelegt. Der 77-jährige Claude Zurbrügg präsentiert stolz seine drei kanadischen Seeforellen. Anders sein Kollege Kurt Huber: «Heute war ich nicht erfolgreich. Es sind nicht mehr so viele Fische im See», sagt er etwas zerknirscht. Kein Wunder: Als die Schonzeit zu Ende ging, wimmelte es nur so von Fischern auf dem Oeschinensee. Huber schätzt, dass am 2.Januar über hundert Fischer ihr Glück versuchten. «Wenn jeder sechs Fische nach Hause brachte?», fragt Huber nachdenklich. Nicht ohne Stolz erzählt Huber, wie er 1969 eine 22 Pfund schwere, über einen Meter lange kanadische Forelle aus dem Oeschinensee gezogen hatte. Aber heute sei wohl nicht mehr viel zu wollen. Gemütlich packen die beiden Rentner ihr Material zusammen und machen sich mit den Schlitten davon. In rassiger Fahrt donnern nicht nur die beiden rüstigen Rentner nach Kandersteg, sondern mit ihnen auch die leblosen kanadischen Seeforellen. Daniel Fuchs>

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