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Wie Aeschlimann Tinu den Schlatter Beat bodigte

Martin Aeschlimann ist einer der hoffnungsvollsten Emmentaler Jungschwinger – und seit neustem auch Kinodarsteller. Im Film «Hoselupf» nimmt er sich Beat Schlatter vor.

«Ich glaube, der Schlatter war nervöser als ich», sagt Martin Aeschlimann. Er selber ist zwar erst knapp 16-jährig und, natürlich, noch nie in einem Kinofilm aufgetreten. Aber im Schwingen ist er definitiv der Bösere als sein Gegenüber, hat an Wettkämpfen bereits achtzig Lorbeerzweige gewonnen, dazu diverse Glocken, Holzteller, Werkzeug und ein Racletteöfeli. Weil in seinem Zimmer bald kein Platz mehr für weitere Preise ist, baut der Vater auf der Heubühne nun eine separate Schwingerstube ein. Dieser Martin Aeschlimann also bestritt am «Eidgenössischen» in Frauenfeld einen Schaukampf gegen Beat Schlatter, den Mann, der sich im Film «Hoselupf» auf die Suche nach der Seele des Schwingens macht. Zuvor trainierte der Schauspieler fast ein Jahr mit dem Schwingklub Zürich – «aber man hat halt trotzdem gemerkt, dass ihm noch etwas die Routine fehlt», sagt der gross gewachsene Aeschlimann. Jedenfalls hatte er Schlatter nach einer Minute auf dem Rücken. Mit einem sauberen Churz. 9 Kilometer Schulweg Wer den Sieger besuchen will, verlässt die Hauptstrasse in Trubschachen unten und fährt auf einem schmalen Weg mit ungezählten Kurven hinauf ins äussere Buhus. Hier, im Bauernhaus, lebt Martin Aeschlimann mit seinen Eltern sowie seinen drei jüngeren Geschwistern. Im Stall stehen dreissig Milchkühe und zwanzig Mutterschweine. Das steile Land ist schwer zu bewirtschaften; da muss die ganze Familie mit anpacken. Auch Martin. Am Morgen fährt er mit dem Töffli ins Dorfschulhaus Trub, wo er die 9.Klasse besucht. Über Mittag bleibt er dort, der neun Kilometer lange Schulweg lässt ihm keine andere Wahl. Am späteren Nachmittag kommt er nach Hause, erledigt je nachdem Hausaufgaben, hilft im Stall und geht dann ins Training. Einmal pro Woche in den Schwingkeller Trub, einmal nach Sumiswald, zwei- bis dreimal ins Fitnessstudio nach Langnau. Dazu stehen die Aeschlimann-Brüder – auch der vier Jahre jüngere Ueli hat die Leidenschaft für diesen Sport entdeckt – fast jedes Wochenende an einem Jungschwingertag im Einsatz. Martin Aeschlimann zähle zu den hoffnungsvollsten Schwingern seines Jahrgangs, sei «ein ruhiger, überlegter Giel, zu dem die Jüngeren hinaufschauen können», sagt Fritz Bähler, Jungschwingerleiter im Emmentaler Verband. Er wurde von der «Hoselupf»-Crew seinerzeit angefragt, welche Jungs man gegen Beat Schlatter schwingen lassen könnte – und nannte Aeschlimann als einen der Kandidaten. Mit dem Film zufrieden Dass sich das Team schliesslich für ihn entschieden und er zugesagt habe, bereut Martin Aeschlimann nicht. «Der Schlatter ist ein gäbiger, lustiger Typ», berichtet er. Kürzlich, bei der Schweizer Premiere in Zürich, habe er ihn wieder getroffen und mit ihm geplaudert. «Natürlich musste ich am nächsten Morgen in der Schule genau erzählen, wie es in Zürich war.» Und wie der Film herausgekommen sei. Und, wie ist er herausgekommen? «Gut», antwortet der junge Mann, der im Sommer das Bauernlehrjahr beginnt. Sowieso sei es eine schöne Erfahrung gewesen, bereits als 15-Jähriger an einem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest auftreten zu können. Später möchte er das auch als Aktivschwinger schaffen. – Und während Mutter und Vater mit dem Besuch am Küchentisch noch einen Kaffee trinken, verabschiedet sich Martin Aeschlimann schon mal. «Ich sollte drum unbedingt noch das Töffli flicken.» Markus Zahno>

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