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Wie Bild und Ton nach Zürich reisten

Vor 50 Jahren realisierte das Schweizer Fernsehen die erste Direktüber-

Winter 1958/59: Das Schweizer Fernsehen plante seine erste Direktübertragung des Lauberhornrennens. In Wengen und auf der Abfahrtsstrecke trafen sich Vertreter des Organisationskomitees, des Schweizer Fernsehens (Regisseur Walter Plüss) und der Kreistelefondirektion (KTD) Thun/Berner Oberland. KTD-Direktor Walter Küpfer betraute seinen gebirgstüchtigen Abteilungschef Liniendienste, Theo Schneiter, mit der Aufgabe. Bilder via Jungfrau-Ostgrat Theo Schneiter (87) erinnert sich: «Es stellte sich die Frage: wie bringen wir Bild und Ton ins Fernsehstudio Zürich?» Die Lösung: Für die Bildübertragung wurde je eine Richtstrahlantenne auf dem provisorischen Gebäude im Zielraum und am Jungfrau-Ostgrat in 3704 Meter Höhe montiert. Theo Schneiter: «Von dort wurden die Bilder ins Richtstrahlzentrum Albis und weiter ins Fernsehstudio übermittelt.» Ton via KabelEinen andern Weg nahm der Ton. «Vom Eurovisionszentrum im Zielraum gelangte der Ton via die Telefonzentralen Lauterbrunnen, Interlaken, Thun, Bern und der Verstärkerstelle Zürich ins Fernsehstudio», erinnert sich Theo Schneiter. Zu übertragen waren nicht nur die Kommentare der Fernseh-, sondern auch der Radioreporter. «Für jede Verbindung waren zwei Adern im Kabel notwendig», berichtet Schneiter, «es fehlte an Kapazität.» So überlegte man sich in der KTD Thun, Ferienwohnungsbesitzer in Wengen anzufragen, ob sie während des Lauberhornrennens einige Tage auf ihre Anschlüsse verzichten könnten. Es wurde dann aber eine andere Lösung gefunden. «Wir installierten in einem «Schüürli» in Zielnähe eine kleine provisorische Zentrale, einen sogenannten Leitungsdurchschalter, mit einem Verteiler und konnten so den Mangel an Verbindungsleitungen zwischen Wengen und Lauterbrunnen überbrücken», erzählt Theo Schneiter, der auch, nachdem er 1971 Kreistelefondirektor geworden war, dem Lauberhornrennen eng verbunden blieb. Ab dem Hundschopf «Bei dem von 18 Nationen beschickten Lauberhornrennen reihte sich am Samstag im Abfahrtslauf Überraschung an Überraschung», berichtete das «Oberländische Volksblatt» am 11.Januar 1960. Nächtlicher Schneefall hatte zur Folge, «dass ganze Helferbrigaden auf die Piste gerufen wurden, um Stampfarbeiten zu verrichten». Dichter Nebel verlangte dann aber doch die Tieferlegung des «Startpunktes» auf den Hundschopf. 4 Kameras, 30 Mitarbeiter Wie die Sportinformation berichtete, nützten die Fahrer mit den Startnummern 23 bis 31 besser werdende Bedingungen und machten die Podestplätze unter sich aus. Als Sieger liess sich der 17-jährige Deutsche Willy Bogner feiern. «Für die Schweizer gab es nur Enttäuschungen, denn Roger Staub musste in den Schnee, Willy Forrer kam nicht auf sein gewohntes Tempo, und der beste Schweizer, Jakob Ardüser, wurde erst im 22.Rang erwähnt», berichtete die Sportinformation. Das Schweizer Fernsehen übertrug die Abfahrt in zwölf Eurovisionsländer. Vier Livekameras begleiteten die Rennfahrer auf dem untersten Teil der Strecke bis ins Ziel. Um die Direktübertragung realisieren zu können, waren 10 Tonnen Material mit der Bahn bergwärts transportiert und 14 km Kabel verlegt worden. 30 TV-Mitarbeiter standen im Einsatz. 23 Kameras, 110 Leute Auch 50 Jahre später produziert das Schweizer Fernsehen mit einem immensen technischen Aufwand die prestigeträchtigen Lauberhornrennen. 110 Mitarbeitende der SRG SSR idée suisse stehen im Einsatz. 20 Kameras entlang der Abfahrtsstrecke fangen das Renngeschehen für das Weltsignal ein. Das Schweizer Fernsehen produziert mit drei zusätzlichen Livekameras. Die Signale gelangen über eine Glasfaserverbindung vom Zielhaus in Wengen direkt zu den in Lauterbrunnen stationierten Übertragungswagen. Der bis vor zwei Jahren aufwändige Transport von Reportagewagen und der technischen Infrastruktur per Bahn oder Helikopter nach Wengen entfällt grösstenteils. Was war 1956? Im Buch zum 40-Jahr-Jubiläum des Lauberhornrennens ist ein Bericht des Thuner Telefondirektors Küpfer wiedergegeben. Dort heisst es: «Im Jahre 1956 hat das Schweizer Fernsehen die erste Direktübertragung über das Lauberhornrennen ausgestrahlt.» Und in der «Lauberhorn-Saga», die zum 50. «Horerenne»-Geburtstag erschien, schreibt Karl Erb, TV-Kommentator sowie 1955 und von 1960 bis 1977 Pressechef in Wengen: «Bereits 1956 ging die erste TV-Übertragung des Lauberhornrennens über die Bühne.» Peter Minder, SF-Produzent und Kommentator, hält dem entgegen: «In den Archiven des Schweizer Fernsehens stammen die Aufzeichnungen von der ersten Lauberhorn-Direktübertragung aus dem Jahre 1960.» In den minutiösen Aufzeichnungen von Vater Gertsch habe Viktor Gertsch den Vermerk «1. Direktübertragung der Abfahrt» in den Rennprotokollen von 1960 gefunden. Das erste Dokument Fernsehen/Lauberhorn im Museum für Kommunikation in Bern stammt aus dem Jahr 1964. «Eine Direktübertragung war vor 1960 gar nicht möglich», ist sich Theo Schneiter sicher. Gleicher Meinung ist der in Därligen aufgewachsene Otto Dietrich, langjähriger Leiter Aussenproduktionen von SF DRS. Karl Erb (83) sagt, er verfüge über keine Unterlagen mehr. Möglich sei, dass die Abfahrt 1956 nicht als Direktsendung, sondern als Aufzeichnung in die Stuben gelangt sei. Und so wird es wohl gewesen sein. Ueli Flück >

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